Ausstellung

Guckloch ins Gehirn im „ArToll“-Kunstlabor in Bedburg-Hau

In Bedburg-Hau ist das „ArToll“-Kunstlabor zu sehen. Bassam Alkhouri aus Kleve ist dabei.

In Bedburg-Hau ist das „ArToll“-Kunstlabor zu sehen. Bassam Alkhouri aus Kleve ist dabei.

Foto: Andreas Daams

Bedburg-Hau.   Im „ArToll“-Kunstlabor haben sich zwölf Künstler mit einem großen Thema beschäftigt: der Welt. Die Ausstellung wird am 27. August eröffnet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Wurzeln schweben im Raum. Die Flugzeuge stürzen ins Gras. Das silbrige Heiligtum hat weder Fenster noch Tür, um es zu betreten. Die Welt ist aus den Fugen. Wie kann man das Durcheinander fassen? Dem unaufhörlichen Gedankenstrom etwas Sinnvolles abgewinnen? Ein Thema für Philosophen. Für Künstler. Und eigentlich für jeden, der auf dieser eigenartigen Weltbühne sein Stündlein spreizt und knirscht und dann nicht mehr vernommen wird, wie Shakespeare seinen Macbeth sagen lässt.

Zwölf Künstler haben sich im „ArToll“-Sommerlabor in Bedburg-Hau dem großen Thema Welt gewidmet. „Das Schöne ist, dass jeder ganz persönlich herangeht“, sagt „ArToll“-Pressesprecherin Carla Gottwein. Dabei heraus kommt eine aufregend visualisierte Welt als Wille und Vorstellung. Elham Vahdat dringt direkt zum Kern des Problems vor. Sie hat ein Guckloch in den menschlichen Kopf konstruiert – darin ein einziges Durcheinander. „Man steht sich selber im Weg“, sagt sie.

Der aus Mexiko stammende Raoul Morales, der heute in Münster lebt, projiziert in einem kleinen Raum rätselhafte Bilder und Bildausschnitte aus seiner Heimat auf drei runde Flächen und eine Menschenpuppe. Die Zerrissenheit wird sogleich spürbar: „Alles ist neu und alles ist gleichzeitig auch alt“, fasst er die verstörende Wirklichkeit zusammen.

Zeit sollte man mitbringen beim Betrachten. Es gibt einen echten ästhetischen Höhenflug zu bewundern, betörend schön. Anja Maria Strauss aus Neuss/Düsseldorf hat Wurzelstängel auf fast unsichtbaren Fäden aufgereiht, sie schweben jetzt im Raum, zu Hunderten. Die Wirkung ist unglaublich. Gleichzeitig handelt es sich um Pflanzenreste, zu nichts mehr zu gebrauchen, dem Verrotten preisgegeben. Denn das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang, schrieb Rilke einst.

Exotische Schönheit

Von einer ganz anderen, exotischen Schönheit ist der Schrein, den Zahra Hassanabadi, in Wuppertal beheimatete Iranerin, aus den Alu-Einfassungen von Teelichtern zusammengebaut hat. Darin scheint ein Licht, aber man kommt nicht hinein. Es könnte um kulturelle Identität gehen, um Kommunikation, vielleicht um den geheimen Ursprung aller Dinge – den Assoziationen darf man hier freien Lauf lassen. Neben diesen fast schon spirituellen Werken gibt es auch klare politische Statements, etwa von der Berlinerin Veronika Radulovic. Sie hat viele Jahre in Vietnam gelebt und betrachtet unseren Konsum aus dem Blickwinkel des Kolonialismus.

Aber was ist eigentlich der Blick? Bassam Alkhouri, wohnhaft in Kleve, entwickelt dazu in seiner dreigeteilten Arbeit „Uniform“ eine Art Erkenntnismethode. In einen verschlossenen Raum hat er eine bunte Skulptur hineingebaut. Man kann die Türe öffnen, wenn man sich als Betrachter traut und nicht – wie so oft – ängstlich umherschleicht. Im Zimmer rechts daneben befindet sich eine Kopie der Skulptur. Im dritten Zimmer schließlich eine Projektion.

Ein soziales Konstrukt

So verschieden die Ergebnisse sind, die die Künstler während ihres Aufenthalts im „ArToll“-Gebäude erarbeitet haben, so verschieden sind die Herangehensweisen. Der Kölner Frank Bölter hat Flüchtlinge und Jugendliche aus riesigen Papierbögen Flugzeuge, Häuser, Panzer und Schiffe falten lassen. Origami als Teamwork. Die Welt ist ein soziales Konstrukt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben