Das kleine Mädchen kann gerade laufen. Jetzt setzt es sich auf den Bürgersteig. Spannend hier. Dieser Sand zwischen den Pflastersteinen. Diese vielen Leute. Wozu weitergehen? Die Eltern versuchen, das Kind zu locken. Tiere! Mähdrescher! Waffeln! Was da nicht alles wartet auf dem Gelände von Haus Riswick am Familientag mit Kreistierschau! Das kleine Mädchen findet den Sand gerade interessanter. Zumindest für den Moment.

Die riesigen Landmaschinen waren beliebte Fotomotive.
Die riesigen Landmaschinen waren beliebte Fotomotive. © Andreas Daams

Es bleibt mit diesen Vorlieben allerdings ziemlich allein. Tausende strömen auf das Gelände. Da gibt es jede Menge zu sehen. Großväter drehen mit den Enkeln ihre Runde auf extra kleinen Treckern. Eltern posieren mit ihren Kindern vor riesigen Treckern. Und die Kinder kommen in Kontakt mit Tieren. Süßen Schweinchen, die gleich ein Wettrennen veranstalten. Wer wird gewinnen, Erna oder Susi Schütze? Kühen, die um den Schönheitspreis wetteifern. Ganz neue Vokabeln hört man da, Kriterien sind etwa die Körpertiefe und die Drüsigkeit. Für den Laien sieht eine Kuh aus wie die andere, aber es ist wohl wie immer: Wer sich näher mit einer Sache beschäftigt, der erblickt eine Fülle von Details.

Vererbtes Hobby

Ortstermin bei den Kaninchenzüchtern. Es ist etwas anderes, zwei Kaninchen zum Streicheln für die Kleinen daheim zu halten, oder sie zu züchten. „Ein wunderbares Hobby“, findet Heike Jacobs, Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins Goch. „Eine Beschäftigung außerhalb von allem Digitalen.“

Willibert Friederichs und Heike Jacobs züchten Kaninchen.
Willibert Friederichs und Heike Jacobs züchten Kaninchen. © Andreas Daams

Schon ihr Vater hat Kaninchen gezüchtet, so dass sie in das Hobby hineingewachsen ist. Die Tiere machen ihr Freude – und Arbeit. „Das Hobby fordert einen 365 Tage im Jahr“, gibt Willibert Friederichs zu bedenken. Er ist Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins Emmerich. Insgesamt zehn Vereine haben sich zum Kreisverband der Rheinischen Rassekaninchenzüchter Kleve zusammengeschlossen.

Urlaubsservice für die Kaninchen

Wenn das so viel Arbeit ist, wie macht man dann Urlaub? Hier bietet der Verein neben Austausch, gemeinsamen Ausflügen und Geselligkeit auch einen Urlaubsservice. Man stellt Urlaubspläne auf, und dann versorgt der eine die Tiere des anderen, der gerade verreist ist. „Aber man ist heilfroh, wenn der andere wieder zu Hause ist und man nur noch die halbe Zahl an Tieren zu versorgen hat“, sagt Friedrichs schmunzelnd.

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Schön sind die Tiere in ihren Käfigen, sie mümmeln sich einigermaßen ungerührt von den sehnsuchtsvollen Kinderblicken durch ihr Grün. Am Ende, sagt Friederichs, seien Kaninchen jedoch Nutztiere, wie Kühe, Schweine und Hühner auch. Das ist der Teil der Geschichte, den viele Menschen lieber nicht wahrhaben möchten. Hier die putzigen kleinen Rennschweinchen, 20 Meter weiter brutzelt ein ganzes Schwein am Haken vor sich hin. Früher hielt fast jede Familie Tiere, um sie irgendwann aufzuessen. Heute ist der Konflikt ausgelagert. Dabei sollte klar sein: Auch die tollen landwirtschaftlichen Maschinen, die die kleinen Jungen so fasziniert anschauen, dienen ja nur einem Ziel: die Ernährung der Menschen sicherzustellen.