Katholische Kirche

Neue Vorwürfe gegen Bischof Heinrich Maria Janssen

Heinrich Maria Janssen ist in Rindern Ehrenbürger. Eine Straße erinnert an den Bischof. 

Heinrich Maria Janssen ist in Rindern Ehrenbürger. Eine Straße erinnert an den Bischof. 

Foto: Andreas Gebbink

Kleve/Hildesheim.   Ein damaliges Heimkind schilderte, dass der Rinderner Ehrenbürger es aufgefordert habe sich auszuziehen. Reformkatholiken fordern Aufklärung.

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Gegen den Rinderner Ehrenbürger Heinrich-Maria Janssen wurden jetzt posthum neue Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhoben. Diese deuten auf einen systematischen sexuellen Missbrauch von Heimkindern durch Verantwortliche der katholischen Kirche in Hildesheim hin, teilte das Bistum in einer Pressekonferenz mit. Ein heute 70-jähriger Mann habe geschildert, dass er Ende der 50er-Jahre als damaliges Heimkind von Janssen aufgefordert worden sei, sich vor ihm auszuziehen. Der Bischof habe ihn anschließend mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen.

Pädokriminelles Netzwerk?

Zum Bischof gebracht und wieder abgeholt wurde das damalige Heimkind demnach vom Leiter eines damaligen Hildesheimer Kinderheims - einem Priester, der den Jungen ebenso wie ein Kaplan auch sexuell missbraucht haben soll. Diese beiden schon gestorbenen Geistlichen seien dem Bistum als Missbrauchstäter bekannt, hieß es. Das Bistum halte die Vorwürfe für glaubhaft und plausibel.

Der heutige Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer zeigte sich erschüttert über die Vorwürfe und kündigte eine unverzügliche Untersuchung insbesondere der Rolle des Altbischofs durch externe Experten an. Bereits 2015 gab es einen ersten Missbrauchsvorwurf gegen den 1988 gestorbenen Janssen. Er ist der erste Bischof in Deutschland, der unter Verdacht geraten ist.

"Da müssen jetzt Profis 'ran"

Die neuen Vorwürfe folgen auf eine Ende September vorgelegte bundesweite Studie im Auftrag der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, nach der zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben sollen. Auf die Frage, ob dies auf ein pädokriminelles Netzwerk in Hildesheim hindeute, hatte Bischof Wilmer am Dienstag gesagt: „Wir haben viele Fragen und Vermutungen, das müssen wir dringend angehen.“ Wilmer kündigte an, unverzüglich unabhängige Fachleute wie Forensiker, Kriminologen oder Historiker mit einer Untersuchung zu beauftragen.

Die katholische Laienbewegung „Wir sind Kirche“ fordert eine erneute Aufklärung dieser Vorwürfe durch Externe. „Da müssen jetzt Profis ran, das kann die Kirche nicht alleine leisten“, sagte ihr regionaler Sprecher Peter Sutor dem Evangelischen Pressedienst. Er habe jedoch großes Vertrauen, dass der neue Bischof Heiner Wilmer eine gründliche Prüfung veranlassen werde.

Sutor sagte, in früheren Fällen sei der Ermittlungswillen des Bistums Hildesheim „sehr dezent“ gewesen. Die Verantwortlichen hätten offenbar die Sorge gehabt, die eigene Organisation zu beschädigen. Er hoffe, dass sich das nun ändere. Mit Blick auf die schwerwiegenden Vorwürfe selbst sagte der Sprecher der Reformkatholiken, er habe in der Missbrauchsdiskussion schon viel Schlimmes gehört: „Da kann ich leider nichts mehr ausschließen.“ In jedem Fall halte er die Aussagen des früheren Messdieners für glaubhaft. (dpa/epd)

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