Seit Donnerstag (12. Februar) wird in Düsseldorf wieder gebützt, getanzt und geschunkelt. Denn pünktlich um 11.11 Uhr wurde an Altweiber im Rathaus mit dem Sturm der Möhnen der Straßenkarneval in der Altstadt und die „fünfte Jahreszeit“ in der NRW-Landeshauptstadt traditionell eingeläutet. Zu dem jährlichen Schauspiel fanden sich auch in diesem Jahr wieder mehrere tausend Närrinnen und Narren auf dem Rathausplatz ein, um beim Startschuss in die heiße Phase des Düsseldorfer Karnevals live dabei zu sein. Und das, obwohl das Wetter sich am Donnerstagvormittag überhaupt nicht von seiner besten Seite zeigte.
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Dauerregen und Temperaturen um die neun Grad Celsius sorgten nämlich am Donnerstagvormittag zum Auftakt der „tollen Tage“ für ungemütliches Wetter. Dennoch strömten zahlreiche kostümierte Menschen in die Altstadt und auf den Marktplatz am Rathaus, um beim Sturm der Möhnen dabei zu sein. Und nicht nur dort, sondern auch im Amtsgebäude wurde der Karneval an Altweiber ausgelassen gefeiert.

Altweiber in Düsseldorf: Oberbürgermeister Keller – „Karneval verbindet uns alle“
Das jährliche Schauspiel auf dem Rathausbalkon war jedenfalls erneut eine klare Sache. Zwar wehrte sich Oberbürgermeister Stephan Keller, der als Clown in Regenbogenfarben verkleidet war, mit Kräften. Dennoch gelang es den Möhnen auch an dieser Weiberfastnacht, das Rathaus zu erobern. Zudem verlor der OB den Rathausschlüssel – natürlich ganz traditionell – an die amtierende Venetia Nicole. Danach zeigte sich das Stadtoberhaupt gut gelaunt. „Es war wieder großartig – wie immer. Auch wenn das Wetter leider nicht so mitgespielt hat, wie wir uns das wünschen würden. Dennoch war es wieder ein tolles Gefühl, auf dem Balkon zu stehen. Und ich habe das Gefühl, den Jecken ist es vollkommen egal, ob es regnet oder nicht. Die Stimmung ist toll“, sagte Keller nach dem erfolgreichen Rathaussturm der Möhnen.
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Aus der Sicht des Oberbürgermeisters sei es auf jeden Fall „ganz wichtig“, dass die Menschen die fünfte Jahreszeit in der Rheinmetropole ausgiebig feiern, trotz der unruhigen Lage in anderen Teilen der Welt wie im Iran und den USA und angesichts des bereits vierten Jahrestages des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. „Gerade in Zeiten, wo es insgesamt wirklich schwierig ist, wo die Menschen auch Sorgen haben, brauchen wir Ventile und Gelegenheiten, wo wir einfach mal die Sorgen des Alltags vergessen können“, betonte Keller und fügte an: „Dafür ist Karneval genau der richtige Moment. Denn Karneval verbindet uns alle.“
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In die gleiche Kerbe schlägt auch SPD-Bürgermeister Fabian Zachel, der als Uni-Absolvent verkleidet war und ebenfalls im Rathaus mitfeierte. „Für viele ist es in diesen Zeiten mit Sicherheit sehr schwer, aber ich glaube, als Rheinländer kann man diese Welt da draußen aktuell ein bisschen angenehmer ertragen.“ Der Düsseldorfer Sozialdemokrat führte bei seinem Kostüm im Übrigen zwei Schriftrollen mit sich. Auf einer der beiden solidarisierte er sich mit Wagenbauer Jacques Tilly, der zuletzt von den russischen Behörden angeklagt wurde: „Freispruch im Sinne der Narrenfreiheit“, fordert daher Zachel für den berühmten Düsseldorfer Künstler. Auf der anderen Schriftrolle hatte der Gerresheimer eine noch deutlichere Botschaft parat: „Björn Höcke ist ein Faschist“, stand auf dem Schriftstück geschrieben. Zachel warb damit, gegen den Auftritt des rechtsextremen AfD-Politikers am 23. Februar im Kulturhaus Süd in Garath zu protestieren.

