Texas zieht gegen Netflix vor Gericht. Der Vorwurf lässt sich auf einen Satz aus der Klageschrift verdichten: „Sie schauen Netflix, Netflix schaut Ihnen zu.“ Die Staatsanwaltschaft wirft dem Streamingdienst vor, über Jahre hinweg Nutzerdaten gesammelt, ausgewertet und weitergegeben zu haben, ohne seine Kunden ausreichend darüber zu informieren. Eingereicht wurde die Klage nach Angaben der Klageschrift beim Bezirksgericht im texanischen Collin County.
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Netflix soll Sehgewohnheiten und sensible Nutzerdaten ausgewertet haben
Was Texas Netflix konkret vorwirft, begann nach Darstellung der Kläger mit einem Widerspruch: Netflix habe seinen Kunden lange den Eindruck vermittelt, besonders sparsam mit persönlichen Daten umzugehen. Unter anderem werde in der Klage der frühere Netflix-Chef Reed Hastings zitiert. Er habe 2019 in einem Brief an Aktionäre geschrieben: „Wir sammeln gar nichts.“ In Wahrheit, so heißt es in der Klage, habe das Unternehmen Sehgewohnheiten, Vorlieben und weitere Verhaltensdaten seiner Nutzer protokolliert.
Solche Daten können für Unternehmen sehr wertvoll sein. Sie zeigen nicht nur, was Menschen mögen, sondern auch, wann sie besonders empfänglich für bestimmte Inhalte oder Werbung sein könnten. Texas wirft Netflix nun vor, diese Informationen an Datenhändler und Werbefirmen weitergegeben zu haben. Dort seien sie nach Darstellung der Kläger mit Daten aus anderen Quellen verbunden worden, um genauere Profile einzelner Nutzer zu erstellen.
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Netflix-Klage in Texas: Paxton spricht von „Überwachungsprogramm“
Der republikanische Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, formuliert die Anschuldigung besonders scharf. Netflix habe ein „Überwachungsprogramm“ aufgebaut, das darauf ausgelegt sei, personenbezogene Daten von Texanern ohne deren Zustimmung zu sammeln und daraus Profit zu schlagen, heißt es in einer Mitteilung Paxtons.
Juristisch stützt Texas seine Klage unter anderem auf den Deceptive Trade Practices Act, kurz DTPA. Das ist ein texanisches Verbraucherschutzgesetz gegen irreführende oder täuschende Geschäftspraktiken. Vereinfacht gesagt: Unternehmen dürfen Kunden nicht etwas versprechen, das sie in Wirklichkeit nicht einhalten.
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Netflix und Kinder: Vorwurf der süchtig machenden Plattform
Nach Darstellung der Kläger geht es dabei nicht nur darum, welche Daten Netflix gesammelt haben soll, sondern auch darum, wie der Dienst Nutzer möglichst lange auf der Plattform halte. Texas wirft Netflix vor, seine Plattform so gestaltet zu haben, dass Zuschauer immer weitersehen. Besonders kritisch sieht Paxton das bei Kindern und Jugendlichen. Die Strategie von Netflix bestehe darin, „die Texaner und ihre Kinder an den Bildschirm zu fesseln“, sagt der Generalstaatsanwalt.
Als Beispiel nennt Paxton die Autoplay-Funktion. Sie sorgt dafür, dass nach dem Ende einer Folge automatisch die nächste startet. Wer nicht aktiv stoppt, schaut weiter. Diese Funktion ist bei Netflix standardmäßig eingeschaltet, kann aber deaktiviert werden.
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Netflix bestreitet die Anschuldigungen. Gegenüber Reuters wies der Streamingdienst die Vorwürfe als unzutreffend und verzerrt zurück. „Netflix nimmt die Privatsphäre unserer Mitglieder ernst und hält sich überall, wo wir tätig sind, an die Gesetze für Privatsphäre und Datenschutz“, erklärte das Unternehmen. Ob diese Verteidigung trägt, muss nun ein Gericht klären.








