Literatur

Ein Märchen für Schloss Moyland

Gottfried Wiegand zeichnete den Fuchs für Ingrid Bachers Märchen

Gottfried Wiegand zeichnete den Fuchs für Ingrid Bachers Märchen

Foto: NRZ

Bedburg-Hau.   Schriftstellerin Ingrid Bachér ließ sich von der unheimlichen Atmosphäre inspirieren und schrieb ein modernes Kunstmärchen. Gottfried Wiegand illustrierte

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In der Ruine eines Wasserschlosses begegnen sich der Junge Adrian, das Gespenst Rippel und der Fuchs, der seine Gestalt verändern kann. Das sind der Ort der Handlung und ihre Protagonisten. Der Schauplatz der Geschichte „Gespenster sieht man nicht“, die sich die Schriftstellerin Ingrid Bachér ausgedacht hat, ist die Ruine von Schloss Moyland. Geschrieben hat die Autorin sie 1975 für ihren Sohn. Neu aufgelegt zur Eröffnung des Museums 1997 und mit einem Nachwort von Hans van der Grinten versehen, findet das moderne Kunstmärchen im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Märchen und andere wundersame Geschichten“ im Museum Schloss Moyland neue Aufmerksamkeit.

Teufelsgraffito war Vorbild

Ingrid Bachér, gerade 85 Jahre alt geworden und eine Urenkelin Theodor Storms, lebt unter anderem auf dem Thomashof in Goch. Wie so viele Niederrheiner besuchte auch sie die Ruine des heutigen Museumsschlosses und ließ sich in den 70er Jahren von der unheimlichen Atmosphäre inspirieren. Insbesondere das Graffito an einer der Turmwände, das Gerippe mit Teufelsfratze, hatte es ihr angetan. „Das Skelett war Vorbild für die Figur des Gespenstes Rippel“, hat die Autorin Ausstellungskuratorin Dr. Barbara Strieder verraten.

Dabei taucht Rippel als Gestalt in der Geschichte nicht auf. Ein Grund, warum der mit der Illustration des Märchens beauftragte Künstler Gottfried Wiegand sie auch nicht zeichnete. „Sie existiert nur in der Fantasie des Lesers“, sagt Strieder. Ihr überlässt sie auch zu erahnen oder zu fürchten, was sich unter der Steinplatte im Innenhof befunden haben mag. Sie und der dort vermutete unterirdische Gang fielen der Renovierung des Schlosses zum Opfer.

Ingrid Bachér spiele in ihrer Geschichte mit der unheimlichen Atmosphäre der Schlossruine, so Strieder. Die Zeichnungen Wiegands untermalten das mit ihren intensiven Schwarz-Weiß-Kontrasten zusätzlich. „Nicht weniger gruselig ist es, dass Bachér der Ruine selbst eine aktive Rolle in ihrem Märchen zuweist.“ So schließt sich die Steinplatte von selbst, Türen treffen – handelnden Personen gleich – eigene Entscheidungen.

Museum Schloss Moyland widmet den schönen Tuschfederzeichnungen Wiegands, der vor zehn Jahren verstarb, einigen Entwurf-skizzen mit Bleistift sowie der ersten Ausgabe einen eigenen Raum. „Eine kleine Hommage an die beiden Künstler“, findet Barbara Strieder.

Das Märchen eignet sich zum Vorlesen und Selberlesen. Ideal wäre es, empfiehlt die Kunsthistorikerin, wenn der Besucher die Geschichte lese, während er die Zeichnungen betrachte. Das Buch ist im Atlantis Verlag erschienen und wird während der Ausstellung im Museumsshop zum Sonderpreis von drei Euro angeboten.

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