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Altweiber in Düsseldorf: Polizei berichtet von „auffällig vielen Taschendiebstählen“
Aus Sicht von Clara Gerlach, Grünen-Politikerin und ebenfalls Bürgermeisterin, sei die Weiberfastnacht jedes Jahr „der beste Tag“ an Karneval. „Weil dann die Frauen die Macht über das Rathaus übernehmen. Ich liebe es“, so die 49-Jährige. Dass die fünfte Jahreszeit in der NRW-Landeshauptstadt jedes Jahr so ausgiebig gefeiert wird, sei wichtig, auch wenn es viele Menschen gibt, die aktuell andere Sorgen haben. Daher sollte man sich die rheinländische „Lebensfreude nicht nehmen lassen. Weil Menschen kommen zusammen und haben Spaß miteinander. Deswegen ist Karneval die beste Tradition, die wir hier haben in Düsseldorf.“

Nach dem Rathaussturm und bis in die Abendstunden strömten immer mehr Menschen in die Düsseldorfer Altstadt, um dort Karneval zu feiern. Insgesamt verlief das jecke Treiben an der längsten Theke der Welt größtenteils friedlich und ruhig. Die Polizei zog am Freitagmorgen (13. Februar) daher ein positives Fazit. Wie ein Sprecher der Polizei Düsseldorf am Donnerstagnachmittag jedoch auf Nachfrage erklärte, kam es bis 15 Uhr aber zu „auffällig vielen Taschendiebstählen“. 14 Fälle verzeichnete die Düsseldorfer Polizei laut Bilanz am Altweibertag in der Altstadt. Wie die Polizei mitteilte, konnte in den Abendstunden ein mutmaßlicher Taschendieb festgenommen werden. Zudem wurden 16 Personen in Gewahrsam genommen und 139 Platzverweise ausgesprochen.
Vereinzelt kam es auch zu Körperverletzungsdelikten und sexuellen Belästigungen, meldet die Polizei. Im Laufe des Abends und mit steigendem Alkoholpegel vieler Besucher sei die Stimmung an manchen Stellen in der Altstadt „aggressiver und angespannter“. Die Einsatzkräfte schritten daher „niederschwellig und konsequent bei Streitigkeiten und Körperverletzungsdelikten ein“ und mussten auch mehrere Strafanzeigen anfertigen. Gegen 0.30 Uhr nahm das Besucheraufkommen in der Altstadt jedoch deutlich ab, die Lage vor Ort beruhigte sich anschließend, so die Polizei weiter.
Altweiber in Düsseldorf: Feuerwehr verzeichnet mehr Krankenhausfahrten als 2025
Auch die Stadt und die Düsseldorfer Feuerwehr zogen am Freitag eine positive Altweiberbilanz. Demnach haben die Einsatzkräfte des Ordnungsamtes bis Freitagmorgen, 2 Uhr, 889 Jugendschutzkontrollen durchgeführt. Insgesamt wurden dabei nach Angaben der Stadt 285 Mal Alkohol (2025: 108) und 192 Mal Zigaretten (2025: 85) freiwillig vernichtet. Die Zahl der Wildpinkler lag am diesjährigen Altweibertag bei 56. Im vergangenen Jahr wurden 86 Personen beim öffentlichen Urinieren erwischt, meldet die Stadt. Zudem mussten die OSD-Kräfte wie im Vorjahr in sieben Fällen medizinische Hilfe für hilflose oder verletzte Personen anbieten und fünf Schlägereien schlichten (2025: 6).
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Wie die Stadt weiter mitteilte, mussten bis Mitternacht insgesamt 159 Personen in den Unfallhilfestellen der Altstadt medizinisch versorgt werden (2025: 152). Die häufigsten Gründe dafür waren Kreislaufprobleme und übermäßiger Alkoholkonsum. 21 Minderjährige (2025: 33) mussten deswegen an Altweiber behandelt werden. Gestiegen ist hingegen die Zahl der Krankenhausfahrten. Waren es 2025 noch 92 Personen, die in Düsseldorfer Kliniken weiterbehandelt werden mussten, wurden dieses Jahr 122 Feiernde in Krankenhäuser gebracht.




