Beuth-Expertise

Gutachten zum Antisemitismus des Klever Beamten Beuth

Kleves Stadtarchivar Bert Thissen schlägt vor, die Beuthstraße umzubenennen.

Kleves Stadtarchivar Bert Thissen schlägt vor, die Beuthstraße umzubenennen.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Stadtarchivar Bert Thissen schlägt vor, diese umzubenennen. Er legt jetzt eine 23-seitige Expertise zum Antisemitismus des Klever Beamten vor.

Der Antisemitismus Christian Peter Wilhelm Beuths ist auch nach den Maßstäben des 19. Jahrhunderts als „extrem“ einzustufen. Zu diesem Ergebnis kommt Kleves Stadtarchivar Bert Thissen, der im Auftrag der Bürgermeisterin Sonja Northing eine 23-seitige Expertise formuliert hat. Dieses Gutachten ist jetzt öffentlich und wird im Kulturausschuss am Mittwoch, 5. September, vorgestellt und diskutiert. Thissen regt in seinem Papier an, die Beuthstraße umzubenennen.

Wie umgehen mit Beuth?

Die Diskussion über die antisemitischen Äußerungen Beuths wurde aktuell, nachdem die NRZ am 27. Juni über die Vorwürfe des Berliner Professors Achim Bühl berichtete. Daraufhin ließ Bürgermeisterin Sonja Northing die Plakette an der Hagschen Straße entfernen und zog damit auch den Unmut einiger Ratsvertreter auf sich, die sich von der Bürgermeisterin übergangen fühlten. Die Plakette wurde am 29. April 2015 einstimmig vom Rat beschlossen. Der Vorwurf lautete, dass Northing diese Ehrung nicht eigenmächtig hätte entfernen dürfen.

Bert Thissen stellt jetzt fest, dass die antisemitischen Äußerungen Beuths die Erinnerung an ihn belasten. Gleichwohl habe er viele Verdienste gehabt und viel erreicht. „Somit bleibt er ein bedeutender Sohn der Stadt“, schreibt Thissen. Nur wie soll man mit dem Andenken umgehen? Der Stadtarchivar schlägt vor, künftig sowohl auf die Verdienste Beuths wie auf dessen Antisemitismus hinzuweisen. Eine Würdigung könne fortan nur in einem Kontext erfolgen. Eine Gedenkplakette oder das Namensschild an einer Straße seien dafür ungeeignet. „Deshalb sollte eine Umbenennung der Beuthstraße erwogen werden“, schreibt Thissen. Sollte die Straße ihren Namen behalten, sei in Zukunft mit wiederkehrenden Diskussionen zu rechnen.

Gedenktafel mit Begleittexten zeigen

Thissen rät dazu, die vorhandene Gedenktafel mit Begleittexten in einer historischen Ausstellung zu zeigen, „als Beispiel des umsichtigen Umgangs der Stadt mit einem schwierigen Thema aus ihrer Vergangenheit“.

Bert Thissen betont in seinem Gutachten, dass das Bekanntwerden der Antisemitismusvorwürfe für Kleve neu gewesen sei. Im ausführlichen Schrifttum zu Beuth habe es bis dato keinen Hinweis auf Antisemitismus gegeben. Der Stadtarchivar geht auf die wissenschaftlichen Ausführungen von drei Historikern ein, die bei wesentlichen Aspekten übereinstimmend urteilen. So beinhalte Beuths Rede vor der Deutschen Tischgesellschaft – das Schlüsseldokument seiner antisemitischen Äußerungen – unverblümten Antisemitismus der schlimmsten Sorte. Er äußert Vernichtungsphantasien und bedient sich religiöser Vorwürfe gegenüber Juden (Ritualmord, Hostienfrevel). Seine Absicht sei es gewesen, der Gleichstellung von Juden entgegen zu wirken.

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