Hebammen

Die Neukirchen-Vluynerin Claudia Deckers-Melles ist Hebamme

Hebamme Claudia Deckers-Melles und Jacky.

Hebamme Claudia Deckers-Melles und Jacky.

Foto: Denise Ohms

Neukirchen-Vluyn.   Claudia Deckers-Melles arbeitet als freiberufliche Hebamme. Geburtshilfe leistet sie seit 2015 nicht mehr – aus einem ganz bestimmten Grund.

Ein Kind zu bekommen, sei doch eigentlich was ganz Normales, meint Denise Ohms. „Aber wenn man selbst betroffen ist, sieht man das plötzlich ganz anders. Da steht man vor einer Flut von Fragen.“ Heilfroh sei sie daher gewesen, die Hilfe einer erfahrenen Hebamme zu erhalten. „Das war aber gar nicht so einfach. Ich bekam drei, vier Absagen, bis ich Claudia Deckers-Melles gefunden hatte“, sagt die junge Mutter. Ein Fachkräftemangel, der nicht in Ordnung sei.

Auch weil es heute keine Großfamilien mehr gebe, sagt Ohms weiter, sei der Erfahrungsschatz einer Hebamme für junge Mütter unentbehrlich. Obwohl sie Tipps von ihrer Mutter bekommen könne, hätten sich doch so manche Dinge heute grundlegend verändert.

4000 Erdenbürger auf die Welt geholt

Claudia Deckers-Melles (64) ist freiberufliche Hebamme in Neukirchen-Vluyn und betreut Mütter vor und nach der Geburt. Nachdem sie bis 2015 wohl rund 4000 Erdenbürger auf die Welt geholt hat, leistet sie seither keine Geburtshilfe mehr. „Ein Grund dafür waren die enorm gestiegenen Versicherungsbeiträge von bis zu 8000 Euro im Jahr“, sagt sie. Die meisten Mütter gingen heutzutage zur Entbindung in die Klinik und würden von einer niedergelassenen Kollegin betreut. Dazu gehörten alle Fragen rund ums Stillen und die Betreuung des Babys.

„Ich schaue mir das Kind vom Kopf bis zu den Zehennägeln an“, sagt die Fachfrau. Regelmäßiges Wiegen gehöre dazu. Denn: „Das Baby muss im Schnitt 20 Gramm pro Tag zunehmen.“

Zu Ernährung und Verhalten in der Schwangerschaft und zum Geburtsvorgang gibt’s bei der Hebamme ebenfalls alle Infos. „Eigentlich kommen die Kinder fast immer normal zur Welt. Selbst bei Zwillingen ist das so. Und so eine Geburt, das ist wirklich wie ein Urschrei. Ich hab sogar schon mal die Fenster in der Klinik zugemacht“, erzählt Claudia Deckers-Melles. Bei der Frage, Kaiserschnitt oder nicht, schieden sich die Geister: „Ich kann allerdings auch verstehen, wenn eine Frau sich keiner normalen Geburt unterziehen will. Eine Schwangere meinte sogar mal, sie wolle nicht so eine Katastrophen-Geburt wie die in den TV-Serien. Wichtig sind daher auch Geduld und gegenseitiges Vertrauen.“

Auf einmal steht die Welt Kopf

Auch die seelische Umstellung der Frauen sei ein Thema: „Die Welt steht auf einmal auf dem Kopf, alles verändert sich durch das Baby.“ Schön sei daher, dass heute auch viele Väter um das Wohl der Babys bemüht seien. Grundsätzlich nehme die Betreuung von Mutter und Kind viel Zeit in Anspruch. „Ich sage immer, ich komme nicht zum Kaffeetrinken“, sagt Claudia Deckers-Melles lächelnd.

Für Mütter sei es oft ermüdend, auf der Suche nach einer Hebamme so viele Absagen zu bekommen, weiß die Neukirchen-Vluynerin Petra Onasch-Szermann, lange Jahre Chef-Hebamme im Moerser Krankenhaus Bethanien und inzwischen freiberuflich aktiv. „Auch ich bekomme täglich zwei, drei Anfragen, die ich nicht annehmen kann. Ich sage den Frauen immer, sie sollen am Ball bleiben. Am Ende haben alle Schwangeren doch noch eine Hebamme gefunden.“

Wo sind all’ die jungen Hebammen bloß hin?

Allerdings könne auch sie sich nicht erklären, wo all die jungen Hebammen nach dem Examen blieben. „Unser Verband hat da leider keine Zahlen“, weiß sie als ehemals Aktive im Hebammenverband Niederrhein. Auch an allen Kliniken in den Kreißsälen fehlten Hebammen, sagt Petra Onasch-Szermann.

Am 1. Dezember erblickte der kleine Jack Pieter Ohms das Licht der Welt im Krankenhaus St. Josef. „Aber schon im Vorfeld der Geburt wurde ich von Claudia Deckers-Melles super betreut“, sagt Denise Ohms – immer noch dankbar. Claudia Deckers-Melles muss sich jetzt sputen: „Ich muss heute noch drei Frauen besuchen“, kündigt sie an.

Kontakt zu Claudia Deckers-Melles: 0171/83 38 724 oder auf: www.hebammensuche.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben