Tagsüber mega gute Stimmung in der Stadt Parookaville, die bis gestern drei Mal an jedem Nachmittag bis nachts um 3 Uhr beziehungsweise am Sonntag bis kurz nach Mitternacht zum Leben erwachte. Aber auch der Regen Samstagabend tat der Stimmung keinen Abbruch.

Parookaville 2017 Fans aus Kleve
Parookaville 2017 Fans aus Kleve© Astrid Hoyer-Holderberg

„Als es so hart geregnet hat, waren wir bei Yellow Claw, dahin kamen halt nur Menschen, die Bock drauf hatten, entsprechend war auch die Stimmung super und die meisten hat der Regen einfach gar nicht interessiert, entweder im Regenponcho oder in normalen Klamotten komplett durchnässt“, erzählt eine 19jährige Bürgerin-auf-Zeit. „Im Camp war es dann eher so ‘semi’. Wir haben unser Zelt abgedeckt, hat auch relativ gut gehalten, aber wir sind über Nacht jetzt trotzdem nass geworden“. Die Sachen waren allerdings noch nicht ganz trocken, da regnete es am Sonntag erneut. In der temporären Stadt Parookaville versinkt man nicht ganz so schlimm wie bei anderen Musik-Events in Deutschland im Matsch. Denn Parookaville ist auf dem ehemaligen Militärflughafen erbaut. Es gibt immer asphaltierte Flächen und Wege.

Treffpunkt am Bären -- bärig für Fans aus Kevelaer
Treffpunkt am Bären -- bärig für Fans aus Kevelaer© Astrid Hoyer-Holderberg

Und wo es Wiesen gab, da ließ man sich unter der Sonne dann wieder gerne nieder. Neuer Treffpunkt war diesmal neben eisernen, beweglichen, feuerspuckenden Sauriern auch zwei monstergroße, niedliche Teddybären, an deren Tatzen man sich zum Foto gerne kuschelte.

Nicht alle kamen nur zum Feiern.

Arbeiten, wenn andere abgehen? Halb so schlimm, findet Dustin Weyenberg von der DLRG Ortsgruppe Weeze. Im Namen der Lebensrettungsgesellschaft steht er als einer von 20 Bademeistern im Zwei-Schichten-Dienst am Beckenrand des Swimmingpools in der Fünf-Tage-Stadt Parookaville bei Weeze. „Ich habe auch hauptberuflich damit zu tun“, sagt der fast fertig ausgebildete Fachangestellte für Bäderbetriebe. Schichten von 14 bis 21 Uhr und von 21 Uhr bis 3 Uhr morgens am Wasser – da bleibt genug Zeit, selbst beim Electronic-Dance-Festival zu feiern.

Für die Bäckerei Reffeling verkaufen Kuchen: Barbara Coppers und Jutta Brenker, sie lieben Parookaville
Für die Bäckerei Reffeling verkaufen Kuchen: Barbara Coppers und Jutta Brenker, sie lieben Parookaville© Astrid Hoyer-Holderberg

Die Musik ist auch für Barbara Coppers und Jutta Brenker genau das Richtige. Die beiden Frauen stehen für die Bäckerei Reffeling mitten im Getümmel und verkaufen am Stand Donuts und andere Kuchen. „Die Leute sind super nett, sie hüpfen vor Freude. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen“, sagt Barbara Coppers. Und die Musik? „Die höre ich zu Hause auch. Toll finde ich: Es kommen immer mehr im Kostüm“.

© Astrid Hoyer-Holderberg

Den tollsten Job habe sie, findet Brigitte Himmel. Fundbüro „lost an found“. „Die Leute sind so ehrlich“, lobt sie. „Es wird viel verloren, Handys, Schlüssel. Manche verlieren hier auch ihre Würde, ganz viele ihr Herz“. Gefunden und abgegeben werden entsprechend Handys, gefüllte Portemonnaies, Ausweise. „Ehrliche Finder bekommen einen extra dicken Stempel in ihr Parookaville-Visum und freuen sich, und wer Verlorenes wiederbekommt, ist sowieso glücklich,“ sagt Brigitte Himmel, die die Festivalstadt schon seit ihrem Entstehen begleitet.

Gefundenes nach dem Festival im Fundbüro

Gegenstände, die nicht am Fund-Container auf Festivalgelände abgeholt wurden, können Verlierer ab Dienstag, 25. Juli 2017, im Fundbüro der Gemeinde Weeze abholen. Tel. 02837 9100.

Im Shuttlebus Busfahrer Mark (Firma Verhuven) ist gut drauf
Im Shuttlebus Busfahrer Mark (Firma Verhuven) ist gut drauf© Astrid Hoyer-Holderberg

Schwerer haben es die Busfahrer der Firma Verhuven. Sie spüren schon mal die krumme Laune von genervten Tagesbesuchern (je Festivaltag 10 000), die mit dem Shuttle ab dem abgelegenen Parkplatz direkt zum Eingang kutschiert werden. An sich ein guter Service. Doch viel zu eng quetschen sich die Besucher auf der Hinfahrt in die Busse. Bei

Beliebtes Fan-Motiv: die Holzbuchstaben
Beliebtes Fan-Motiv: die Holzbuchstaben© Astrid Hoyer-Holderberg

einsetzendem Regen am Samstag wollten dann viel zu viele auf einmal abreisen Richtung Tagesparkplatz oder direkt zum Bahnhof zu den stündlichen Sonderzügen gen Ruhrgebiet. Aber da wurde zeitweise der Bus-Shuttle-Platz wegen Überfüllung geschlossen. Auch eingefleischte Fans murrten: „Ich bin enttäuscht von dieser Organisation“.

„Es war – Stand Sonntagnachmittag – ein unfassbar friedliches Wochenende mit begeisterten Besuchern“, konnte sich Bernd Dicks, einer der drei Organisatoren des Electronic-Dance-Festvials mit 80 000 Fans, gestern freuen. Polizeisprecher Achim Jaspers auf NRZ-Anfrage: „Wir ziehen wie in den Vorjahren auch diesmal eine positive Bilanz. Es ist erstaunlich, so viele gut gelaunte, freundliche Menschen zu sehen, auch uns Polizei gegenüber. So ist es für uns kein Problem, Kräfte für den Festival-Einsatz zu gewinnen“.

Wer nix sehen kann, muss fühlen lassen: Starke Schultern der Freunde tragen die Mädels dem DJ und der Bühne näher.
Wer nix sehen kann, muss fühlen lassen: Starke Schultern der Freunde tragen die Mädels dem DJ und der Bühne näher. © Astrid Hoyer-Holderberg

Am Montag werden die meisten der 35 000 Campinggäste Parookaville verlassen. Der Veranstalter warnt vor, dass die Wiesen, in denen die Autos geparkt sind, matschig sein werden. Wenn sich jemand festfährt, werden Trecker der befreundeten Bauern aus Weeze ihn kostenlos heraus ziehen. Allerdings ist heute mit Staus rund um Weeze / Goch / Kevelaer / Uedem zu rechnen.

Weitere Fotos in der Fotostrecke: