Ein halbes Jahrhundert wird Arenacum – Verein für Kultur und Geschichte in Rindern – am Sonntag, 2. Juni, alt. Für den Erhalt der römischen Spuren am Niederrhein, die Bewahrung des kulturellen Erbes im Neuen Tiergarten oder die Verschönerung des Dorfes – der Verein engagiert sich vielfältig, seine Mitglieder um den aktuellen Vorsitzenden Josef Gietemann mischen sich ein. Und auch für die Zukunft mangelt es nicht an Ideen und Wünschen.
Aus dem Heimatverein entwickelt
Entwickelt hatte sich das heutige Arenacum aus dem Heimatverein Rindern als eine Art Trotzreaktion gegen die verordnete Eingemeindung nach Kleve in den 1960er Jahren. Gegründet wurde der Verein 1969 vom damaligen Ortsbürgermeister Theodor Wels, der diesen auch als Vorsitzender führte. Eine gewisse Eigenständigkeit und die dörfliche Identität des Ortes Rindern sollten so bewahrt und lieb gewonnene Traditionen gepflegt und gefördert werden.
1976 gab Theodor Wels die Führung des Vereins an Roland Verheyen ab. Unter seiner Führung wurde das Tätigkeitsfeld des Heimatvereins Rindern erweitert, und der Verein erhielt den Zusatz Arenacum. Damit sollte auf die lange und traditionsreiche Geschichte des Ortes bis in die Römerzeit hingewiesen werden.
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Einen weiteren geschichtlichen Schwerpunkt erhielt der Verein mit der Eröffnung des Museums Forum Arenacum im Jahr 2002. Die Beteiligung in der Ortsplanung und im Naturschutz wurden zudem intensiviert. Wichtig war dabei auch, dass die Erhaltung und Pflege des Naturraumes in der Niederung bereits Kindern vermittelt wird. Aus diesem Grund organisierte man zusammen mit der örtlichen Grundschule jährliche Müllsammelaktionen, Baumpflanzaktionen oder weitere Aktionen zur Pflege der heimatlichen Flora und Fauna.
Streitbare Institution für die Rinderner Bürger
Der Heimatverein Rindern Arenacum zeigte sich so manches Mal als streitbare Institution, wenn es um die Belange der Rinderner Bürger ging: Als die Schließung der Wasserburgallee Mitte der 1970er Jahre Thema wurde, war es der Verein Arenacum, der eine Bürgerinitiative in der Niederung auf die Beine stellte und nach Unterschriftenaktionen und mehreren Einsprüchen die Offenhaltung der Wasserburgallee erreichen konnte. Auch gegen verschiedene Bebauungspläne, die das dörfliche Ortsbild zerstört hätten, wurde erfolgreich Stellung bezogen.
Unterstützung für die Errichtung der Begegnungsstätte
Die Errichtung der Begegnungsstätte in Rindern wurde ebenfalls vom Heimatverein unterstützt. Auf 25 Jahre Vereinsgeschichte konnte man schließlich im Jahr 1994 zurückblicken. Die Programmpunkte des Festtages spiegelten die vielfältigen Vereinsaktivitäten wider. Erfreulicherweise beteiligten sich alle Rinderner Grundschüler an dem Malwettbewerb zum Thema „Wie stellt ihr euch das Rindern der Zukunft vor?“.
Josef Gietemann wird neuer Vorsitzender
2003 ging der Vorsitz erneut in jüngere Hände über. Josef Gietemann löste Roland Verheyen ab, der nach 27 Jahren als Vorsitzender nicht wieder kandidierte. Roland Verheyen wurde – nachdem er bereits 2001 Ehrenmitglied geworden war – im Jahre 2009 besonders geehrt: Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Josef Gietemann intensivierte in seiner Eigenschaft als Vereinsvorsitzender die Förderung des kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenlebens in der Niederung. Grenzüberschreitende Kontakte mit niederländischen Vereinen wie dem Geschichtsverein „Historische Kring Huessen“ oder dem Heimatverein „de Duffelt“ und Institutionen wie dem Bevrijdingsmuseum in Groesbeek wurden initiiert und gepflegt.
Pflegepatenschaft für den Butterberg übernommen
Arenacum übernahm 2011 die Pflegepatenschaft für den Butterberg im Tiergartenwald, einem historischen Aussichtsplateau mit Blick auf Rindern. Auch die Rinderner Vorständerunde wurde wieder ins Leben gerufen, in der sich die Vorstände der örtlichen Vereine regelmäßig austauschen und abstimmen und so für mehr Austausch unter den Vereinen sorgen. Mit der Namensänderung 2012 in „Arenacum – Verein für Kultur und Geschichte in Rindern e.V.“ wurde den Betätigungsfeldern Kultur und Geschichte verstärkt Rechnung getragen.
Arenacum strebte aber weiterhin die Erhaltung und Pflege des gesunden Lebensraumes im Ort und der Umgebung an. Mit dem Nabu, der die Naturschutzgebiete in der Niederung betreut und sich für den Erhalt der niederrheinischen Auenlandschaft einsetzt, wurde die Zusammenarbeit ausgebaut.
„Dorfanalyse“ war ein besonderer Höhepunkt
Ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Durchführung einer „Dorfanalyse“. Wieder einmal bewies der Heimatverein eine moderne Prägung und holte Studenten der Akademie der Katholischen Landjugend aus Bad Honnef und der Fachhochschule Düsseldorf ins Dorf. Gemeinsam analysierten sie die Sicht der Rinderner Einwohner auf ihr Dorf. Die Ergebnisse wirken auch noch heute nach.
Konkrete Wünsche für die Zukunft des Dorfes und des Vereins
Vorsitzender Josef Gietemann hat auch für die nähere Zukunft von Dorf und Verein konkrete Wünsche. „Wir wollen, dass der niedergermanische Limes als Weltkulturerbe anerkannt wird“, sagt Gietemann. Das ist für 2021 geplant, und Rindern und natürlich Arenacum liegen genau auf der Route, die einst von Rheinland-Pfalz nach Katwijk führte.
„Wir hoffen dadurch auf eine größere Bedeutung für das Museum“, wünscht sich der Vorsitzende. Auch in Zukunft wolle man das kulturelle Erbe im Neuen Tiergarten schützen und erhalten, so Gietemann. „Wir wollen keine Querspange.“ Mit Vorfreude blickt er außerdem auf die bevorstehende Fertigstellung des historischen Käsekellers auf Gut Hogefeld noch in diesem Jahr. Sicher ein lohnendes Ausflugsziel für so manchen Radler.
Festakt auf der Wasserburg Rindern am Sonntag
Die Jubiläumsfeier am Sonntag, 2. Juni, beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst für die Lebenden und Verstorbenen des Vereins in der St.-Willibrord-Kirche in Rindern. Der Arenacum-Vorsitzende Josef Gietemann wird die geladenen Gäste ab 12 Uhr zum Festakt auf der Wasserburg in Rindern begrüßen. Schüler der Johanna-Sebus-Grundschule sorgen für die musikalische Unterhaltung. Den Festvortrag „Rindern: Ein städtischer Vorort mit bedeutender Vergangenheit als zentraler Ort“ wird Stadtarchivar Drs. Bert Thissen halten.



