„De facto ist das Völkerrecht tot.“ Mit diesem Satz setzt „Table.Briefings“-Chefredakteur Michael Bröcker bei Markus Lanz den Ton für einen Abend, der mit dem US-Militäreinsatz in Venezuela beginnt – und bei der Frage endet, wie widerstandsfähig Deutschland selbst eigentlich noch ist.
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US-Militäreinsatz in Venezuela: SPD nennt Vorgehen völkerrechtswidrig
Ausgangspunkt der Sendung ist der US-Militäreinsatz in Venezuela und die Festnahme von Machthaber Nicolás Maduro. Matthias Miersch, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, nennt das Vorgehen der USA „klar völkerrechtswidrig“. Dass Maduro kein legitimer Staatschef sei, stelle niemand infrage – doch Entführungen von Staatschefs setzten ein gefährliches Signal.
Wenn Staaten, „die weltweit unsere Werte vertreten“, das Völkerrecht mit Füßen träten, liefere das Autokraten weltweit eine Blaupause. „Dann ist das Wasser auf die Mühlen derjenigen, die diese Rechtssysteme infrage stellen“, warnt Miersch.
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Grönland, Trump und Europa: Empörung ist keine Strategie
Bröcker geht noch einen Schritt weiter und erläutert seine drastische Diagnose. Wenn sich die „größte und wichtigste Demokratie“ nicht mehr an internationale Regeln halte, werde das Recht des Stärkeren zur neuen Ordnung. Europas Vertrauen auf die UN-Charta wirke unter diesen Bedingungen beinahe naiv.
Extremismusforscher Peter Neumann ordnet die Lage geopolitisch ein. Die Welt steuere auf eine Ordnung zu, in der Großmächte ihre Interessen untereinander regelten. „Empörung darüber, was in Venezuela passiert ist, ist ja noch keine Strategie“, sagt Neumann. Europa müsse klären, wie es als Mittelmacht überhaupt noch handlungsfähig bleibe.
Auch Trumps Gebietsansprüche auf Grönland seien Teil dieser Machtpolitik: derzeit Drohkulisse, am Ende womöglich ein Deal „über die Köpfe der Dänen hinweg“. Bis hierhin ist die Sendung Weltpolitik. Dann holt Lanz sie nach Deutschland.
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Stromausfall in Berlin: „So verletzlich sind wir“
Auslöser ist der großflächige Stromausfall in Berlin – Hunderttausende Haushalte ohne Strom. Michael Bröcker ist selbst betroffen. „Mit wie wenig Aufwand ich in der Lage bin, 150 bis 200.000 Menschen in eine Welt zu versetzen, wo Kerze, Kamin und fossiler Generator das Überleben sichern“, sagt er – sichtlich nachdenklich.
Bröcker fordert, die Stromausfälle „so schnell wie möglich dezentral“ zu beheben, insbesondere dort, „wo es vulnerable Personen gibt“. Sein Fazit: „Das zeigt, wie verletzlich wir sind.“
„Sie haben im Gespräch genau das vorhergesagt“, sagt Lanz zu Peter Neumann. Der widerspricht: „Na, nicht genau das.“ Neumann sieht den Anschlag im Muster einer wachsenden linksextremistischen Szene. Seit Jahren gebe es Anschläge auf Bahn, Stromnetze, Kraftwerke – vor allem in Berlin-Brandenburg.
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Bekennerschreiben ohne Forderungen: Ziel ist der gesellschaftliche Kollaps
„Sie haben eigentlich keine wirkliche Forderung“, sagt er. Auch in dem Bekennerschreiben zu dieser Tat gehe es nicht um konkrete Politik, sondern um den Zusammenbruch der westlich-kapitalistischen Gesellschaft.
In linksextremen Foren, so Neumann, eskalierten Sprache und Aktionsformen seit Monaten. Die AfD werde als unmittelbar bevorstehende faschistische Machtübernahme gedeutet. „Jetzt ist alles legitim“, fasst er diese Logik zusammen. Der Verfassungsschutz warne nicht ohne Grund.
„Es geht immer wieder auch um Reiche“, ergänzt Bröcker. Ziel seien bewusst wohlhabendere Gegenden – eine „klassische klassenkämpferische Denke“. Das Heuchlerische daran: Wer es sich leisten könne, gehe ins Hotel. Zurück blieben diejenigen, „bei denen es eh knapp ist“.
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Weswegen sollen die Menschen SPD wählen?
Wenn Infrastruktur angreifbar sei, stelle sich zwangsläufig die Frage nach staatlicher Handlungsfähigkeit, leitet Markus Lanz zum nächsten Thema über. Mit Blick auf das Wahljahr 2026 und mehrere anstehende Landtags- und Kommunalwahlen gerät dabei vor allem die SPD unter Druck, die in Umfragen teils nur noch einstellige Ergebnisse erzielt.
„Und deswegen sollen die Menschen dann SPD wählen?“, fragt er Matthias Miersch ungläubig, nachdem dieser auf Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Zusammenhalt verweist. Die entscheidende Frage sei doch, ob Arbeit in Deutschland wieder attraktiver werde – und ob es den Mut zu Reformen gebe. „Ich kenne keinen Ökonomen, der nicht sagt: Wir müssen ran an die Sozialreformen.“
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Steuererhöhungen: SPD-Vorsitz druckst rum
Miersch gibt sich kämpferisch, bleibt aber unkonkret. Auch beim Thema Steuern drückt Lanz nach: „Also Steuererhöhungen?“ Miersch spricht von Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, von stärkeren Belastungen für Vermögende – und weicht erneut aus. „Wir werden über all diese Dinge reden.“
Michael Bröker benennt die Konsequenz dieses Ausweichens. Zwischen dem, was führende SPD-Politiker sagten, und dem, was viele – auch ehemalige – Wähler erwarteten, klaffe eine wachsende Lücke. Gefragt seien also Klarheit, Reformmut und Ehrlichkeit – auch dann, wenn das die eigene Klientel treffe.
„Wann ist die Dunkelheit bei Ihnen beendet?“, fragt Lanz seinen Gast Bröker. Der hofft, dass zu Hause wieder Strom ist. „Es ist ja fast unfassbar ironisch“, sagt Lanz, „dass wir heute dachten, wir können Ihnen ein warmes Studio bieten – und jetzt sitzen wir hier bei 17 Grad.“ Warum? Das bleibt ungeklärt.









