Es geht darum, die Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: Im Juni war Gunter Demnig in Kamp-Lintfort, um in der Altsiedlung fünf neue Stolpersteine als Erinnerung an Kamp-Lintforter Opfer des Nazi-Terrors zu setzen. An der Recherche hatten sich Schülerinnen und Schüler von drei Kamp-Lintforter Schulen beteiligt.

Für Lehrer und SPD-Ratsmitglied Michael Hänsel und Bernhard Schmidt vom in Moers ansässigen Verein „Erinnern für die Zukunft“, die die Aktion koordiniert haben, steht fest: „Lasst uns dranbleiben. Das ist gerade jetzt, in einer Zeit des Krieges in Europa, so wichtig.“

>> Eine Welle der Hilfsbereitschaft <<

Das Rathaus ist in blau-gelbes Licht getaucht, auf dem Karl-Flügel-Platz wehen die Fahnen der Ukraine und Europas, der Zechenturm leuchtet in den Farben der Ukraine: Eine Woche, nachdem Russland am 24. Februar die Ukraine überfällt und mitten in Europa ein furchtbarer Krieg beginnt, kommen am 2. März auch in Kamp-Lintfort die Menschen zusammen, um gemeinsam für den Frieden zu beten.

„Man fühlt sich so hilflos, wir wollten einfach ein Zeichen setzen“, sagt eine 49-jährige Kamp-Lintforterin und bricht in Tränen aus. Wie in vielen Städten im Land rollt nun auch in der Hochschulstadt eine Welle der Hilfsbereitschaft an. Viele Bürgerinnen und Bürger entscheiden sich spontan, vor dem Krieg geflüchtete Menschen bei sich zu Hause aufzunehmen. Wie Familie Bird, die in Hoerstgen den Biolandhof Frohnenbruch betreibt. Für zwei Frauen und ihre beiden Kinder rücken die Familienmitglieder zusammen. In der Küche kleben an Nahrungsmitteln und Kochutensilien Zettel mit den Vokabeln auf deutsch und russisch, der Google-Übersetzer ist im Dauereinsatz. Die Stadt Kamp-Lintfort hilft schnell und unterstützt die Wohnungspaten.

Friedensgebet in Kamp-Lintfort.
Friedensgebet in Kamp-Lintfort.© FUNKE Foto Services | Volker Herold

Helfen wollen viele auch mit Spenden: Die evangelische Gemeinde Lintfort startet gemeinsam mit der Grafschafter Diakonie eine groß angelegte Aktion. Im Lutherhaus stapeln sich Pakete auf jedem Quadratzentimeter, dutzende Freiwillige helfen zu ordnen und zu sortieren, bevor die gesammelten Hilfsgüter zum polnischen Partner, der Diakonie Polen, nach Warschau transportiert werden. Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, kommt ins Lutherhaus und feiert zwischen den gepackten Kartons einen Gottesdienst mit den Helfenden.

Zwischenzeitlich kommt die Stadt trotz vieler privater Helferinnen und Helfer bei den Unterbringungsmöglichkeiten an ihre Grenzen. Trotzdem kann vermieden werden, Turnhallen zur Verfügung zu stellen oder den ehemaligen Zechenparkplatz zur provisorischen Containerstadt umzufunktionieren. Das, so Dezernent Christoph Müllmann, habe auch aktuell Bestand: „Im Moment sind wir nicht in der Verlegenheit, Turnhallen belegen zu müssen.“

Stand 20. Dezember leben in Kamp-Lintfort 319 aus der Ukraine geflüchtete Menschen, 128 wohnen noch bei Gastfamilien oder sogar schon in eigenen Wohnungen. Familie Pietzsch lebt seit Mai mit Liudmyla (43) und Sofiia (9) unter einem Dach. Für sie steht fest: „Die beiden können so lange hier wohnen, wie sie möchten.“

>> Corona: Kita-Personal am Limit <<

In der ersten Jahreshälfte ist auch der Alltag in Kamp-Lintfort noch von der Corona-Pandemie geprägt. Um mehr Kamp-Lintforterinnen und Kamp-Lintforter vom Sinn einer Impfung zu überzeugen, lädt die Stadt zu einer Impfaktion in den Ratssaal, auch das Kino Hall of Fame stellt seine Räume für eine solche Aktion zur Verfügung.

Impfaktion mit: Avni Akti, Praxis Avicenna, René Schneider (Landtagsabgeordneter), Michael Seidel (Theaterleiter Hall-of-Fame), Fabian Kirking, Erol Gülsen (Glückauf Apotheke), Muhammad Gülsen (Glückauf Apotheke).
Impfaktion mit: Avni Akti, Praxis Avicenna, René Schneider (Landtagsabgeordneter), Michael Seidel (Theaterleiter Hall-of-Fame), Fabian Kirking, Erol Gülsen (Glückauf Apotheke), Muhammad Gülsen (Glückauf Apotheke).© FFS | Oleksandr Voskresenskyi

Erneut sagen die Kamp-Lintforter Karnevalsvereine schweren Herzens alle Aktivitäten vom Rathaussturm bis zum Rosenmontagszug ab. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass sich Menschen anstecken können und den Virus weitertragen“, sagt Hans-Peter Peißer, Ehrenpräsident des Kamp-Lintforter Karnevals-Komitees Kolping.

Schwierig ist die Situation Anfang des Jahres in den Kitas, vereinzelt kommt es sogar zu Kita-Schließungen. Susanne Hausmann, Verbundleiterin der fünf Kitas der St. Josef-Gemeinde, schlägt Alarm: Die Arbeits-Belastung der Mitarbeitenden sei so hoch wie nie. Dazu käme das hohe Risiko, sich auf dem Arbeitsplatz mit dem Virus zu infizieren. Sie fordert, ähnlich wie in Schulen, Pooltests auch in Kitas.

Auch ein Vater will die Situation nicht länger hinnehmen und schreibt einen Brief an den Landrat, in dem er unter anderem moniert, dass es keine PCR-Tests für Kita-Kinder gibt.