Serie „Zukunft des Handwerks“

Geld ist für Friseurin Katharina Matthiesen nicht alles

Katharina Matthiesen bereitet sich bei Capellistyle in Goch auf ihre Gesellenprüfung im Juni vor.

Katharina Matthiesen bereitet sich bei Capellistyle in Goch auf ihre Gesellenprüfung im Juni vor.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Goch.   Die Ausbildung im kreativen Friseurhandwerk war für Katharina Matthiesen die richtige Entscheidung. Sie lernt die Handgriffe in Goch.

Geld ist nicht alles. Ein Beruf muss auch Spaß machen. Das zählt für Katharina Matthiesen. Sie hat es nicht bereut, sich nach Realschule und Fachabitur fürs kreative Friseurhandwerk entschieden zu haben. Matthiesen hat in drei Jahren richtig viel gelernt. Im Juni beweist sie es in ihrer Gesellenprüfung.

Ein Soziales Jahr lang hatte sie sich noch Bedenkzeit gegeben, bevor sie bei Capellistyle in Goch an der Voßstraße fünf Monate Praktikum und dann das erste Lehrjahr mit einem monatlichen Verdienst von 420 Euro begann (zweites 595 Euro, drittes 715 Euro). Der Friseursalon von Katia Maria Mirabella ist eine Fach-Adresse für Coloration. Entsprechend legte Katharina Matthiesen auch ihre Wahlqualifikation für die Prüfung darauf. Färbetechniken wie Balayage (Strähnen mit dem Pinsel ins Haar gefegt), Ombre (blondierte Spitzen) oder Painting (eingemalte Farbakzente) sind für sie keine Fremdworte mehr.

Seit 2008 wählen Auszubildende ihren Schwerpunkt, manche Steckfrisuren, andere Langhaarfrisuren, pflegende Kosmetik oder Nageldesign. Das alles wird in der überbetrieblichen Ausbildung auch gestreift, im jeweiligen Ausbildungsbetrieb eben vertieft. „Ich habe in meiner Ausbildung nur gewickelt“, erinnert sich Katia Maria Mirabella an die Dauerwellen anno 1997.

Den ganzen Tag auf den Beinen

Ihren Ausbildungsstart beschreibt Matthiesen mit: viel zugucken, fragen, zuhören und ihren Rücken daran gewöhnen, dass sie fast den ganzen Tag auf den Beinen steht. „Man braucht bequeme Schuhe mit Fußbett“, empfiehlt die 1,80 Meter große junge Frau. Dann lernte sie die Arbeitsutensilien kennen, Effilierschere und Modellierschere, Faconkamm und Stielkamm. Ganz von selbst lehrte die Praxis das Zeitmanagement: Wie viel Zeit braucht welche Frisur?

Das Schneiden wird zu Beginn an Puppenköpfen geübt. Aber es kommt eben darauf an, welches Haar ein Kunde oder eine Kundin hat. Das trainiert man nur am lebenden Objekt. Also bringen die Azubis sich ihre Modelle selbst aus dem Bekanntenkreis mit. Mirabella beruhigt: „Unsere Modelle gehen nie verschnitten hier ‘raus.“ Schließlich stehen die Fachleute ja daneben und legen Schere an, falls nötig. „Es wird höchstes kürzer als geplant.“

Selbstbewusstsein durch Erfahrung

Katharina Matthiesen erinnert sich: „Anfangs war ich sehr schüchtern. Man bekommt dann ein Gefühl, wie man auf den Kunden eingehen muss, was man ihm anbieten kann, das zu ihm passt. Man erlangt Selbstbewusstsein.“ Das quirlige Kind oder die kranke Seniorin, den anspruchsvollen Jugendlichen oder die werdende Mutter gilt es einzuschätzen. „Man muss ehrlich sein“, beschreibt die 23-Jährige. Dazu gehört auch der Rat: „Ich glaube, das würde nicht zu Ihrem Typ passen“. Die meisten Kundinnen und Kunden bleiben bei ihren angestammten Schnitten. „Aber viele Menschen wünschen sich eigentlich eine Veränderung, trauen sich nur nicht. Wir haben einen Blick dafür und können etwas anbieten“, sagt die Uedemerin, für die sich drei Jahre Lehrzeit gelohnt haben.

In der Zwischenprüfung, die in diesem Gewerk „Gesellenprüfung 1“ heißt, musste sie klassische Techniken für Herren und Damen zeigen. In der Abschlussprüfung wird ein moderner Herrenkopf frisiert und eine Damenfrisur zum besonderen Anlass – das kann ein Abiturball sein oder eine Date-Night. Das Modell, das sich zur Verfügung stellt, bringt dann das passende Kleid mit, damit der Gesamteindruck die Prüfer beeindruckt.

Für Friseurmeisterin Mirabella sind Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, ein gepflegtes Äußeres und Engagement der Azubis wichtig. Katharina Matthiesen trägt ihre vielversprechende innere Einstellung auf den Arm tätowiert: „Always remember who you are“.

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