Migration

Integration darf kein Zufall sein

Sie bilden das Aktionsbündnis für die Einrichtung eines Kommunalen Integrationszentrums im Kreis Kleve. Vorne v.l.: Walter Seefluth (Deutscher Gewerkschaftsbund), Gerrit Hermans (Sprecher des Aktionsbündnisses), Anja Oster (Gewerkschaft GEW), Bettina Trenckmann (Awo). Hinten v.l.: Joachim Wolff (Dikaonie), Rainer Borsch (Caritas), Marc Rosendahl (DGB), Andreas Becker (Caritas), Bernd Lindenau (Verband Bildung und Erziehung), Dietmar Stalder (Katholische Arbeitnehmerbewegung).

Sie bilden das Aktionsbündnis für die Einrichtung eines Kommunalen Integrationszentrums im Kreis Kleve. Vorne v.l.: Walter Seefluth (Deutscher Gewerkschaftsbund), Gerrit Hermans (Sprecher des Aktionsbündnisses), Anja Oster (Gewerkschaft GEW), Bettina Trenckmann (Awo). Hinten v.l.: Joachim Wolff (Dikaonie), Rainer Borsch (Caritas), Marc Rosendahl (DGB), Andreas Becker (Caritas), Bernd Lindenau (Verband Bildung und Erziehung), Dietmar Stalder (Katholische Arbeitnehmerbewegung).

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Hilferuf: Sieben caritative Einrichtungen verbinden sich zum Aktionsbündnis. Sie fordern vom Kreis Kleve ein Kommunales Integrationszentrum

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Die Integration zugewanderter Menschen ist in den kommenden Jahren eine der wichtigsten sozialen Herausforderungen – auch im Kreis Kleve. Aber der Kreis ist der letzte in ganz Nordrhein-Westfalen, der kein Kommunales Integrationszentrum hat.

Sieben Organisationen fanden zusammen und rufen um Hilfe: Es muss jetzt dringend ein Integrationszentrum für Flüchtlinge und Arbeits-Migranten her. Schulen, Kindergärten, Familienbegleiter, einzelne Behörden, Qualifizierungsträger, zahleiche Ehrenamtliche als Paten, Integrationslotsen haben sich in den letzten Jahren „redlich bemüht“. Aber jeder für sich.

Je nachdem, wo man landet, wird anders geholfen

„Im Moment ist Integration im Kreis Kleve beliebig. Je nachdem, wo man landet, wird einem mehr oder weniger engagiert geholfen,“ weiß Dietmar Stalder (KAB). Manche Kommunen installieren und zahlen Berater selbst. Andernorts würden Ehrenamtler allein gelassen, springen wegen Überlastung ab, bestätigt Andreas Becker (Caritas): „Integration darf kein Zufallsprodukt sein“.

Der Auftrag von Integrationszentren ist die Koordinierung, Beratung und Unterstützung der Kommunen und ihrer Einrichtungen bei der Integration von Flüchtlingen und Arbeits-Migranten. Die Zentren tragen dazu bei, die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, sprachliche und kulturelle Integration von Zugewanderten zu fördern.

„Der Kreis muss Verantwortung übernehmen,“ appelliert Gerrit Hermans von der Caritas Geldern.

Als Erstunterzeichner richten Awo, Caritas Kleve und Caritas Geldern-Kevelaer, Diakonie, DGB, die Gewerkschaft GEW, der Lehrerverband VBE sowie die Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB im Kreis Kleve einen Aufruf an den Landrat, an die Mitglieder des Kreistages sowie die Bürgermeister/innen der Kommunen im Kreis Kleve. Im Internet (http://bit.ly/integrationszentrum) kann das jedermann per Mausklick unterstützen.

Es braucht Professionalität

Das Land würde die Kosten fürs Personal, für sechseinhalb Stellen, plus Sachausgaben übernehmen. Der Kreis müsste nur das Büro stellen. Viele Anträge an den Kreis wurden dazu politisch seit 2014 gestellt – und immer abgelehnt. Die CDU vertrat die Meinung des Landrates: Braucht man nicht.

