Der Arbeitskreis „Unser Dorf hat Zukunft“ im Förderverein Hansestadt Grieth hat auf den bedenklichen Zustand von Haus Haan in Grieth und den drohenden Abriss hingewiesen und verweist dazu auf die Bedeutung des Hauses.
„Das Bauhaus-Jubiläums im vergangenen Jahr würdigte der Landschaftsverband Rheinland mit einem eindrucksvollen Band: „Neues Bauen im Rheinland. Ein Führer zur Architektur der klassischen Moderne“. Zwei Seiten sind darin dem Haus Haan in Grieth gewidmet, seit 1931 „im Kontext der Griether Architektur ein Solitär“ und für Kalkar der einzige Repräsentant der von Walter Gropius begründeten epochemachenden Neudefinition des Bauens im Industriezeitalter.
Es ist erstaunlich, dass sich inmitten einer traditionellen Bebauung an der Rheinfront ein aus drei versetzten und in der Höhe variierten Kuben mit Flachdach zusammengefügtes Wohnhaus mit ehemals strahlend weißer Putzfassade im typischen Bauhaus-Stil findet. Mitten in der niederrheinischen Provinz ein unerwarteter Akzent der Moderne, den als Auftraggeber der örtlichen Mühlenbesitzer und Kaufmann Ludwig Haan setzte, der Kontakte zu Klever Künstlerkreisen unterhielt und mutmaßlich auch im jungen Klever Architekten Alfons Mostertz einen gestaltungswilligen Architekten im Stil der neuen Zeit fand.
Das galt offensichtlich nicht für den Gocher Architekten Matthieu Janssen, der offiziell mit der Entwurfsplanung beauftragt war, diese aber seinem damaligen Mitarbeiter Mostertz überlassen hatte. Auch von der originalen Inneneinrichtung waren bis in die 90er Jahre Teile erhalten.
Mit einem Nachfahren von Achilles Moortgat besuchte er bekannte Stationen im Leben des flämischen Malers
Als vor einigen Jahren Dr. Konrad Schacht, u.a. ehemaliger Ministerialdirigent im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und gesetztes Jury-Mitglied des Hessischen Denkmalschutzpreises das Haus Haan kennenlernte, war er sehr angetan von der gestalterischen Qualität und dem noch sehr guten Zustand, in dem sich das Gebäude zeigte. Mit einem Nachfahren von Achilles Moortgat besuchte er bekannte Stationen im Leben des flämischen Malers, dessen Weg am Ende des Krieges von Kleve in das Haus seines Bekannten Ludwig Haan geführt hatte, wo er den Krieg unbehelligt überlebte und aus Dankbarkeit für die benachbarte Kirche ein großformartiges Gemälde stiftete, dass die Gottesmutter schutzbietend über dem Rhein schwebend zeigt.
Die Witwe von Ludwig Haan hatte zeitlebens das Haus in einem gepflegten Zustand erhalten
Nachdem die Witwe von Ludwig Haan zeitlebens das Haus in einem gepflegten Zustand erhalten hatte, begann nach ihrem Tod und dem Verkauf der sichtbare Niedergang, die neue Besitzerin tat nichts für den Erhalt, ein Prozess fortschreitender Demontage und Vernachlässigung führte bei Bewohnern und Besuchern des Ortes wiederholt zu entrüsteten und verständnislosen Reaktionen. Tenor: warum wird denn hier nichts unternommen?“ Der Arbeitskreis schreibt weiter: „Immer wieder gab es Kaufwillige, die sensibel für den Erhalt des Bauwerks gewesen wären, wurden auch Pläne für eine museale Nutzung des Gebäudes entwickelt, leider fühlten sich Verwaltung und Politik bislang nicht aufgerufen, dem Verfall gegenzusteuern und in Anerkennung der überregionalen Bedeutung zielführende Maßnahmen einzuleiten.“
Das Haus ist heute aufgrund mangelnder Substanzpflege akut gefährdet
Die Uhr tickt, registriert mit zunehmender Sorge der Arbeitskreis „Unser Dorf hat Zukunft“ in Grieth. „Deshalb an dieser Stelle das beunruhigende Fazit aus der Publikation „Neues Bauen im Rheinland“: Nachdem sich das Haus bis in die 90er Jahre in ausgezeichnetem Zustand präsentierte, ist es heute aufgrund mangelnder Substanzpflege akut gefährdet. Beispiele aus Nachbarstädten zeigten, wie man vergleichbare Objekte vor dem Abriss zu bewahren wusste.“


