Carmina Burana

Ein Konzert der Superlative zum Geburtstag

Chorleiter und Dirigent Stefan Burs mit dem Chor der Klever Stimmen  und dem Orchester aus Duisburg.

Chorleiter und Dirigent Stefan Burs mit dem Chor der Klever Stimmen und dem Orchester aus Duisburg.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Über 200 Stimmen sangen Carl Orffs „Carmina Burana“ in der Klever Stadthalle, Chor der Klever Stimmen und hervorragende Solisten

Kleve feiert Geburtstag. „Die Singgemeinde wollte auch mitmachen mit fulminanter Musik und anderen Kunstformen“, sagte Piet Boomsma, der Vorsitzende des großen Klever Chores. Die Idee wuchs und gedieh, und am Ende machten neben der Städtischen Singgemeinde Kleve auch der Chor der Eltener Stiftskirchenkonzerte, die Chorgemeinschaft St. Christophorus Emmerich, Mitglieder weiterer Klever Chöre und andere begeisterte Sängerinnen und Sänger mit.

Bekannt aus Filmen und Werbung

Sogar aus mehreren Schulchören aus Kleve, Goch und Emmerich kamen stimmliche Gratulanten. Alle arbeiteten nun an einem Stück: den wuchtigen „Carmina Burana“ von Carl Orff. Einem Werk, das nicht zuletzt durch seine Verwendung in zahllosen Filmen und der Nestlé-Werbung weltberühmt wurde.

„Chor der Klever Stimmen“ nannten die Organisatoren den so entstandenen Riesenchor mit über 200 Stimmen. Der präsentierte sich unter der Gesamtleitung von Stefan Burs überaus homogen. Mehr noch: Man merkte ihm die Begeisterung an, sie übertrug sich auf das gleichfalls überaus große Publikum.

Hauptsächlich Fress-, Sauf- und Liebeslieder

Orff hat die lateinischen und mittelhochdeutschen Texte, darunter hauptsächlich Fress-, Sauf- und Liebeslieder, auf eine ganz eigene Weise vertont. Einfach klingende Melodien, zum Teil mittelalterlicher Musik nachempfunden, eingefasst in kurze, einprägsame Abschnitte mit stark perkussiver Orchesterbegleitung.

Aber so einfach und zum Mitsingen einladend das Stück manchmal klingt: Es ist wegen der vielen Taktwechsel und der raffinierten Rhythmik alles andere als das. Der Chor ist in den meisten der 25 Nummern im Einsatz, was nicht nur größte Konzentration, sondern auch Ausdauer und Stimmkraft voraussetzt.

Hervorragende Solisten und eine Tänzerin

Vergleichsweise selten kommen die drei Solisten zum Einsatz. Die waren allerdings hervorragend: Anna Pehlken mit ihrem auch in höchster Höhe noch klaren Sopran, Tenor Joaquín Asiáin, der seine kleine Rolle vom gegrillten Schwan mit witzigem Schauspiel hervorhob. Und natürlich der Bariton Jens Hamann. Er war so etwas wie der Kristallisationspunkt all der dargestellten Leidenschaften, und er überzeugte mit seiner ausgesprochen schönen Stimme, die er außerdem noch vielseitig einzusetzen wusste.

„Ein großartiges Geschenk für die Stadt, mit Liebe für das Geburtstagskind ausgesucht“, freute sich Bürgermeisterin Sonja Northing. Sie hatte unbedingt beim Festkonzert anwesend sein wollen und darum Stadtkämmerer Willibrord Haas zu einem Termin in die Partnerstadt Ronse geschickt. Diese Prioritätensetzung dürfte sie nicht bereut haben.

Begleitet wurde der „Chor der Klever Stimmen“ von den Pianistinnen Jana Joeken und Annette Reifig sowie der „Camerata Louis Spohr“. Das Orchester schien nicht in gleichem Maße motiviert zu sein wie der Chor. Der einleitende „Jupiter“ aus Gustav Holsts monumentaler Orchestersuite „Die Planeten“ war erst vor wenigen Wochen am selben Ort mit dem Landesjugendorchester NRW sehr viel mitreißender zu hören.

Wer ein Faible für ruckelnde Videospielästhetik hat, durfte sich außerdem über den Beitrag der Hochschule Rhein-Waal freuen. Tänzerin Ying-chi Chen, manchmal neben der Bühne in Aktion zu sehen, lieferte die Vorlagen für die digitalen Visualisierungen, die über dem Chor abliefen.

Am Ende gab es für alle Mitwirkenden großen Applaus.

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