Herz-Jesu-Kirche

Abrissverbot: Kirche Reichswalde könnte Denkmal werden

Die Kirche Herz Jesu Reichswalde.

Die Kirche Herz Jesu Reichswalde.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve-Reichswalde.  Es gelten vorläufige Unterschutzstellung und ein Abrissverbot, was der Propst bedauert. Die Stadt Kleve bewirkte es beim LVR-Amt für Denkmalpflege.

Eine Lösung für die Herz-Jesu-Kirche Reichswalde wird sich noch länger hinziehen. Es gibt einen Antrag auf ihre Unterschutzstellung als Denkmal, was Propst Johannes Mecking bedauert.

Weil das Gotteshaus wegen „Gefahr im Verzuge“ (Dachstuhl) seit Mai 2018 aus statischen Gründen nicht mehr benutzt wird, war die Stadt als Untere Denkmalbehörde gehalten, zu handeln. Sie tat es, indem sie eine vorläufige Unterschutzstellung beantragte, die laut Paragraph vier Denkmalgesetz sofort in Kraft tritt und erst mal ein halbes Jahr gilt – damit geprüft werden kann. Herz-Jesu ist als Kirchenbau nach 1945 als „potenziell denkmalwert“ erfasst. Am 11. November 1956 war sie eingeweiht worden.

Renovierung war als zu teuer eingeschätzt worden

Aber die Diözese hat laut Landschaftsverband Rheinland als Oberer Denkmalbehörde sofort ein Klageverfahren dagegen angestrengt. Wie schnell jetzt ein Verwaltungsgericht entscheidet, ist offen.

„Fakt ist, dass wir ein Schreiben bekommen haben“, bestätigt Propst Johannes Mecking. „Wir wollen aber klar haben, warum man sie unter Schutz stellen will“, sagt er.

Mecking deutet, dass die weitere Entwicklung von Seiten der Behörden blockiert werde. Eine Renovierung war als zu teuer eingeschätzt worden, das Bistum Münster würde weder dafür noch für die Instandhaltung Geld ausgeben. Die Pfarrgemeinde kann es finanziell auch nicht allein tragen. Bistum wie Kirchenvorstand favorisierten einen Abriss, damit „etwas Neues entsteht“, so Mecking, ein sakrales Haus, angebaut ans Pfarrheim.

Stadt Kleve ordnete ein Abrissverbot an

Jetzt aber „dümpelt es dahin, sonst wären wir schon weiter“, bedauert Mecking. Übrigens wäre der Heimatverein „für alles offen“ gewesen, weiß er. Die Stadt Kleve in Abstimmung mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland ordnete jedenfalls ein Abrissverbot an.

Kommen Kirche und Denkmalschützer nicht überein, werden Gerichte über die Zukunft des Hauses entscheiden. „Uns sind jetzt die Hände gebunden. Es kann Jahre dauern, bis eine Entscheidung getroffen ist“, sagt der Propst.

Es gibt bereits inhaltliche Ideen, falls ein neues sakrales Haus gebaut würde. Kinder der St.-Michael-Grundschule könnten hier betreut und eine Bücherei eingerichtet werden. Es soll ein Zentrum für das Dorf entstehen.

Denkmalamt hat die Herz-Jesu-Kirche als denkmalwürdig eingeschätzt

Nach einer ersten Einschätzung bewerte das Denkmalamt die Herz-Jesu-Kirche als denkmalwürdig. Man habe jetzt sechs Monate Zeit, ein Gutachten zu erstellen, sagt Helmtrud Köhren-Jansen vom LVR. Oliver Meys ist beim LVR für den Fall Herz-Jesu zuständig. Er liefert eine Begründung für den Erhalt: Die Kirche schließe an die Bauten der 1930er Jahre an. Die Architektur finde bislang in der Kunstgeschichte zu wenig Beachtung.

Aus einer Erhebung des LVR geht übrigens hervor: Nirgendwo auf der Welt sind nach 1945 so viele Gotteshäuser gebaut worden, wie in Nordrhein-Westfalen.

Propst Mecking wägt die Zahlen der Kirchenbesucher und Gottesdienste ab: „Auch wenn Herz-Jesu nicht mehr zur Verfügung steht, ist der Bedarf gedeckt.“ Würde die Kirche unter Schutz gestellt, „heißt es nicht, dass mit dem Denkmal etwas passiert. Es kann auch nur ein Bauzaun drum herum stehen“, sagt Johannes Mecking.

Zahlen und Fakten zur Kirche

Übrigens: Zahlen und Fakten zur Kirche allgemein sehen im Kreis Kleve wie folgt aus: Es gibt 187.954 Katholiken. 953 Austritte, das sind 293 mehr als im Vorjahr. 1359 Taufen, das sind 78 mehr als im Vorjahr. 339 Trauungen, das sind 17 weniger als im Vorjahr.

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