Verkehr

Niederländer lehnen Bahn zwischen Kleve und Nimwegen ab

Hier geht es auch in Zukunft nicht weiter. Die Provinz Gelderland wünsch vorerst keine Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve - Nimwegen.

Foto: Thorsten Lindekamp

Hier geht es auch in Zukunft nicht weiter. Die Provinz Gelderland wünsch vorerst keine Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve - Nimwegen. Foto: Thorsten Lindekamp

Kleve.   Die Provinz Gelderland sagt definitiv „Nein“ zu einer Reaktivierung der Bahnverbindung Kleve-Nimwegen. Der Bus soll jetzt halbstündlich fahren

Ist das der Todesstoß für die Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve-Nimwegen? Die Provinz Gelderland teilte am vergangenen Donnerstag mit, dass man einer Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve-Nimwegen eine Absage erteilen müsse. Die Wiederaufnahme der Strecke sei nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen nicht durchführbar, sondern ein Zugverkehr zwischen Kleve und Nimwegen hätte auch enorme Folgen für das Zentrum von Groesbeek und für das nahe gelegene Naturschutzgebiet „De Bruuk“.

Zu teuer, zu viele Hindernisse

Die Provinz Gelderland hatte bereits im vergangenen Jahr die Rentabilität der Strecke untersuchen lassen. Dabei habe man errechnet, dass zu wenig Passagiere die Verbindung nutzen würden.

Zudem seien Kosten zwischen 90 und 100 Millionen Euro kalkuliert worden, wenn man den gestiegenen Sicherheitsbestimmungen gerecht werden wolle, so Sprecherin Petra Borseboom gegenüber der NRZ.

Die Studie der Provinz Gelderland benennt elf Bahnübergänge, die man im Hinblick auf die heutigen Sicherheitsvorschriften überarbeiten müsse. Dies könne unter anderem auch die vollständige Sperrung der Bahnübergänge bedeuten oder es müssten extra Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Um in Groesbeek Züge halten zu lassen, müsse man einen 140 Meter langen Bahnsteig errichten. Gegenüber der Provinz Gelderland teilte die Gemeinde Berg en Dal mit, dass man in Groesbeek weder Barrieren noch Zäune im Zentrum wünsche.

Der Bus soll es richten

Um die Auswirkungen des Bahnverkehrs auf das Naturschutzgebiet De Bruuk zu bestimmen, müsse man eine Umweltuntersuchung in Auftrag geben. Zurzeit sind auf diesem Abschnitt die Gleise mit Grün überwuchert. Auch müssten Bäume gefällt werden, so die Provinzregierung.

Dennoch bekenne man sich zu einem besseren grenzüberschreitenden Personennahverkehr. Die Provinz Gelderland setzt hier auf eine bessere Busverbindung. „Die Busse zwischen Nimwegen und Kleve werden ab dem Sommer in einem Halbstundentakt verkehren“, sagte Sprecherin Petra Borseboom. Der Bus werde dann auch direkt den Campus der Radboud-Universität ansteuern und nicht mehr durch das Dörfchen Beek tingeln. „Die Reisezeiten werden dadurch kürzer und besser“, so Borseboom. Am Mittwoch werde das Provinzparlament in Arnheim über den Beschluss der Provinzregierung debattieren.

Landrat Wolfgang Spreen lag bis gestern noch keine Stellungnahme der Provinz Gelderland vor. In Kürze sei ein seit längerem geplantes, nicht-öffentliches Gespräch mit den Beteiligten anberaumt. Spreen war vom Kreistag beauftragt worden, ein Mediationsverfahren in Gang zu setzen. Auch sollte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Nach Angaben der Provinz Gelderland habe man den Kreis Kleve bereits über die Beschlüsse informiert. Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins bedauert die Entscheidung. „Ich finde dies sehr schade und ich halte dies auch für den falschen Weg. Wir hätten im Rahmen der euregionalen Sitzungen darüber sprechen müssen“, so Steins.

Nimwegens Bürgermeister Hubert Bruls hatte bereits im Frühjahr im Gespräch mit der NRZ angedeutet, dass er ebenso keine Chance für eine Reaktivierung der Bahnstrecke sieht. In Nimwegen gebe es große Anpassungsschwierigkeiten im Bereich Heyendaal. Hier plant die Stadt bereits einen großen Ausbau der dortigen Haltestation. Für ein weiteres Gleis nach Kleve sei dort kaum noch Platz, so der Bürgermeister damals.

KOMMENTAR: Gekappte Verbindungen

Die Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve-Nimwegen war nie ein richtiges grenzüberschreitendes Projekt. Die Provinz Gelderland und die Kommunen Nimwegen und Groesbeek auf der einen Seite, der Kreis, die Stadt Kleve, die Gemeinde Kranenburg sowie der RVR auf der anderen Seite haben in dieser Frage nie an einem gemeinsamen Strang gezogen. Das hat sich jetzt gerächt.

Die Sprachlosigkeit zwischen den Verwaltungen hat dazu geführt, dass man kein gemeinsames Ziel entwickelt hat, keine Vision oder Vorstellung von einer grenzüberschreitenden Euregio. Die Provinz Gelderland hat jetzt den Stecker gezogen und das Licht ausgemacht. Landrat Wolfgang Spreen kann seine Vermittlungsversuche einstellen, bevor sie richtig begonnen haben.

Die Entscheidung ist insofern zu bedauern, als dass die Verbindungen zwischen den Niederlanden und Deutschland an vielen Stellen erschwert werden. Das gilt für einen übergeordneten Bahnverkehr zwischen Düsseldorf und Amsterdam genauso wie für den kleinen Grenzverkehr zwischen Gennep und Hommersum. Die Verbindungen werden gekappt oder erst gar nicht aufgenommen. Für die Euregio gibt es noch eine Menge zu tun.

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