Klever Köpfe

Der Kampf für mehr Bildung

ohanna Hundhausen (mittlere Reihe 3.v.r.) bei einem Familientreffen in Grevenbroich 1903.

ohanna Hundhausen (mittlere Reihe 3.v.r.) bei einem Familientreffen in Grevenbroich 1903.

Foto: NRZ

Kleve.   Johanna Hundhausen leitete in Kleve ein Lyzeum und setzte sich unnachgiebig für ihre Schülerinnen ein

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Johanna Hundhausen kam 1913 als Oberlehrerin an das katholische Mädchenlyzeum in Kleve. Geboren wurde sie 1877 in eine Bürgerfamilie, in der Bildung eine große Rolle spielte. Doch so grad-linig, wie man es heute erwarten würde, verlief das Leben der Tochter eines Ingenieurs, der in Grevenbroich eine Fabrik zur Herstellung von Maschinen für die Zuckerindustrie gründete, nicht. Bis 1908 durften Frauen in Preußen nicht studieren und so blieb ihr nach Ende der Schulzeit nur der Besuch eines privaten Lehrerinnenseminars. Lehrerin war lange Zeit der einzige akzeptierte Beruf für Bürgertöchter, für die Berufstätigkeit ansonsten verpönt war. Ein Studium war dazu nicht notwendig.

Dennoch gehörte die inzwischen 31jährige Johanna Hundhausen zu den ersten Studentinnen, die sich 1908 an der Universität Bonn immatrikulierten. Sie studierte Germanistik und Geschichte.

„Lehrerinnenzölibat“

Die Entscheidung für den Beruf war gleichzeitig eine Entscheidung gegen Ehe und Familie. Das tatsächlich so genannte „Lehrerinnenzölibat“ entsprach der gesellschaftlichen Norm, war aber in Preußen auch seit 1892 amtlich angeordnet.

Johanna Hundhausen nutzte die Freiräume, die der Verzicht auf ein Familienleben mit sich brachte. Sie war von Beginn an politisch aktiv – zunächst im Katholischen Deutschen Frauenverein und nachdem die Frauen 1918 das Wahlrecht erhalten hatten, auch innerhalb der katholischen Zentrumspartei, der in Kleve mit Abstand stärksten Partei. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreichs waren die Parteien bereit, den Frauen mehr Mitwirkungsmöglichkeiten zu geben. Außerdem mussten die Frauen von den Parteien nun als Wählerinnen gewonnen werden.

Johanna Hundhausen trat bei Wahlveranstaltungen des Zentrums als Rednerin auf und rief die Frauen zur politischen Mitarbeit auf. Auch von ihren Schülerinnen verlangte sie „politisches Interesse, Zeitungslektüre und Teilnahme am politischen Leben der Stadt“.

Ihr Hauptinteresse galt der Berufstätigkeit von Frauen. Hier hob sie sich von den männlichen Parteimitgliedern ab, die nach dem Krieg die Frauen wieder aus dem Erwerbsleben hinausdrängen wollten. Ihre Schülerinnen unterstützte sie auf dem Weg zu einem „selbständigen Lebensberuf“.

Der Schule im Aufbau

Das katholische Mädchenlyzeum, dessen Leitung Johanna Hundhausen 1919 übernahm, befand sich seit 1911 in einem modernen Neubau. Die Schule besaß die Anerkennung als höhere Lehranstalt mit der mittleren Reife als oberstem Abschluss. Um ihren Schülerinnen optimale Berufschancen zu bieten, genügte ihr dies nicht. Sie setzte schließlich den Ausbau zum Oberlyzeum durch, der mit erheblichen Kosten für die Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt, der Eigentümerin der Schule, verbunden war.

Bildung verhindert

1931 verließen die ersten Abiturientinnen die Schule. Nur zwei Jahre später musste Johanna Hundhausen mitansehen, wie rasch die Nationalsozialisten Einfluss auf ihre Schule nahmen. Der Staat griff unmittelbar in das Schulleben ein und beschränkte zugleich die höhere Mädchenbildung. Der Anteil von Studentinnen durfte nur noch 10 Prozent betragen. In der Presse und bei Versammlungen wurde sie persönlich angegriffen. Man warf ihr die Verschwendung öffentlicher Gelder vor. Sie hätte sparsamer sein müssen.

Mit Ablauf des Schuljahres 1933/34 endete mit der vorzeitigen Pensionierung die Tätigkeit von Jo-hanna Hundhausen als Schulleiterin. Ob sie resignierte oder gezwungen wurde, ist nicht zu klären. Jedenfalls war der Weg frei für eine Zusammenlegung der beiden privaten konfessionellen Mädchenschulen zu einer städtischen Schule im Gebäude des ehemaligen katholischen Lyzeums. 1938 erhielt diese den Namen Johanna-Sebus-Schule.

Johanna Hundhausen widmete sich nun der Bildungsarbeit des Katholischen Frauenbundes, in des-sen Haus in Essen sie seit 1945 auch lebte. Immer wieder war sie Gast in Kleve, so auch bei der Einweihung des neuen Schulgebäudes des Johanna-Sebus-Gymnasiums an der Ackerstraße. Ihr Wunsch, den Lebensabend bei den Borromäerinnen in der „Münze“ zu verbringen, erfüllte sich nicht mehr. Sie starb 1955.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben