Theater-Premiere

Reise ins Reich der Schatten: Neues Stück der Ruhrorter

Ein leerstehendes Ladenlokal wird für die Gruppe „Ruhrorter“ zum Spielort.

Ein leerstehendes Ladenlokal wird für die Gruppe „Ruhrorter“ zum Spielort.

Foto: Franziska Götzen

Mülheim.   Die Theatergruppe Ruhrorter spielt in einem leerstehenden Ladenlokal an der Leineweberstraße ihr neuestes Stück. Es geht um den Orpheus-Mythos.

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Die arabischen Schriftzeichen und der Spruch „Inmitten der Dunkelheit rief ich dich“ auf der Werbetafel eines Geschäftes an der Leineweberstraße machen neugierig. Was wird das? Ein Döner, ein arabisches Geschäft, eine Shisha-Bar oder doch ein Gebetsraum? Zwischen Gemüsehändler und Western-Unit würde das passen.

Ein dunkler Vorhang verhindert den Blick auf die Fläche, auf der früher einmal eine Plus-Filiale betrieben wurde. Aber nichts dergleichen geschieht hier. Adem Köstereli probt in diesem leerstehenden Ladenlokal mit seinem Ruhrorter-Team ein neues Stück, das am Mittwoch, 30. Mai, Premiere hat, das eben jenen Titel trägt, der draußen an der Fassade prangt, bei dem es sich um ein Orpheus-Zitat handelt.

„Antidokumentarische Herangehensweise“

Unzählige Gespräche hat Köstereli bereits mit Neugierigen geführt, die Genaueres wissen wollten. Die meisten versprachen am Ende bei einer der Aufführungen vorbei zu schauen. Seit sechs Jahren leitet er gemeinsam mit Wanja van Suntum und Jonas Tinus die preisgekrönte Gruppe, die sich mit wechselnden Schauspielern, die meist keinerlei Bühnenerfahrung haben, dem Thema Flucht und Migration widmet.

Dieses Mal sind es nur Männer, sieben Syrer zwischen 17 und 29 Jahren, von denen vier bereits beim Projekt im vergangenen Jahr dabei waren. „Wir haben eine strikt antidokumentarische Herangehensweise. Es geht nicht darum, einzelne Flüchtlingsgeschichten abzusaugen“, erklärt der studierte Ökonom mit türkischen Wurzeln, der in Styrum aufgewachsen ist und seit 15 Jahren dem Theater an der Ruhr verbunden ist.

Abende sind assoziativ und bilderstark

Angefangen hat er bei Bernhard Deutsch beim Jungen Theater. Dort lernte er auch Julian Rauter kennen, der nach einem Studium der medialen Künste in Köln und Leipzig als freier Regisseur und Medienkünstler arbeitet und im Vorjahr wie der Kölner Dramaturg Alexander Weinstock bei Ruhrorter einstieg.

Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Geschichte von Orpheus eins zu eins nacherzählt wird. Die Abende sind eher assoziativ und bilderstark, aber inzwischen auf Wunsch der Teilnehmer auch stärker auf Sprache fixiert. Zuletzt ging es um Goethe, nun stehen arabische Texte im Zentrum, aber auch Rilke. Und das Thema verlangt es, dass auch Musik eine Rolle spielt. Gesungen werde allerdings nicht, versichert Köstereli.

Keller als Unterwelt ungeeignet

Über Orpheus hatten zunächst Vergil und Ovid geschrieben, die dann eine unschätzbare Vielzahl von Dichtern und Musikern inspirierten. „Die Arbeit befasst sich mit der Suche nach einem Ausdruck für Erfahrungen von Verlust und Trauer, der sich nicht in einer bloßen Rückschau verliert, sondern eine neue Form des vorwärtsgewandten Erinnerns entwirft“, erklärt Köstereli und spricht von einer gemeinsamen Reise ins Reich der aufziehenden Schatten, der Stimmen, Erinnerungen und Träume.

Im Raum, in dem sich das Publikum gegenüber sitzen wird, sind bislang nur zahlreiche Mikrofonständer aufgestellt. Einfach ist der Raum nicht zu bespielen. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten wird man auch dort bleiben und nicht umherwandeln wie im Frauengefängnis oder Woolworth-Haus. Der Keller ist als Unterwelt ungeeignet, bedauert Köstereli. Bis zur Premiere wird sich auch atmosphärisch viel verändern.

>> Karten und Termine

Premiere 30. Mai, Leineweberstraße 41/43; Weitere Termine: 1., 2., 5., 8., 9., 13., 15. und 16. Juni. Karten: 8/4 Euro, 5990188; info@ruhrorter.de

Ruhrorter ist Partner eines Symposiums an den Münchner Kammerspielen zum Thema Migration und Theater am morgigen Samstag. Jonas Tinius moderiert. Mit dabei ist auch das am Theater an der Ruhr residierende Collective Ma’Iouba.

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