Um normales Fleisch handelte es sich nicht – sonst hätte die Agentur Bloomberg keine Meldung über ihren weltweiten Verteiler geschickt. So aber berichtete eine Wirtschaftskorrespondentin, dass nun erstmals das neuartige Fleisch japanischer Wachteln in Dutzenden australischen Restaurants angeboten würde. Die Firma Vow aus Sydney wolle sogar eine größere Menge produzieren – elf Tonnen pro Monat.
Das Produkt ist so neu, dass erst einmal eine gute Bezeichnung gefunden werden will. „Laborfleisch“? Nein, „kultiviertes Fleisch“, schlägt Fanny Förster vor, Sprecherin des Unternehmens GEA in Düsseldorf. Die Firma fertigt Industrieanlagen für die Herstellung von Lebensmitteln, unter anderem solche, die das innovative Erzeugnis entstehen lassen. Es geht um tierische Zellen, die nicht von getöteten Wachteln, Hühnern oder Fischen stammen, sondern in Bioreaktoren wachsen. Bestimmte ethische und ökologische Probleme der Massentierhaltung ließen sich so vermeiden.
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Fleisch aus dem Reaktor: GEA sieht darin Milliardenmarkt
2025 fanden sich mehrere Berichte über solche Entwicklungen. Restaurants in Kalifornien, Oregon und weiteren Bundesstaaten der USA brachten kultivierten Lachs auf die Tische, schrieb das Magazin „Green Queen“. Außerdem Fleisch vom Schwein – und sogar Bratwurst aus dem Bioreaktor. „In Singapur bieten ausgewählte Restaurants kultiviertes Hähnchenfleisch an“, fügt Frederieke Reiners hinzu, GEA-Managerin für New Food (neue Lebensmittel). Solche Produkte könnten „mittelfristig den Schritt in breitere Märkte schaffen“.
Für GEA wäre das gut. Der Maschinenbauer hält die neuen Lebensmittel für einen Milliarden-Euro-Wachstumsmarkt, von dem er künftig profitieren will. „GEA ist weltweit einer der größten Systemanbieter für die Nahrungsmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie“, erklären die Düsseldorfer selbstbewusst. Global werde „jeder zweite Liter Bier“ und „jede vierte Spaghetti-Packung“ auf GEA-Anlagen gefertigt. Der Dax-Konzern, der früher unter dem Namen Metallgesellschaft in Frankfurt am Main residierte, beschäftigt rund 18.000 Leute, brachte es 2024 auf einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von rund 400 Millionen Euro.
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Kultiviertes Fleisch wächst ohne Schlachthof im Edelstahltank
In den Test- und Produktionsanlagen für das kultivierte Fleisch dominieren glänzende Behälter und Leitungen aus Edelstahl. Am Anfang entnimmt man lebenden Tieren einige Muskel- oder Fettzellen – „minimalinvasiv“, heißt es, nur ein Pieks sei nötig. Töten, Zerlegen: Schlachthöfe jedenfalls braucht es nicht dafür. Die Zellen wachsen dann in Tanks mit Nährstofflösung, vermehren sich, werden schließlich gereinigt, zum Beispiel mit Pflanzenbestandteilen kombiniert, bis ein Lebensmittel entstanden ist, das hinsichtlich Geschmack und Konsistenz dem Fleisch von der Weide, aus dem Stall oder Meer sehr ähnlich ist.

Aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung als Anlagenbauer für die Lebensmittelindustrie habe man sämtliche Technologien im Angebot, die zur Produktion notwendig seien, sagt GEA. In Hildesheim und Janesville (Wisconsin, USA) betreibt das Unternehmen zwei Testcenter, in denen Lebensmittelhersteller neue Produkte ausprobieren, weiterentwickeln und in kleinem Maßstab zur Marktreife bringen können.
Heute allerdings ist der Markt noch sehr bescheiden, eher embryonal, es gibt ihn kaum. Nur eine Handvoll Kunden weltweit fertigten momentan kultiviertes Fleisch mit GEA-Technologie, heißt es. Namen, Zahlen und eventuelle Gewinne werden nicht genannt. Die gesamten Investitionen aller Akteure in diesem Bereich schätzt man global auf zwei Milliarden Euro – Spurenelemente im Vergleich zum konventionellen Fleischmarkt.

Fleisch aus dem Tank: In der EU fehlt die Erlaubnis
Ein Grund besteht darin, dass bisher nur sehr wenige Staaten überhaupt erlauben, solche Produkte zu verkaufen. Genehmigungen gibt es in den USA, allerdings auch dort nicht in allen Bundesstaaten. Singapur, Australien und Israel stehen den Entwicklungen ebenfalls freundlich gegenüber. In Großbritannien darf kultiviertes Fleisch immerhin als Tiernahrung angeboten werden. In der Europäischen Union dagegen fehlt die Erlaubnis noch. Im Gegenteil: Ungarn und Italien haben die Herstellung und den Verkauf ausdrücklich verboten.

Schlechte Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft? Gibt es zuhauf. Doch mit dem neuen Jahr wollen wir in einer sechs Folgen umfassenden Serie auf Firmen und Branchen blicken, die an der Zukunft arbeiten. Auf überraschende Produkte, Innovationen, die Mut machen, und Unternehmen, die künftig Teile unseres Wohlstands sichern wollen. Heute: Lebensmittel-Industrieanlagen von GEA.
Die Ursache für Letzteres liegt vermutlich im Einfluss der traditionellen Landwirtschaft und der auf ihr fußenden Industrie, welche Einnahmeverluste fürchtet, sollten sich Koteletts aus dem Tank durchsetzen. Die politische Rechte etwa in Ungarn und Italien schmiedet daraus allerdings das Argument, kultiviertes Fleisch sei nicht mit der nationalen Identität zu vereinbaren.
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Wachsende Weltbevölkerung: Gezielte Fleischzucht als Lösung?
GEA-Managerin Reiners setzt dem diesen Gesichtspunkt entgegen: „Warum ganze Tiere aufziehen, wenn wir am Ende vor allem bestimmte Teile nutzen?“ Diese Überlegung kommt aus der Richtung des Tierschutzes, verbunden mit ökonomischen Erwägungen. Nur gezielt bestimmtes Fleisch zu züchten, „kann effizienter sein“.
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Außerdem sagt Reiners: „Wir arbeiten daran, eine sichere und ausreichende Lebensmittelversorgung für eine wachsende Weltbevölkerung zu ermöglichen.“ Steige die Zahl der Menschen wie zu erwarten auf elf Milliarden, lasse sich nicht für alle konventionelles Fleisch herstellen. Dafür fehle es schlicht an Land. Auch die ökologischen Auswirkungen der Massentierhaltung, etwa die Gefährdung des Grundwassers, müsse man in die Überlegung einbeziehen, so Reiners. Und nicht zuletzt die gesundheitlichen Folgen für die Menschen – schließlich gefährde der Einsatz von Antibiotika in den Ställen die Wirksamkeit dieser Medikamente bei Krankheiten.








