Duisburger Akzente

Kamp-Lintforter Künstlerin sucht das Glück auf der Straße

Die Kamp-Lintforter Künstlerin Künstlerin Karin Koch beschäftigt sich seit Jahren mit „Glück“. Jetzt ist sie zu den Duisburger Akzenten eingeladen.

Die Kamp-Lintforter Künstlerin Künstlerin Karin Koch beschäftigt sich seit Jahren mit „Glück“. Jetzt ist sie zu den Duisburger Akzenten eingeladen.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Die Kamp-Lintforter Künstlerin Karin Koch sucht das Glück. Oder nach dem, was Menschen dafür halten. Da gibt es unterschiedliche Ansätze.

Wer, wenn nicht die Künstlerin Karin Koch soll bei den Duisburger Akzenten dieses Jahr ausstellen? Das Thema lautet nämlich Glück. Und Glück ist schon seit Jahren das Forschungsobjekt der Kamp-Lintforterin mit Wohnsitz auch in Berlin.

Karin Koch hat das Glück gesucht. Sie hat vor Jahren schon – auch in Kamp-Lintfort – Kisten aufgestellt, und die Menschen gebeten, ihre persönliche Vorstellung vom Glück zu beschreiben. Neun Monate standen die Kisten an unterschiedlichsten Orten, in Arztpraxen, Kirchen, Geschäften, Schulen, Restaurants. Das Ergebnis ließ die Künstlerin staunen, erstens ob der Mitteilungsbedürftigkeit der Menschen: „Jeder hat seine eigene Vorstellung von Glück.“ Aber auch wegen der Breite der Themen, die sich selbstverständlich teils auf das materielle Glück und den klassischen Traum vom Lottogewinn richteten. Künstlerisch hat sie sich mit diesem Aspekt einmal in einer Ausstellung in Kamp-Lintfort auseinandergesetzt, indem sie sich 3,4 Millionen Euro bei der Zentralbank besorgte und so ausstellte, dass es manchem die Tränen in die Augen trieb – in geschreddertem Zustand.

Aber genauso gut, oder vielmehr einfach und nachvollziehbar, ist auch diese Vorstellung von Glück: „Ich bin glücklich, wenn meine Zahnspange endlich rauskommt.“

Ein Auszug all dieser Glücks-Momente wird ab dem 7. März im Ludwigsforum in Duisburg nachzulesen sein. Auf 13 großen Bannern kann der Betrachter nachlesen, was es mit dem Glück der anderen so auf sich hat.

Sich selbst empfindet Karin Koch durchaus als glücklichen Menschen. Spätestens seit sie das mit Hans im Glück für sich verstanden hat: „Als Kind dachte ich immer, das sei ein Tölpel, der sich übers Ohr hauen lässt. Heute habe ich den letzten Satz der Geschichte für mich entdeckt: ,Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun heim zu seiner Mutter’.“

Also weg vom Materiellen? „Viele Leute wollen glücklich sein, aber wünschen sich etwas, was sich nicht erfüllen lässt. Das macht unglücklich“, erklärt Koch die Widersprüchlichkeit des Lebens.

Glück ist auch da, wo man es nicht vermutet

Die hat sie auch entdeckt, als sie weiter nach dem Glück suchte. „Auf der Straße, wo es ja angeblich liegen soll.“ Sie hat mit Obdachlosen, Arbeitslosen, Junkies, Prostituierten gesprochen. Menschen, die man gemeinhin so weit entfernt vom Glück hält wie den Mond. Sie habe, erzählt sie, da einiges aushalten müssen, wenn sie sich einfach dazu gesetzt habe und nach Glück gefragt: „Manche haben gedacht, ich sei ballaballa.“ Aber auch da hörte sie schließlich persönliche Glücks-Geschichten. Für manchen seltsam anmutende, aber, so sagt Koch: „Wer nichts vom Unglück weiß, weiß nichts vom Glück.“

Vom Streben nach Glück hält die Kamp-Lintforterin nun so gar nichts: „Man kann noch so streben, ob es kommt, ist die Frage. Und das kann nur von Enttäuschungen begleitet sein.“

Vielleicht wird sich Karin Koch demnächst noch einmal diesem Projekt zuwenden: „Ich könnte mir vorstellen, das die Antworten in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung ganz anders ausfallen als vor zehn Jahren.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben