Gesundheit

Im Kreißsaal ist immer Hochsommer

Foto: Waz FotoPool

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Moers. Temperaturen um die 30 Grad, die sich bis Sonntag weiter in die Höhe schrauben sollen, dazu schwülwarme Luft: In der Moerser City schwitzten Fußgänger am Donnerstag sogar noch mit einem Eis in der Hand. Im Krankenhaus Bethanien legt Katy Knitter derweil die Hände auf ihren prallen Babybauch. Die 36-Jährige muss wegen vorzeitiger Wehen zurzeit das Bett hüten. Drei Flaschen mit Fruchtsaft, Cola und Mineralwasser stehen auf ihrem Nachttisch, das Fenster mit halb heruntergelassener Jalousie ist weit geöffnet. Statt luftiger Kleidung sind Kompressionsstrümpfe angesagt. Eher kein Vergnügen, in diesen Tagen schwanger zu sein, oder?

Wunderbar geregelt

Petra Onasch-Szermann, leitende Hebamme der Frauenklinik, räumt spontan mit einem Vorurteil auf. „Das ist Volksglauben, dass Schwangere mehr unter der Hitze leiden als andere.“ Wenn eine Schwangerschaft ganz normal verlaufe, machten die hohen Temperaturen den werdenden Müttern nicht mehr und nicht weniger zu schaffen, als anderen auch. „Das hat die Natur wunderbar geregelt.“ Dr. Peter Tönnies, Chefarzt der Frauenklinik, drückt es so aus: „Die physiologischen Schwangerschaftsanpassungen führen dazu, dass die Frauen das besser tolerieren.“

Wer glaubt, ein Kreißsaal sei im Sommer ähnlich einem Büroraum klimatisiert, täuscht sich erneut: „Kinder werden in Natur geboren“, sagt Onasch-Szermann. Und weil es im Mutterbauch muckelig warm ist, wird die Temperatur im Kreißsaal für das Wohl des Neugeborenen angeglichen: auf 28 bis 30 Grad. Sozusagen auf permanenten Hochsommer. „Die, die wirklich unter Hitze leiden, sind eher Ärzte, Hebammen und vor allem die werdenden Väter“, lacht Onasch-Szermann. „Gestern hatten wie vier Geburten, da hat keine der Mütter über die Hitze geklagt.“

Noyan ist noch keine 24 Stunden alt und räkelt sich neben seiner Mutter Ines Banysch in seinem Bettchen. Probleme mit der Hitze habe sie in den letzten Tagen vor der Geburt nicht gehabt – „außer dicken Füßen. Aber gegen die kann man abends ja ein kaltes Bad nehmen“, sagt die frischgebackene Mutter.

Beschwerliche Kilos

Die hohen Temperaturen sorgen natürlich vermehrt für die lästigen Wassereinlagerungen. „Dagegen hilft vor allem flaches Liegen“, so Onasch-Szermann. Natürlich gebe es auch Schwangere, die in diesen Tagen hitzebedingt mit Schwindel oder Unwohlsein die Klinik aufsuchen. Chefarzt Tönnies nimmt solche Fälle ernst, klärt die Symptome ab, damit den Frauen die Unsicherheit, es könne etwas mit dem Baby sein, genommen wird.

Schwieriger ist die Hitze für Frauen zu Beginn der Schwangerschaft, wenn die hormonelle Umstellung des Körpers erst beginnt. Auch die zusätzlichen Kilos sind im Wortsinn beschwerlich – vor allem, wenn es so heiß wie jetzt ist. Katy Knitter trinkt derzeit drei bis vier Flaschen Mineralwasser täglich. Wenn sie am Wochenende wieder nach Hause darf, hat sie ein Mittel gegen die Hitze, das es im Krankenhaus nicht gibt: Familie und ein Platz im kühlen Garten...

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