Das Aktionsbündnis versteht absolut nicht die Argumentation des Landrates: Lehrer würden in Schulen gebraucht, nicht in einem KI. Gerade in einer Koordinierungsstelle, so erklärt aber Lehrerin Anja Oster (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) seien vielmehr die Fachleute wichtig, die wissen, was Schulen und Kitas an Beratung und Unterstützung brauchen. „Auch jetzt sind doch längst überall Lehrer damit befasst, die Aufgaben zu stemmen,“ so Oster. Genau das sollte koordiniert werden. Bildungsarbeit, Nachholen von Schulabschlüssen, Information über Vorbild-Maßnahmen an anderen Schulen, Dolmetscher für Elternabende, zählt Gerrit Hermans Beispiele auf.

KAB hattein Uedem das Bündnis initiiert

„Der Kreis braucht einen Paradigmenwechsel. Es geht um ein paar Tausend Migranten“, auch Fachkräfte, Altenpfleger, IT-Fachleute, Ärzte seien dabei, „eine win-win-Situation“, sagt Andreas Becker. „Das braucht Professionalität, auf die sich Netzwerkpartner verlassen können“.

„Wir fahren keine Attacke gegen den Landrat, sondern wir haben die Migranten im Blick,“ betont Marc Rosendahl vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Die Aktionspartner hoffen auf CDU-Landtagsabgeordnete Margret Voßeler als Moderatorin in einem Gespräch mit dem Landrat. Sie ist Vorsitzende des Integrationsausschusses im Landtag NRW.

Die KAB hatte bei ihrer Bezirkstagung in Uedem das Bündnis initiiert. „Wir allein sind nicht kompetent genug“, um die Mammutaufgabe zu schultern, sagt Dietmar Stalder. Und fand in den anderen ebenfalls Einzelkämpfer auf den jeweiligen Aktionsfeldern. „Wir können ein Kommunales Integrationszentrum nicht ersetzen“, bekräftigt Bettina Trenckmann (Awo Kreisverband). Aber alle Wohlfahrts-Organisationen bieten ihre Hilfe an, ein Konzept mit und für den Kreis auszuarbeiten. Der Kreis Viersen, der als vorletzter in NRW ein KI einrichtete, sei sehr zufrieden mit seiner Entscheidung, die Querschnittsaufgabe neu zu regeln.

Allein in den Jahren 2015 und 2016 wurden 4478 Asylbewerber neu in den Kreis Kleve zugewiesen.

Seefluth: Zwei Kinderärztinnen wanderten ab

Kleine Beispiele, warum ein Kommunales Integrationszentrum mit Fachleuten gebraucht würde, nannte Walter Seefluth (Deutscher Gewerkschaftsbund).

Der krasseste Fall: Zwei Kinderärztinnen hätten gern im Kreis Kleve praktiziert, man habe ihre Papiere nicht zusammen bekommen. Beide wanderten ab.

Zwei angehende Lehrerinnen, die ihr Studium in der Heimat vor ihrer Flucht begonnen hatten, durften es wegen fehlender Papiere hier nicht fortführen. Seefluth fragte überall herum und fand in Bayern für sie eine Uni. Sie wanderten ab, obwohl sie gern geblieben wären.

Viele Flüchtlinge seien mittlerweile in Arbeit. Aber wer hilft bei der Steuererklärung? Bisher Ehrenamtliche oder Caritas.

Die Papiere eines Ehepaares, das in Syrien geheiratet hat, wurden hier nicht anerkannt. So müssen beide einzeln fürs Doppelzimmer in der Unterkunft 570 Euro bezahlen, statt als Familie veranschlagt zu werden.

Selbst innerhalb der Kreisverwaltung war anfangs nicht bekannt, dass ein Ausreise-Dokument als Personal-Legitimation ausreicht, damit ein junger Mann hier seinen Führerschein machen kann.

Antrag auf ein KI: im Kreisausschuss, Donnerstag, 23. November, 16 Uhr, Kreishaus

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