Unfall

Baukran prallte gegen Dach – Kirche in Goch bleibt gesperrt

Der Baukran riss zwei Türmchen vom Dach der St. Maria Magdalena Kirche herunter.

Der Baukran riss zwei Türmchen vom Dach der St. Maria Magdalena Kirche herunter.

Foto: nik

Goch.  Aus Sicherheitsgründen bleibt die Maria Magdalena Kirche Goch bis Ende nächster Woche gesperrt. Gutachter soll Ursache für Kran-Unfall finden.

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Wer die Nachricht schon vernommen hatte, blickte am Freitagmorgen kopfschüttelnd von der Baustelle an der Brückenstraße Richtung Maria-Magdalena-Kirche. Am Donnerstagnachmittag hat der Kran von der Baustelle nebenan zwei Türmchen auf dem Dach der Maria-Magdalena-Kirche umgehauen. Von unten erahnt man sie hinter den Galerien. Heil geblieben sind die Fialen natürlich nicht, wie Gesteinsbrocken verschiedener Größen auf dem Boden vor der Kirche beweisen.

Bereits vor einigen Wochen hatte der Kran-Ausleger einen der Türme angestoßen, daraufhin war sicherheitshalber ein Zaun aufgestellt worden. Zum Glück, denn sonst hätte leicht jemand zu Schaden kommen können. Die „Türmchen“ sind tonnenschwer, und die Brocken, die herabgestürzt sind, haben im Fallen ebenfalls ein erhebliches Gewicht entwickelt.

Im Inneren scheint die Kirche nicht beschädigt zu sein, vorsichtshalber wurde jedoch sofort der Altarraum gesperrt, inzwischen hat der Kirchenbauausschuss verfügt, dass die Kirche mindestens bis Ende kommender Woche geschlossen bleibt. Laut Auskunft des Pfarrbüros ist das Gewicht der Sandsteinelemente auf dem Dach so hoch, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass Teile der Decke in den Altarraum oder die Sakristei stürzen könnten.

Dachdeckerfirma schon am frühen Morgen mit Instandsetzungsarbeiten beschäftigt

Bereits am frühen Morgen waren die Mitarbeiter einer Gocher Dachdeckerfirma mit Instandsetzungsarbeiten beschäftigt. Heinz Wrede, als Architekt Kenner der Bau- und Unglücksgeschichte der Gocher Hauptkirche, erklärt, wie das Dach aufgebaut ist: „Da gibt es erst den hölzernen Dachstuhl, darüber eine Sparrenlage, eine einen Zoll dicke Verbretterung und darüber die Schieferlage.“ Der Dachstuhl dürfte sehr stabil sein, denn er ist erst rund 20 Jahre alt. „Wir haben ihn nach dem Turmeinsturz von 1993 komplett erneuert. Einige alte Dachbalken wurden als Reminiszenz an die Erbauerzeit erhalten, sie haben aber keine tragende Funktion mehr“, so Wrede.

Kirche mit wechselvoller Geschichte

Der dreischiffige gotische Bau stammt aus dem 14. Jahrhundert und hat im Laufe der Zeit viel mitgemacht. Ihrer Kunst wurde die Gocher Pfarrkirche im 17. Jahrhundert durch den Bildersturm beraubt, schwere Schäden brachte die Sprengung eines Pfeilers am Ende des Zweiten Weltkriegs; weite Teile des Gewölbes waren nicht zu retten. Und dann jener 24. Mai 1993, als der Turm der St. Maria-Magdalena-Kirche einstürzte, wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Immerhin bekam das Gotteshaus damals ein neues Dach, das jetzt womöglich Schlimmeres verhindert hat.

Philipp Janssen, Bauherr des Neubaus an der Brückenstraße, ist selbst fassungslos. Als Auftraggeber sieht er sich allerdings nicht in der Verantwortung, für den Kran sei der Subunternehmer zuständig. Ob das Gerät falsch bedient, vielleicht zu spät „gestoppt“ wurde oder im Leerlauf vom Wind gedreht wurde, weiß er nicht. Das muss jetzt ein Gutachter herausfinden. Dass Kräne außerhalb der Betriebszeit in den Leerlauf gestellt werden, damit sich die Ausleger in den Wind drehen, ist offenbar so üblich. Allerdings darf dann nichts im Weg sein – etwa ein Kirchturm.

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