Persönlichkeiten

Wo ein Will, war auch ein Weg

Dr. Heinz Will: Ehrenbürger, Rechtsanwalt, Initiator der Bauhütte Schwanenburg und Begründer des Klever Tiergartens

Dr. Heinz Will: Ehrenbürger, Rechtsanwalt, Initiator der Bauhütte Schwanenburg und Begründer des Klever Tiergartens

Foto: privat

Kleve.  Der Klever Rechtsanwalt Dr. Heinz Will war Initiator der Bauhütte Schwanenburg und Begründer des Klever Tiergartens

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Gute Kunden erfreut man zu Weihnachten gern mit kleinen Präsenten wie einer Flasche Wein. Der Klever Rechtsanwalt Dr. Heinz Will hatte sich für Mandanten, Freunde und Bekannte etwas ausgedacht, was noch heute von manchem gehütet wird wie ein kleiner Schatz. Mindestens seit 1956 bis zu seinem Todesjahr 1978 wünschte er alljährlich ein „glückliches neues Jahr“ auf feinem Büttenpapier, in der Regel mit einer Abbildung eines Abkömmlings der Klever Herzöge sowie einer ausführlichen Beschreibung. Sein besonderes Interesse galt dabei der burgundischen Linie des klevischen Herzoghauses. Über die mit dem ersten Herzog (Adolf) verheiratete Maria von Burgund verfasste er ein bei Boss verlegtes Buch, so wie auch später ein weiteres über „Voltaire am Niederrhein”.

Heinz Will wurde 1904 in Xanten geboren, zog aber schon in früher Kindheit mit seinen Eltern nach Kleve. Nach dem Jurastudium arbeitete er ab 1939 als Rechtsassessor in einer großen Berliner Anwaltssozietät. Während seines Heiratsurlaubes im Zweiten Weltkrieg erlebte er den schweren Bombenangriff vom 7. Oktober 1944 mit. Nachdem er Ende 1945 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, gründete er 1946 in Kleve seine eigene Kanzlei. Hier fand er schon bald die Aufgabe, die ihm einen ewigen Platz im Gedächtnis der Klever sicherte, den Wiederaufbau des Schwanenturms.

Die Burg als Justizstandort wurde vom Land Nordrhein-Westfalen wiederaufgebaut, Spiegelturm und Schwanenturm zählten jedoch nicht dazu.

Im Sommer 1948 hatte Dr. Josef Stapper, Vorsitzender des Klevischen Heimatbundes (heute „Klevischer Verein“) einige Vereinsmitglieder zusammengerufen, um Möglichkeiten des Wiederaufbaus des Schwanenturms zu besprechen. In dieser Runde konnte sich kaum jemand den Wiederaufbau des Turmes vorstellen. Dr. Will äußerte sich jedoch optimistisch, mit Hilfe der Klever Bürgerschaft sei der Wiederaufbau sicher möglich. Der Verein signalisierte schließlich Unterstützung unter der Bedingung, dass Dr. Will selbst die Aufbauarbeiten in die Hand nähme. So wurde die Bauhütte Schwanenburg gegründet, die sich nicht nur des Schwanenturms annahm – sie ist ebenso verantwortlich für die Instandsetzung des Spiegelturms sowie die Restaurierung des Marstalls.

Von Anfang an war Heinz Will klar, dass er die gesamte Klever Bürgerschaft mobilisieren musste, sich am Wiederaufbau des Schwanenturms zu beteiligen. So startete er im September 1948 eine ganze Reihe von Werbeaktionen, um der Bauhütte die notwendigen finanziellen Mittel zu verschaffen. Dr. Will sorgte für Werbeplakate und Reklame im Kino und noch im gleichen Jahr fanden diverse Veranstaltungen wie Vorträge, Konzerte, Fußballspiele, Weihnachts-Tombola etc. statt, deren Erlöse – die „Baugroschen“ – der Bauhütte zugutekamen. Der Wiederaufbau ging nicht ganz reibungslos vonstatten, die Bauhütte hatte immer wieder mit diversen Problemen zu kämpfen. Heinz Will setzte sich unermüdlich ein und fand immer eine Lösung. So entstand in Kleve der legendäre Satz: „Wo ein Will, ist auch ein Weg“.

Am 1. Oktober 1950 konnte Richtfest gefeiert werden. An diesem Tag wurde auch der alte Schwan aus dem 15. Jahrhundert, der beim Bombenangriff vom 7. Oktober 1944 in die Tiefe gestürzt war, wieder auf die Spitze des Schwanenturms gesetzt.

Neben seinem Einsatz für die Bauhütte Schwanenburg, über die er eine Chronik verfasste, baute Dr. Will 1965 auch den Klever Tiergarten auf, auch dazu gab er später eine kleine Schrift heraus. Er verfasste ein Dutzend geschichtliche Beiträge für den Klever Heimatkalender und brachte 1969 seine „Betrachtungen über und Anregungen zu Klever Straßennamen“ heraus. Seine Intention: die Stadt solle keine nichtssagenden Straßennamen wie Blumen-, Nelken- oder Rosenstraße vergeben, sondern vielmehr aus ihrer reichen Historie schöpfen und sich ihrer Aufgabe bewusst sein, durch Vergabe von geschichtsbezogenen Namen eine eigene Identität, eine spezifische Atmosphäre, für Einheimische und Besucher ein spürbares Eigengepräge zu geben.

Die Stadt Kleve ehrte Dr. Will 1975 mit dem Ehrenring der Stadt Kleve und 1977 mit der Ehrenbürgerwürde. Im Mai 1978 starb er. Der Platz zu Füßen der Burg wurde später zum Dr.-Heinz-Will-Platz.

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