Schule

Kleves große Schul-Baustellen

Einen Neubau-Trakt erhält die Gemeinschaftsgrundschule An den Linden an der Lindenallee.

Einen Neubau-Trakt erhält die Gemeinschaftsgrundschule An den Linden an der Lindenallee.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   Neubau, Anbau, Umbau, Renovierung – die NRZ befragte Baudezernent Jürgen Rauer und Gebäudemanager Thomas Mutz zu Planung und Umsetzung.

Neubau, Anbau, Umbau, Renovierung – ein großes Pensum hat die Bauverwaltung bei den Klever Schulen in den nächsten Monaten und Jahren zu erledigen. Die NRZ befragte Baudezernent Jürgen Rauer und Gebäudemanager Thomas Mutz zur Planung.

Grundschule An den Linden

Priorität liegt als erstes auf der Grundschule An den Linden, Lindenallee. An jedem Werktag ist nun ein Bauleiter fünf bis sechs Stunden lang vor Ort und begleitet die Jobs, die gewerkeweise – nicht über einen Generalunternehmer – vergeben wurden.

Zwei Probleme hatten hier den neuen Anbau verzögert, „das hätten wir auch nicht durch eine noch häufigere Präsenz des Bauleiters verhindern könne’“, so Mutz. Denn eine Firma aus Thüringen hat den Zuschlag im Ausschreibungswettbewerb gar nicht erst angenommen – sie war sich wohl über die Entfernung bis zur Baustelle nicht im Klaren. Ein Handwerker aus Hamburg hatte angeblich den Auftrag per Post nicht erhalten. Es wurde neu ausgeschrieben. „Das hat Zeit gekostet“.

Neubau entlang der Straße ist im Sommer fertig

Der erste Bauabschnitt, nämlich der Neubau entlang der Straße, ist im Sommer fertig, abgestimmt mit der Schulleitung. Dann können sechs Klassen und die Schulverwaltung aus dem Altbau dorthinein umziehen. Die zurückhaltende, recht edel wirkende Fassade, so Thomas Mutz, ist fertig.

Parallel wird dann bereits am zweiten Bauabschnitt, dem Dachausbau, gearbeitet. Für die Kellerabdichtung und Sanierung wurde schon Erdreich ausgehoben. Weitere Klassen werden in einen „Pavillon“ ziehen, der eigentlich ein nennenswertes eigenes Schulgebäude im Gelände An den Linden wird, mit Forum und Mensa. Bis zum Sommer 2018 wird der beendet sein.

Grundschule Lutherschule

In eineinhalb Jahren folgt auch der Umzug der Kinder der aufgelösten Lutherschule aus der Innenstadt, Hagesche Poort, dorthin.

Und die Lutherschule? Die kann vielleicht dann erst einmal Interims-Lösung (=Übergangslösung) für die Spyckschule werden.

Grundschule Montessorischule Spyckschule

Wie berichtet, wird die heute zweizügige Montessori-Grundschule künftig drei Parallelklassen unterbringen. Vor rund acht Wochen wurde ein externer Architekt beauftragt, die Planung voran zu treiben, sie mit Schulverwaltungsamtsleiterin und Schulleiterin abzustimmen. Die Schwierigkeit: In dem Denkmal-Gebäude ist nicht ein einziges Zimmer barrierefrei erreichbar.

Schon der Zugang durchs mächtige Portal an der Spyckstraße, das eigentlich nur Nebeneingang ist, führt bloß vor den Treppenzugang innen. Der Haupteingang übern Schulhof liegt im Hochparterre, nur über elf Stufen erreichbar.

Drinnen sind die Klassen über drei Stockwerke verteilt, die Aula liegt im Dachgeschoss. „Heutzutage ist Inklusion gesetzliche Grundlage, also barriere-freier Zugang sollte die Regel sein“, erklärt Thomas Mutz. Wie man einen Aufzug an das Denkmalgebäude anbindet und Durchbrüche schafft, wird für den Architekten in den nächsten Wochen Thema sein.

