Stadtgeschichte

Kamp-Lintfort arbeitet die Historie seiner Stadtteile auf

Stadtarchivar Albert Spitzner-Jahn wohnt selbst im Niersenbruch.

Stadtarchivar Albert Spitzner-Jahn wohnt selbst im Niersenbruch.

Foto: Christoph Karl Banski

Kamp-Lintfort.   Stadtarchivar Dr. Albert Spitzner-Jahn hat sich zum Auftakt den Niersenbruch vorgenommen. Den nächsten Stadtteil hat er schon im Blick.

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Die urkundlich verbürgte Siedlungsgeschichte des Kamp-Lintforter Stadtteils Niersenbruch beginnt im Jahr 1337. Damals baten die Kamper Mönche den Kölner Erzbischof Walram, eine Mühle mit Wohnung auf dem „Berg, der Nürsenbergh genannt wird“, errichten zu dürfen. Die Mühle ist schon lange Geschichte. Der Niersenbruch aber zählt heute mit seinen 3185 Einwohnern (Stand Januar)zu den vier größten Kamp-Lintforter Siedlungsgebieten der Nachkriegszeit – und zu den beliebtesten. Stadtarchivar Dr. Albert Spitzner-Jahn hat die Geschichte des Stadtteils recherchiert und aufgeschrieben.

Postkarten aus dem Niersenbruch

Der Niersenbruch gilt als attraktive Wohngegend, dafür sorgt unter anderem das viele Grün, welches das von Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften geprägte Viertel immer noch umgibt. Welche Häuser sind wann warum entstanden, wie hat sich die Infrastruktur entwickelt oder wie wird bis heute das Brauchtum gepflegt? Diese und viele weitere Themen greift Spitzner-Jahn in der Broschüre auf.

„Es gab im Niersenbruch mehrere Phasen der Besiedlung“, hat Spitzner-Jahn bei seinen Recherchen herausgefunden. Aber erst der Wohnungsmangel nach dem Ersten Weltkrieg und die als Gegenmaßnahme ergriffene Bauförderung durch die öffentliche Hand ließen den Stadtteil richtig wachsen. „1933/1934 wurde so etwa eine vorstädtische Randsiedlung für kinderreiche Familien mit Nutzland für Gartenbau und Kleinviehhaltung gebaut“, so Spitzner-Jahn.

1000 Quadratmeter und persönliche Eigenleistung

Sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden dann an der Wiesenbruchstraße zehn öffentlich geförderte „Flüchtlingseigenheime“. Jedem der Siedler, die eine persönliche Eigenleistung im Werte von jeweils gut 6000 DM zu erbringen hatten, standen dann über 1000 qm Land zur Verfügung. Und auch der boomende Bergbau zeigte Interesse. 1956 ließ man 18 mehrgeschossige Mietblocks für Zechenangehörige errichten. Die erste Kohlekrise stoppte die angedachte „Bergmannssiedlung Niersenbruch“. In den 60er und 70er Jahren wird dann verstärkt die Infrastruktur ausgebaut.

Immerhin: Man konnte sogar per Postkarte einen „Gruß aus Niersenbruch“ schicken. Auf den zwei in der Broschüre abgedruckten Ansichtskarten ist nicht nur das Kloster Kamp zu sehen, sondern auch die Kriegsgräberstätte, deren besonderer Geschichte Spitzner-Jahn ein langes Kapitel widmet. Der Kommunalfriedhof an der Rheinberger Straße, wo viele Ziviltote des Zweiten Weltkriegs beigesetzt worden waren, sollte geschlossen werden. Auf einem angrenzenden Acker hatte man die bei der Einnahme Kamp-Lintforts im März 1945 gefallenen Soldaten und die im Rheinberger Lager verstorbenen Kriegsgefangenen beerdigt. Nachdem die Stadt 1951 den Niersenberg erwerben konnte, wurden die Kriegstoten und gefallenen Soldaten dorthin umgebettet – in insgesamt 1756 Kriegsgräber.

Spitzner-Jahn, der seit 61 Jahren selbst im Niersenbruch wohnt, hat während der Arbeit an der Broschüre auch noch Neues in seinem Stadtteil entdeckt. Als nächster Stadtteil, so Spitzner-Jahn, locke ihn der Geisbruch, „immerhin mit dem St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintforts größter Arbeitgeber.“

>>> DIE BROSCHÜRE GIBT ES HIER

Die von der Stadt Kamp-Lintfort herausgegebene Broschüre „Der Niersenbruch“ ist im DIN-A4 Format erschienen und kostet 9 Euro. Bebildert ist sie mit Landkarten, Zeichnungen über 80 Fotos und Ansichtskarten. Zu kaufen gibt es das Werk ausschließlich in der Buchhandlung am Rathaus, 02842/921 779

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