„Ziel ist, dass die Gefahr gegen Null geht“, wenn ein Patient oder eine Patientin aus der Forensik Bedburg-Hau entlassen wird. Sagt Chefarzt Dr. Jack Kreutz. Zum Schutz der Gesellschaft kamen sie her und es bestand Gefahr, dass sie wegen psychischer oder geistiger Störung (zunehmend Schizophrenie) und/oder Straffälligkeit unter Drogeneinfluss wieder Straftaten begehen.

Im Durchschnitt dauert die Behandlung 9,2 Jahre, es gibt auch Fälle, da können die Verurteilten – nach Paragraf 63 (Sucht) und 64 (psychische Störung) – bereits nach drei Jahren wieder draußen wohnen. Auf „Beziehung statt Stacheldraht“ setzte man heute, sagt Pflegedirektor Carsten Schmatz. Obwohl natürlich trotzdem ein durchscheinender, fünf Meter hoher Zaun das „neue“, mittlerweile zehn Jahre alte Gelände der Forensik I umgibt (die NRZ berichtete am Samstag ausführlich).Drinnen überrascht es ein durchaus freundliches Ambiente, mit blühenden Grünflächen in der Mitte, von den Patienten selbst gepflegt. Die Ein- und Zweibett-Zimmer haben ihr eigenes kleines Bad und den Blick durch gitter-freie Fenster.

Die Türen der Zimmer sind mit vier Schlössern gesichert. 
Die Türen der Zimmer sind mit vier Schlössern gesichert. © Astrid Hoyer-Holderberg

„So viel Normalität wie möglich“ werde geübt, so Kreutz. Arbeitstherapie, Landschaftsbau, klare Tagesstruktur und soziale Erfahrungen – bei Musiktherapie, beim eigenen Weihnachtsmarkt mit Büdchen, beim Grillen im Campusbereich, bei der Sporttherapie.

Immerhin muss man hier einige Jahre verbringen. Zurzeit leben 514 Menschen hier in der Forensik (110 in Forensik I), 396 stationär, 112 in der Belastungserprobung auch draußen. Im offenen Maßregelvollzug dürfen sie einkaufen gehen, in der Küche selbst kochen, in den Werkstätten arbeiten. Gefährlich? Nun, für jedes Werkzeug, das ein Patient benutzt, muss er namentlich gegenzeichnen, für jede Zange, jeden Schraubenschlüssel ist im Werkzeugschrank ein Schattenriss gemalt, so dass sofort auffiele, wenn eines fehlte.

Gewalttäter, die als wirklich bedrohlich gelten, bleiben auch länger als 20 Jahre, manche freiwillig ein Leben lang. Der Landschaftsverband Rheinland reagiert darauf, dass auch Forensik-Patienten immer älter werden mit einer Abteilung in Düren für Pflegefälle und Demente. Zwar lasse bei vielen Männern mit dem Alter auch die Gefährlichkeit nach (übrigens nur 3,6 Prozent Sexualdelikte, 1,9 mit Kindern), andererseits gebe es durchaus Gefährder im Rollstuhl, sagt Jack Kreutz.

Nur sieben Prozent sind Frauen

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Nur sieben Prozent aller 1500 Forensik-Patienten rheinlandweit sind Frauen (ähnlich ist es im Strafvollzug). Alle diese therapeutischen Patientinnen aus dem LVR-Bezirk sind in Bedburg-Hau zusammen gefasst. Die gender-spezifische Unterbringung brachte deutlich bessere Erfolge in der Behandlung, weil viele Frauen traumatisierende Erfahrung mit Männern machten, aus denen die Gewalttaten erfolgten.

Medizinernotstand sehen auch die LVR-Kliniken voraus, sorgen mit Ärzte-Stipendien und eigener Krankenpflegeschule soweit möglich vor. „Aber wir werden wohl den Weg gehen müssen“, so Dr. Kreutz, ähnlich den Niederlanden und wie bereits an anderen LVR-Standorten, auch in Bedburg-Hau bald Psychotherapeuten eine leitende Funktion zu geben.