Auch drinnen ist die Spyckschule ein schmuckes Denkmal, im Verhältnis zur imposanten Größe aber mit wenigen Klassenräumen. Wie kann man die riesig-hohen Wände, die viel zu breiten Flure für modernen Unterricht (mit Lern-Nebenräumen) aktivieren? Konkretere Pläne und Kostenschätzungen gehen für eine Vorplanung durch den Hauptausschuss, Verpflichtungsermächtigungen – also abrufbare Gelder – werden für 2018 und Folgejahre in den Etat eingestellt. Um Baugenehmigung geht es noch nicht.

Studienseminar Lehrerausbildung Kellen

Um die Schulen mit Leben zu füllen, braucht es Lehrer. Ausgebildet werden sie im Lehrerseminar in Kellen. „Ein Studienseminar steht Kleve gut zu Gesicht“ und einige Pädagogen lassen sich hier fürs Arbeiten auf dem platten Land begeistern, weiß Gebäudemanager Mutz. Also investiert die Stadt gern in das Haus.

Auf den Punkt stimmt die Kostenschätzung von 1,8 Millionen Euro für den Rohbau – Baugenehmigung und Auftrag sind erteilt. Jetzt im Mai ist Baubeginn für einen Anbau, darin entstehen Seminarräume. Ende April 2018 sollen sie bezugsfertig sein. Eine Trauerweide auf dem Baugrundstück zwischen Feuerwehr und Turnhalle der Alten Schule machte anfangs Sorge, denn sie war eine echte Landmarke für Kellen. Der Sturm im letzten Sommer nahm der Verwaltung eine unliebsame Entscheidung ab: Die Krone brach entzwei, die Weide gab von sich aus ihren Standort auf.

Karl-Leisner-Grundschule

Für die energetische Sanierung der Karl-Leisner-Grundschule stehen 250 000 Euro im Etat. Erneuert werden die Glasfront und das Dach der Pausenhalle. Der 70er Jahre Bau sei bisher recht kalt und ungemütlich gewesen, sagt Mutz. Künftig wird es wohnlicher. Lampen bekommen LED-Technik, die Heizung wird saniert.

Gesamtschule I Rindern

Bei den weiterführenden Schulen steht die Gesamtschule I Rindern / Unterstadt in der Pole-Position. Während der Bauphase werden – wie berichtet – Klassen von dort 300 Meter entfernt ins Interimsrathaus als Interimsschule umziehen. „Wir arbeiten mit Feuereifer an der Ausschreibung“.

Sobald die Beamten ins eigene Rathaus umgezogen sind, was mehr als einen Tag dauert, werden Statik, Schallschutz, Brandschutz, Elektroanlagen der neuen Nutzung angepasst. Zwar hatte die einstige Verwaltung des Reise-Riesen „alltours“ auch schon als Zweigstelle der Hochschule Rhein-Waal gedient und theoretisch wären der Spezial-Boden und die damaligen Zuleitungen für Labors reaktivierbar.

Zwei Schulen nutzen Biologie- und Chemie-Fachräume

Aber weil Gesamtschüler wirklich nur vorübergehend Unterricht an der Adresse Landwehr 4-6 erhalten sollen, wird nicht in die Technik investiert. Einzelne Biologie- und Chemie-Fachräume des Konrad-Adenauer-Gymnasiums nutzt man kooperativ gemeinsam, ebenso die Sporthalle im Winter. So ist es bereits vereinbart.

Für die Gesamtschule I Rindern hat sich die Vergabe geändert. Wie berichtet, wird ein Projektsteuerer im Laufe des Sommers beauftragt, um aus der zweizügigen Wilhelm-Frede-Hauptschule mit großem Anbau eine sechszügige Gesamtschule macht – die eventuell nur mit fünf Zügen besiedelt wird, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Baugewerbe der Region ist zurzeit ausgelastet

Europaweit wird zusätzlich ein Generalplaner ausgeschrieben. 20 bis 25 Gewerke sind unter einen Hut zu bringen. „Wir hoffen, Ende des Jahres die bestehende und einst gefeierte Planung zur Baugenehmigungsreife zu bringen“, so Rauer.

80 Prozent der Summe müssen europaweit ausgeschrieben werden. 20 Prozent dürfen in „unterschwelliger“, dass heißt geringerer Kostenhöhe, auch gezielt beim Handwerk national-öffentlich beschränkt ausgeschrieben werden. „Aber das Baugewerbe hier in der Region ist zurzeit ausgelastet, in Hochbau wie im Tiefbau“, bedauert Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer. Mit zwei bis drei Jahren Bauzeit rechnet Kleve.

Gesamtschule II Oberstadt

Fünfzügig ist die Gesamtschule II Oberstadt an der Hoffmannallee konzipiert. Die Schulleitung begrüßte den Vorschlag der Verwaltung, dass Architekt Hausmann, mit dem bereits das Team am Konrad-Adenauer-Gymnasium gute Erfahrungen machte, eingebunden werde. Alle Fraktionen, Lehrer, Schüler, Eltern befragen, Prioritäten und Bedarfe in eine Machbarkeitsstudie einpflegen.

Hausmann hatte sich am KAG drei bis viermal mit Betroffenen getroffen und jeder habe sich im Ergebnis „wiedergefunden“, betont Mutz. So soll es auch an der Hoffmannallee laufen. Es werde dann im Herbst versucht, „eine theoretisch optimale Schule in die Bausubstanz zu transferieren“. Für die Verwaltung ergibt sich „eine komplett neue Aufgabenstellung“, erinnert Dezernent Rauer an den neuen Ratsbeschluss.

Vormals galt, eine vierzügige Sekundarschule bis zum zehnten Schuljahr dort unterzubringen, jetzt muss eine fünfzügige Gesamtschule mit Oberstufe bis Klasse 13 einziehen.

Forschungszusage wurde zurück gezogen

„Bedauerlicherweise wurde wegen der zeitlichen Verzögerung die Forschungszusage für eine Energie-Plus-Schule zurück gezogen“, sagt Rauer. Doch das hat auch Vorteile, macht die Planung, speziell im denkmalwerten Altbautrakt, nicht mehr so kompliziert und zeitlich entspannter.

Die Schule wird künftig also keine Energie gewinnen, sondern soll einen Niedrigenergiestandard erhalten. Die bisherige Konzepte sind aber weiter verwendbar und hilfreich bei der künftigen Ausschreibung. Um die Förderung zu erhalten, hätte ein bestimmter Fertigstellungstermin eingehalten werden müssen. „So können wir jetzt erst den Neubau erstellen, Klassen dahinein umziehen,“ dann die Häuser 1 und 2 (die 60er Jahre Bauten) sanieren.

Zwei Großprojekte laufen zeitlich versetzt

Im Altbau besteht ein ähnliches Problem wie in der Spyckschule: Klassen klein, Flure groß. Für die Bauausführung will die Verwaltung dann wie in Rindern auch hier einen Generalplaner suchen.

Etwa um ein halbes Jahr zeitlich versetzt laufen dann die Projekte beider Gesamtschulen. Die Dependance Ackerstraße – ehemaliges Sebus-Gymnasium – muss vorerst in Benutzung bleiben. Erst in zwei Jahren steigt der Raumbedarf, weil dann die Oberstufe hineinwächst. Der Neubau und der kern-sanierte Zwischentrakt sind fertig.

Johanna-Sebus-Gymnasium

Seit zehn Jahren will Kleve eigentlich das Sebus-Gymnasium aufgeben und investiert deshalb nur das Nötigste ins Gebäude. Es diente bereits als räumlicher Ausweich fürs Stein-Gymnasium, die Realschule, jetzt die Sekundarschule.

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ist die energetische Sanierung mit Dachausbau aufgeschoben. 2,85 Millionen Euro waren veranschlagt.

Konrad-Adenauer-Gymnasium

Mit einem Neubau des Konrad-Adenauer-Gymnasiums hinterm Bahnhof wird ab Anfang 2018 – wie vom Rat beschlossen – das nächste Großprojekt in Angriff genommen. Raumnot hat das KAG nicht, seit nebenan die Hauptschule ausläuft. Auch fürs neue Adenauer-Gymnasium sollen ein Projektsteuerer und ein Generalplaner die Maßnahme umsetzen.

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