Ein siebenjähriges Mädchen beginnt nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter alles Schöne in der Welt aufzuschreiben, in der Hoffnung, dass die Mutter die Aufzählung liest und ihre Depression beenden kann. Es hilft, jedoch nur bedingt und so ergänzt das Mädchen ihr Leben lang die Liste mit schönen Dingen. Unter einem Punkt notiert das Mädchen ein bestimmtes Tier, nämlich Pinguine, „weil sie niedlich sind“, erklärt Katrin Leneke. Sie gehört zum Team der „Penguin’s Days“ und ergänzt augenzwinkernd: „Das passt doch gut zu unserem Festival.“

Die zweiwöchige Veranstaltung findet im Jahr 2023 zum 31. Mal statt. Jedes Jahr tragen die Penguin’s Days ein Motto, 2023 lautet es: „Teilen und Mitteilen“. Dieser Leitspruch sei „besonders treffend“, sagt Ulrich Greb, Intendant des Schlosstheaters Moers. Immer wichtiger werde das Teilen und Verteilen in der Gesellschaft, aber auch das Trennen und Spalten zeige sich in vielen Ereignissen, die in der Welt geschehen. Nur durch Kommunikation, eben durchs Mitteilen, könnten Probleme und Missverständnisse gelöst werden. Das siebenjährige Mädchen in dem Stück „All das Schöne“ versucht sich durch das Führen der Liste mitzuteilen. Unter den 50 Bewerbungen seien viele Stücke gewesen, die sich mit dem Thema Tod und Verlust beschäftigen, berichtet Leneke. „Das Theaterstück verpackt das schwere Thema mit großer Leichtigkeit, sodass unsere Besucher sehr positiv und optimistisch aus diesem Stück gehen können“, verspricht sie.

Die Moerser Penguin’s Days zeigen innerhalb von zwei Wochen zehn Theaterstücke

In den insgesamt zehn Theaterstücken, die vom 3. bis 16. März an verschiedenen Spielorten im Moerser Stadtgebiet gezeigt werden, geht es um Fragen, wie: Was haben bedrohte Tierarten zu sagen? Oder eben auch: Wie kann man Ängste teilen? Was macht die Schönheit des Lebens aus? Aber auch: Wie könnten Utopien aussehen? Mit dieser Frage beschäftigen sich gleich zwei Theaterstücke: „Wem gehört die Straße“ und „Die Räuber der Herzen“. Letzteres enthalte Elemente aus Schillers „Die Räuber“ und dem Gangsterfilm „Ocean’s Eleven“, so Leneke.

Doch nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Kinder ab vier Jahren bietet das Festival ein abwechslungsreiches Programm. In „Wolle und Gack“ geht es um einen Nachbarschaftsstreit und viele Missverständnisse zwischen Wolle, dem Schaf, und einem Huhn. „Sesam öffnet sich - ein Viereck (k)reist durchs Kugelland“ bietet vor allem Kindern, deren Muttersprache nicht deutsch ist, die Möglichkeit an dem Festival teilzunehmen. „Das Stück kommt fast ohne Sprache aus“, erklärt Emma Kaufmann, ebenfalls Mitglied im Festivalteam.

Ein Höhepunkt des Moerser Kindertheaterfestivals ist der Familientag

Ein Höhepunkt der Penguin’s Days sei der Familientag am Sonntag, 5. März, am Schlosstheater Moers mit einem Puppentheaterstück für Kinder ab drei Jahren sowie einem Workshop, in dem Kinder selber Handpuppen basteln können. Zum Tagesprogramm zählt auch eine Lesung sowie das Theaterstück „Die Räuber der Herzen“ und ein Impromarathon, bei dem sich Groß und Klein auf der Bühne ausprobieren können. „Im Museum ist an diesem Tag der Eintritt frei“, ergänzt Jasmin Wrobel vom Festival-Team. Enden werden die Penguin’s Days mit der Verleihung des Goldenen Pinguins und der Übergabe des auf 1000 Euro dotierten Hauptpreises sowie eines auf 500 Euro dotierten Sonderpreises für die zwei besten Theaterstücke - ausgewählt von einer Kinder- und Jugendjury.