Mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner gibt es in Deutschland. Zur Mitte des Jahres erhalten sie einen kräftigen Schluck aus der Pulle: Die Renten steigen um 4,24 Prozent, wie Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) am Donnerstag mitteilte. Die Erhöhung fällt damit höher aus als erwartet. Und sie liegt zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren oberhalb der Marke von vier Prozent. Ein Blick auf die Hintergründe.
Wann kommt die Rentenerhöhung?
Wie jedes Jahr werden die Renten zum 1. Juli angepasst. Das angekündigte Renten-Plus dürfte oberhalb der Inflationsrate liegen, welche Prognosen zufolge in diesem Jahr bei etwas über zwei Prozent liegen dürfte. Ob die Rentenbezieher im Laufe des Jahres aber tatsächlich über mehr Kaufkraft verfügen werden, wird man sehen müssen: Infolge des Iran-Krieges sind die Preise für Öl und Gas in die Höhe geschossen. Wenn es schlecht läuft und sich diese Tendenz verfestigt, ist auf Jahressicht auch mit einem deutlichen Schub bei der allgemeinen Teuerung zu rechnen.
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Warum steigen die Renten jetzt so kräftig?
Arbeitsministerin Bas sagt: „Die gute Lohnentwicklung führt erneut zu einer spürbaren Rentenanpassung, mit der die Verlässlichkeit der gesetzlichen Rente zum Ausdruck kommt.“ Grundsätzlich sind die Renten in Deutschland an die Löhne gekoppelt. Die relevante Lohnentwicklung beziffert das Statistische Bundesamt auf 4,25 Prozent. Abgezogen davon wird die diesjährige Steigerung des durchschnittlichen Zusatzbeitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung, sodass am Ende der Berechnungen ein Plus von 4,24 Prozent steht.
Noch im Dezember war die Deutsche Rentenversicherung davon ausgegangen, dass die Renten 2026 um 3,73 Prozent steigen. Behörden-Chefin Gundula Roßbach sagte am Donnerstag: „Die gesetzliche Rentenversicherung steht für Verlässlichkeit, Generationengerechtigkeit und Solidarität. Die aktuelle Anpassung unterstreicht die Stabilität unseres Systems.“
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Wie stark waren die Anpassungen in den vergangenen Jahren ausgefallen?
2025 gab es für die Rentner in ganz Deutschland einen Aufschlag in Höhe von 3,74 Prozent und im Jahr davor von 4,57 Prozent. 2023 betrug die Anpassung im Westen 4,39 Prozent und im Osten 5,86 Prozent. 2022 wiederum waren es 5,35 Prozent (West) beziehungsweise 6,12 Prozent (Ost).
Was heißt das konkret?
Technisch bedeutet die Anhebung, dass der so genannte Rentenwert von derzeit 40,79 Euro auf 42,52 Euro steigt. Der Rentenwert ist der Betrag, den Rentner für einen Entgeltpunkt („Rentenpunkt“) erhalten. Verdient ein aktiver Arbeitnehmer in einem Jahr genau so viel wie der Durchschnitt der Beschäftigten, schreibt ihm die Rentenversicherung einen Entgeltpunkt gut. Bei Abweichungen nach oben oder unten gibt es entsprechend mehr oder weniger als einen Punkt. Die Höhe der Altersrente bemisst sich dann beim Eintritt in den Ruhestand an der Summe der Rentenpunkte, die ein Beschäftigter während seines Berufslebens angesammelt hat.
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Das Arbeitsministerium von Ressortchefin Bas rechnet vor: „Für eine Standardrente bei durchschnittlichem Verdienst und 45 Beitragsjahren bedeutet diese Rentenanpassung einen Anstieg um 77,85 Euro pro Monat.“ Das ist allerdings eine sehr theoretische Betrachtung, weil hier der sogenannte „Eckrentner“ herangezogen wird – also eine fiktive Person, die 45 Jahre lang immer exakt so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Beschäftigten. Die „Eckrente“ (auch Standardrente genannt) liegt derzeit bei 1.835,55 Euro brutto, künftig werden es 1.913,40 Euro sein. Für alle anderen Rentnerinnen und Rentner gilt: Sie können ihre künftige Rente berechnen, indem sie 4,24 Prozent auf die bisherige draufschlagen.
Ist die Rentenerhöhung schon beschlossene Sache?
Jein. Die Rentner können sich darauf verlassen, dass sie wie von Ministerin Bas angekündigt kommt. Formal braucht es dafür aber noch eine Verordnung, die das Bundeskabinett beschließen und der Bundesrat bestätigen muss. Das wird aber so kommen, diese Schritte sind reine Formsache. Die Verordnung soll mit der Verkündung im Bundesgesetzblatt zum 1. Juli 2026 in Kraft treten.

Gibt es einen Zusammenhang mit den beschlossenen und diskutierten Rentenreformen?
Ja. Die Rente in Deutschland hat ein strukturelles Finanzierungsproblem, weil immer mehr Rentner immer weniger Beitragszahlern gegenüberstehen. Die Beiträge werden perspektivisch steigen, der Bund muss aus seinem Haushalt immer höhere Zuschüsse an die Rentenversicherung leisten. Allein im vergangenen Jahr waren dafür 122 Milliarden Euro vorgesehen. Gleichwohl hat die schwarz-rote Koalition 2025 beschlossen, dass die Haltelinie beim Rentenniveau in Höhe von 48 Prozent bis 2031 verlängert wird. Bis dahin wird es keine Leistungskürzungen geben, die Renten steigen weiter mit den Löhnen. Das Rentenniveau ist das Verhältnis einer Standardrente (siehe oben) zum aktuellen Durchschnittslohn.
Unabhängig davon plant die Koalition noch weitere Reformen. Wie die genau aussehen sollten, erörtert derzeit eine Expertenkommission. Diese soll bis Ende Juni umfassende Vorschläge erarbeiten. Unter anderem steht die Idee im Raum, dass die Renten in Zukunft nicht mehr im gleichen Maße steigen könnten wie die Löhne. Stattdessen könnte die Entwicklung der Renten an die der Preise gekoppelt werden. Das ist bisher aber nur eine Überlegung und noch nicht beschlossene Sache.





