Landwirtschaft

Die Landwirte müssen sich mit neuen Gesetzen befassen

Foto: Volker Lübke

Neukirchen-Vluyn.   Auch Landwirte in Neukirchen-Vluyn müssen sich mit Gülledüngung und Trinkwasserqualität befassen. Die „Stoffstrom-Bilanz“ bereitet Kopfschmerzen.

Die Berater der Landwirtschaftskammer werden einiges zu tun bekommen, was die Hausbesuche bei den Landwirten angeht. Wichtige neue Gesetze beispielsweise im Zusammenhang mit der Gülledüngung und der Trinkwasserqualität stehen den Bauern ins Haus. Das war eines der Themen bei der jüngsten Versammlung der Ortsbauernschaft in der Landschänke Zur Grenze. Ortslandwirt Diethelm Keesen hat mit der Redaktion gesprochen.

Die bevorstehende „Stoffstrom-Bilanz“ bereite Kopfschmerzen. Dabei müssen die Betriebe künftig jeden Sack Dünger, Pflanzenschutzmittel oder Saatgut, der in den Betrieb kommt, mit dem aufrechnen, was beispielsweise als Ernte den Hof wieder verlässt.

Die Stickstoff-Bilanz soll ausgeglichen sein

Unterm Strich soll die Bilanz beispielsweise von Stickstoff ausgeglichen sein. Was nicht nur der Milchwirtschaft Probleme bereite. „Es gibt da großen Beratungsbedarf bei den Landwirten. Und mancher gibt seinen Hof demnächst ganz auf“, schildert Keesen die Situation in der Region. „Überleben können da fast nur noch die Großen.“

Zweck der neuen Verordnungen ist es, das mancherorts überdüngte Grundwasser frei von Nitrat zu bekommen. Keesen: „Bei uns im Kreis Wesel gibt es nur ein paar Brunnen mit Nitratwert-Überschreitungen von über 50 Milligramm. Im Kreis Kleve sieht das schon anders aus.“ Jedermann habe ein Recht auf gutes Trinkwasser, räumt der Lohnunternehmer und Ortslandwirt ein. Weshalb es eben auch die neue Verordnung zum Ausbringen von Gülle gebe. Diese bereite allerdings den „kleineren“ Landwirten Sorge.

Ein Fachgeräte für Gülle für über 350 000 Euro

Hintergrund: „Gülle darf nicht mehr großflächig verspritzt werden, sie muss tief auf oder in den Boden gebracht werden.“ Maschinen dafür kosteten ab 100 000 Euro – „da sind wir Lohnunternehmer wieder gefragt“, weiß Keesen. Er hat für solche Zwecke selbst schon ein Gerät von über 350 000 Euro angeschafft. „Es kann sogar Grünflächen düngen, indem es die Grasnarbe aufschneidet und die Gülle tief einbringt.“ Was am Ende auch viel effektiver sei als die herkömmliche Methode.

Die Stoffstrom-Bilanz jedes Jahr ausgeglichen hinzubekommen, sei nicht einfach: „Haben wir eine schlechte Getreideernte, klappt es mit der Aufrechnung wohl nicht. Das alles hängt ja oft vom Wetter ab.“ Eine punktgenaue Berechnung sei nur schwer hinzubekommen. Teuer seien auch die aktuell geforderten Bauwerke zur Lagerung von Silofutter und Gülle, damit keine Schadstoffe mehr im Boden versickern kann. Was Sinn mache. „Aber auch dies kann nicht mehr von jedem Bauern finanziell gestemmt werden.“ Hier bewege man sich ebenfalls schnell im sechsstelligen Bereich.

Manche Landwirte arbeiten schon im Nebenerwerb

Auf der Tagesordnung der Ortsbauern standen darüber hinaus noch Berichte von Experten der Landwirtschaftskammer zu den Themen wie „Rechtslage bei Stalleinbrüchen“ sowie zur aktuellen Agrarpolitik und dem Agrarsozialrecht. In der Ortsbauernschaft Neukirchen-Vluyn gibt es noch etwa 20 „Voll-Landwirte“, die von ihren Höfen leben können, sowie weitere 20 Bauern, die bereits im Nebenerwerb wirtschaften.

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