Im vorigen Jahr gab es viel Wut und Enttäuschung unter den Eltern von Erstklässlern, weil sie von einem Auswahlkriterium nach Konfession für Grundschulen überrascht worden waren. Damals wurden insgesamt 44 Kinder – 26 in Kellen und 18 in Materborn – an ihrer Wunschgrundschule abgelehnt, obwohl die meisten dieser Kinder im Ortsteil wohnen oder den benachbarten Kindergarten besucht hatten. Auch für dieses Jahr befürchten Eltern aus Kellen Probleme, vor allem auch wegen fehlender Plätze im Offenen Ganztag.
Ganztagsbetreuung ist für Berufstätige keineswegs unwichtig bei der Schulentscheidung
Das Kriterium Ganztagsbetreuung sei „für Berufstätige keineswegs unwichtig bei der Schulentscheidung“, so Gabor Klung und Gerwin Putman als Vertreter einer Elternschaft aus Kellen in einem langen offenen Brief: „Schulen mit nicht ausreichenden OGS-Kapazitäten fällt nämlich nun die undankbare Aufgabe zu, eine Auswahl treffen zu müssen.“ Dabei würden Lösungen für die Willibrord-Grundschule Kellen andernorts bereits praktiziert – über angemietete Räume nahe der Schule wie an der Marienschule oder durch Unterrichts-Container wie in Reichswalde.
Stadt: Es konnten jedoch keine geeigneten Objekte gefunden werden
Dem widerspricht die Stadtverwaltung und antwortet auf NRZ-Anfrage: „Die Stadt Kleve wird für die OGS-Betreuung keine Container aufstellen. Die OGS-Betreuung wird im Übrigen auch an den anderen Klever Grundschulen nicht durch Container-Lösungen sichergestellt. Es wurde in den vergangenen Monaten intensiv nach externen Räumlichkeiten gesucht. Es konnten jedoch keine für alle beteiligten Stellen geeigneten Objekte gefunden werden.“ Was das fürs nee Schuljahr bedeutet, bleibt unklar.
Eltern fordern von der Stadt einen „offenen und ehrlichen Dialog“
Die Kellener Väter fordern von der Stadt „zeitnah einen offenen und ehrlichen Dialog mit den Eltern“ bereits in der Anmeldephase. Das „Kommunikationschaos“ des Vorjahres dürfe sich nicht wiederholen. Nach dem Ärger im vorigen Jahr hätten sich Bürgermeister und Schulverwaltungsamtsleiterin entschuldigt, dass es für sie beide das erste Mal gewesen sei, eine solche Überhangsituation zu managen, so zitieren Klung und Putman. Und finden: „Das darf nicht ein weiteres Mal als Ausrede herhalten.“ Mit der Schulleitung hätten sie ein sehr gutes Verhältnis.
Für Offenen Ganztag an der Willibrord-Grundschule wären Container optimal
Die Schulverwaltung der Stadt antwortet auf NRZ-Anfrage: „Konkrete Planungen werden auf den vollständigen Anmeldedaten basieren und können demnach erst nach Ende der Anmeldephase angestellt werden.“ Also nach dem 28. Oktober.

Auf NRZ-Anfrage bestätigt Willibrord-Schulleiter Klaus Colter: „Container wären optimal“ um Offenen Ganztag aufzunehmen, denn erst im Dezember 2023 soll der neue Anbau (seit 2017 in Planung) bezugsfertig sein. „Bis dahin bietet die Schulwiese genügend Platz“, so Colter. Durch die Vergrößerung der Willibrord-Grundschule von elf auf zwölf Klassen (321 Kinder) wurde ein OGS-Raum dem Unterricht zugeschlagen und der verbliebene jetzt als Server-Platz um ein Drittel verkleinert. 75 Kinder sind im Offenen Ganztag, 50 im verlässlichen Halbtag 8-1. Die Willibrord-Grundschule Kellen hat die längste Warteliste der Stadt für den Offenen Ganztag mit 35 Kindern – eine Gruppe umfasst immer 25 Schüler.
Der Schulleiter hat die traurige Rolle, Eltern ablehnen zu müssen
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Der Schulleiter fragt im jetzigen Anmeldeverfahren bereits ab, nicht nur ob, sondern auch wie berufstätig die Eltern sind und an welchen Tagen flexibel. Ihm kommt dann die traurige Rolle zu, Eltern ablehnen zu müssen. „Man macht es nie richtig“, so Schulleiter Colter (66), der als Kind selbst an St. Willibrord zur Schule ging.
Bisher wurden 80 Kinder fürs neue Schuljahr in Kellen angekündigt, 81 können aufgenommen werden. Erfahrungsgemäß muss die Stadt stets 40 bis 50 Eltern in Kleve erinnern, Erstklässler anzumelden.


