Westwind-Theatertreffen

Viel Applaus für ungewöhnliche Performance in Ladenlokal

Foto: Bettina Engel-Albustin

Moers.   Beim Moerser Westwind-Theatertreffen begeistert das Fetter Fisch PerformanceTheater mit einem Stück über Pubertät. Auch das Publikum spielte mit.

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Aus der Decke hängen leere Kabelhülsen, Neonlicht strahlt in den nackten weiß verputzten Raum. Der große leerstehende Raum auf der Kautzstraße war wohl mal ein Büro. Wer demnächst hier einzieht? Unbekannt. Wenn man wie das Münsteraner Fetter Fisch Performance Theater ein Stück über die Umbrüche im Leben spielen will, ist das tatsächlich die perfekte Bühne.

Perfekt für Zuschauer, die nicht mehr Kind und doch noch nicht erwachsen sind. Alle sind im „UmBruch“ – so der Titel der ungewöhnlichen Performance, in der Raum, Schauspieler und Publikum eine ebenso spannende wie knisternd enge Beziehung eingehen.

Ehrlicher Umgang mit dem Thema Pubertät

Selten hat Jugendtheater das Thema Pubertät so sensibel, so sinnlich und gleichzeitig so ehrlich und respektvoll aufbereitet, wie es das Münsteraner Theater in seinem Stück macht. Alles, was die schwierige Zeit des Ewachsenwerdens ausmacht, packen die Schauspieler Cornelia Kuperschmied und David Fischer in der Regie von Silvia Andringa in Bewegung, Tanz, Wort und Musik.

Nicht mal fünf Minuten sind rum, da ist das erste Loch in der Rigipswand. Spontan, rebellisch, unberechenbar – Eltern kennen so etwas. Mal tänzerisch, mal artistisch, mal erzählerisch lotet das Schauspielerduo im Spiel mit dem Raum und damit auch dem Publikum immer wieder fantasievoll Grenzen aus. Gespielt wird überall – da müssen die Zuschauer sich auch schon mal spontan einen neuen Sitzplatz suchen, um Raum zu schaffen.

Poetische Texte, nah am jungen Publikum

„Zurück ist eine Lüge und nach vorne will ich nicht schauen“: Die gesprochenen Texte sind nicht nur oft poetisch schön, sondern auch unglaublich nah am jungen Publikum: „Wer bin ich, wo bin ich, bin ich schon jemand?“

Die scheinbar auf der Baustelle liegengebliebenen Gegenstände werden zu assoziativ genutzten Requisiten. So wird ein Rollwagen mit blauem Schaumstoffband zu einem Segelboot, das sich auf die unwägbare Reise begibt. Am Ende liegen die Gegenstände alle auf einem riesigen Haufen, bis endlich eine Plane alles verdeckt. Noch einmal scheint Loslassen schwer. Und dann geht es doch.

Viel Applaus gab es dafür von vielen sichtlich faszinierten Schülern. „Das war so außergewöhnlich“, sagte eine Siebtklässlerin im Nachgespräch. „Habt den Mut, zu entdecken, was kommt“, gab Cornelia Kuperschmied ihrem Publikum mit auf den Nachhauseweg.


>>INFO
Um 10 Uhr am Freitag spielt das Prinzregententheater Bochum im Bollwerk noch einmal „Bilder deiner großen Liebe“.

Am Freitagabend werden gegen 19.30 Uhr im Schlosstheater die Sieger des Theatertreffens gekürt.

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