Theater an der Ruhr

Das Musikprogramm der Mülheimer Weißen Nächte begeisterte

Frischer Sound, schräge Texte: Erdmöbel kamen auf der Seebühne gut an. Ex-Präsident Barack Obama schaute ihnen über die Schulter.

Frischer Sound, schräge Texte: Erdmöbel kamen auf der Seebühne gut an. Ex-Präsident Barack Obama schaute ihnen über die Schulter.

Foto: Frank Oppitz

Mülheim.   Neben Matthias Flake, der das Weiße Album der Beatles interpretierte, sorgte die Kölner Kultband Erdmöbel am Theater für gute Laune.

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Zum Endspiel der Weltmeisterschaft ist der Theatersaal komplett belegt und der Platz vor dem ehemaligen Solbad wie leergefegt: Fußball statt Theater. Und das fügte sich nahtlos ein in das von Sven Schlötcke zum Fest des Sommers deklarierte Programm der Weißen Nächte. Mit Erdmöbel stand dann eine Kölner Kultband auf der Seebühne, die nach 25 Jahren längst den Status eines Geheimtipps überwunden hat.

In „ich bleibe jung“ wird schon mal zu grünem Apfelshampoo und Mixed-Kassetten das Lebensgefühl der 80er herraufbeschoren. Frisch, spritzig und wunderbar leicht wirken die Popsongs, die perfekt zum Sommerwetter passen. Die Texte sind verschroben und verspielt, einige Reime wie Kuss auf Bus mit einem Augenzwinkern erzwungen, der die prägnante Stimme von Markus Berges Charakter verleiht.

Ein musikalisches Kontrastprogramm bot am Freitag „Hausmusiker“ Matthias Flake und machte Lust auf mehr. Der Pianist hatte sich mit Freunden das Weiße Album der Beatles vorgenommen und bewies damit seine Qualität an den schwarzen und weißen Tasten. 30 Songs unterschiedlichster Art hatten die Beatles darauf vor 50 Jahren versammelt und den Anfang des Endes eingeläutet.

Klanginstallation in simuliertem Radiostudio

Flake spielt sie nicht einfach nach, sondern gestaltet sie in seinen Variationen in Rhythmus, Tempo und Charakter komplett um. Es dauert eine Weile bis man „Honey Pie“, „Mother Nature’s Son“ oder „Obladi Oblada“ erkennt, aus der Sängerin Anne Stein eine romantische Ballade macht. Höhepunkt ist eine dramatisch-intensive Version von „While My Guitar Gently Weeps“. Wenn dazu Live Electronic blubbert, röhrt und faucht, klingt das fast wie „Revolution No. 9“.

Ruhrorter gibt Einblick in die Werkstatt. Für ihre Klanginstallation haben sie ein Radio-Studio simuliert. Unter dem Titel Idealstadt will das Team um Wanja van Suntum ausloten, was das Zusammenleben von Zugewanderten und hier Verwurzelten ausmacht. Sieben Fragen haben sie formuliert und bereits zuvor mit dem Stadtarchivar, einem Stadtplaner und einer Radiomoderatorin aus dem Kosovo, die von dem multiethnischen Programm ihrer Heimat erzählt, und natürlich einigen Flüchtlingen besprochen. An welchen Luxus hast du dich gewöhnt, welche konkrete Erinnerung hast du an das Haus, in dem du aufgewachsen bist, wollen sie wissen.

Ruhrtheater wir durch Abonnements konventionell

Jetzt werden sie aber im Theater an der Ruhr doch konventionell. Jahrelang haben Roberto Ciulli und Helmut Schäfer gegen Abonnements gewettert wie sie die Stadttheater anbieten, für die kommende Spielzeit bieten sie nun selbst eins an und packen den Sinneswandel in Ironie. Es scheint anachronistisch. Schlötcke spricht von den vielen Angeboten und der Entscheidung, die so schwer fällt.

„Vielleicht ist es besser, wenn wir Ihnen vorschreiben, wann sie wo hingehen“, sagt er. „No Choice - endlich keine Wahl“ heißt das Abo und beinhaltet neben den beiden Premieren zur Spielzeiteröffnung und Dürrenmatts Physiker drei Konzerte (Sinfonik und Weltmusik)in Kooperation mit dem Theater- und Konzertbüro. Der reguläre Verkauf beginnt am 1. September. Bei einem Preis von 89 Euro beträgt die Ersparnis gegenüber dem Einzelverkauf 40 Prozent. Aber Umtausch ist ausgeschlossen.

>> Die ersten Premieren

Die neue Spielzeit beginnt am 20. September mit Shakespeare’s „Othello“, es folgt am 24. November „Clowns unter Tage“, beide Regie: Roberto Ciulli.

Das junge Theater präsentiert am 31. Oktober Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ (Regie Albrecht Hirche) und das Collective Ma’louba zeigt am 4. Oktober „Farah“, Mudar Alhaggi

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