Die Einladung zur Pressekonferenz kam exakt 23 Stunden und 37 Minuten vor dem Termin an, was als Indiz dafür gelten darf, dass mit heißer Nadel gestrickt wurde. Am Freitag um elf Uhr, so hieß es in der Mail, bitten die SPD, die Grünen sowie die Freien Wählergemeinschaften des Kreises Kleve in das Hotel Klostergarten nach Kevelaer, um dort einen gemeinsamen Kandidaten für die Landratswahl am 27. November vorzustellen.
Warum scherte die FDP aus?
Sofort schossen die Spekulationen ins Kraut, auf wen die Wahl gefallen ist – und wieso die FDP, die im Kreistag mit den drei anderen Parteien eine Listenverbindung bildet, bei dieser Veranstaltung nicht mit von der Partie ist.
Im Vorfeld hatten sich zwei Kandidaten herauskristallisiert, von den Grünen der Kreisvorsitzende Bruno Jöbkes sowie von der SPD der Klever Stadtverbandsvorsitzende Stefan Welberts. Der Schornsteinfegermeister ist 40 Jahre alt und hat einen Sitz im Kreistag.
Bereits repräsentative Aufgaben übernommen
Nach dem Weggang von Silke Gorißen, die nach 18 Monaten im Amt Landwirtschaftsministerin in Düsseldorf wurde, fiel ihm in seiner Funktion als erster stellvertretender Landrat bereits die Aufgabe zu, den Kreis bei offiziellen Anlässen zu vertreten – zum Beispiel bei der Verleihung des Rheinlandtalers an den Reeser Geschichtsverein Ressa, wo Welberts im Auftrag des Kreises ein Grußwort hielt und ein Geschenk überreichte. Nach NRZ-Informationen strebt der Mann nun an, derlei Aufgaben öfter zu übernehmen.
Dem Vernehmen nach hat Bruno Jöbkes gegenüber Welberts zurückgesteckt – obwohl es die Grünen sind, die gerade mit besten Umfragewerten glänzen. Jöbkes wiederum hatte sich offenbar gegen eine parteiinterne Widersacherin behaupten müssen. Denn zwischenzeitlich wurde auch Friederike Janitza als Kandidatin gehandelt. Sie verfügt über eine juristische Ausbildung und hatte 2020 als Bürgermeister-Kandidatin in Rheurdt überraschend gut abgeschnitten. Doch sie galt wohl als zu unerfahren – der Auftritt in Rheurdt war ihre kommunalpolitische Premiere, die beiden anderen Gegenspieler sind jeweils schon seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik aktiv.
Chancen auf die Stichwahl
Sollte Welberts tatsächlich der Kandidat der drei Parteien werden, stehen angesichts der breiten Unterstützung durch SPD, Grüne und durch die Freien Wähler die Chancen nicht schlecht, in die Stichwahl einzuziehen. Dann käme es darauf an, sich die Unterstützung der Parteien zu sichern, deren Kandidaten ausgeschieden sind.
Dass die FDP aus der Verbindung der drei anderen Partein ausgeschert ist, deutet darauf hin, dass sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken wollen. Das könnte Prof. Dr. Ralf Klapdor sein, aber dazu verlautete bisher aus Kreisen der Freidemokraten noch nichts. Bis Mittwoch Abend waren Vertreter der FDP noch in der Sondierungsgruppe aktiv, dann stiegen sie aus.
Als erste Partei hatte die CDU Mitte Juli den Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers als Kandidaten für die Gorißen-Nachfolge präsentiert, am vergangenen Wochenende war der parteilose Kandidat Guido Winkmann aus der Deckung gekommen.
Sorge um Wahlbeteiligung
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Die Wahlbeteiligung dürfte vermutlich einen historischen Tiefstwert erreichen, da nur die eine Person zur Wahl steht und viele Bürger wahrscheinlich etwas wahlmüde geworden sind.
2020 gingen immerhin noch 136.545 Bürger des Kreises Kleve an die Urne, was einer Wahlbeteiligung von 51,52 Prozent entsprach. Erfahrene Parteipolitiker befürchten jetzt Werte von rund 30 Prozent, sodass schon ein paar tausend Stimmen mehr oder weniger das Bild komplett verändern könnten.


