Es ist noch etwas mehr als ein Monat, bis auf den Oberkasseler Rheinwiesen wieder mehrere Millionen Menschen ausgelassen feiern wollen. Die diesjährige Ausgabe der Düsseldorfer Rheinkirmes startet am 17. Juli. Und während diese Aussicht bei den meisten freudige Erwartung hervorrufen wird, gibt es eine ganz bestimmte Personengruppe, die deutlich kritischer auf die Kirmes schaut. Denn einige Anwohnende in Oberkassel hadern mit dem großen Stadtfest, wie eine aktuelle Beschwerde im Anregungs- und Beschwerdeausschuss der Stadt zeigt.
Beschwerde gegen Düsseldorfer Rheinkirmes: Das fordern die Anwohnenden
Wie die Rheinische Post (RP) zunächst berichtete, handele es sich um eine Eingabe von Alexander Schmitt, Mitglied der linksrheinischen Bezirksvertretung 4. In dem Dokument, das auch dieser Redaktion vorliegt, wird allerdings klar, dass der Lokalpolitiker nicht alleine ist mit seinen Vorwürfen. „Wir Anwohner am Kaiser-Wilhelm-Ring“ heißt es da. Die Straße liegt direkt am Veranstaltungsgelände. Kein hundert Meter trennen die Wohnungen hier von Fahrgeschäften, die Kirmesbesucher sind dort teils bis tief in die Nacht unterwegs.
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Die nun eingereichte Beschwerde nimmt explizit Bezug auf „wiederholte“ Auflagenverstöße der Betreiber der Rheinkirmes im Jahr 2025. Insbesondere liegt der Fokus hierbei auf nicht eingehaltenen Öffnungszeiten – Vorkommnisse, die laut der Beschwerde mehrfach protokolliert und durch die Kirmes-Wache der Polizei Düsseldorf bestätigt wurden. Daneben geht es aber auch um die zu erwartenden Schäden durch das wieder stattfindende Feuerwerk.
Per Gericht: Düsseldorfer drohen, Rheinkirmes bei Öffnungszeit-Verstößen zu stoppen
Deutlich schärfer als die Beschwerde über bereits vergangene Verstöße, ist jedoch das von den Anwohnenden beschriebene Vorgehen für die Zukunft. So heißt es in der Eingabe beim Beschwerdeausschuss: „Um etwaigen Missverständnissen in der Zukunft vorzubeugen, kläre ich das Gremium bereits heute über mögliche Konsequenzen auf.“ Man wolle dann zunächst „das regulär untätige Ordnungsamt“ informieren und Anzeige bei der Polizei erstatten.
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Sollte dies „nicht fruchten“, behielte man sich vor, die Kirmes mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht zu unterbrechen und die Bezirksregierung zu informieren. „Der Adressat behält sich offen, in welcher Weise auch die Staatsanwaltschaft involviert wird“, ist der letzte der unter möglichen Konsequenzen genannten Punkte.

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Die Beschwerde ist den St. Sebastianus-Schützen, die die Rheinkirmes organisieren, bekannt, wie ein Sprecher auf NRZ-Anfrage erklärt. Man sei um eine gute Nachbarschaft bemüht und nehme Beschwerden gegen Regelverstöße ernst. „Die Rheinkirmes arbeitet eng und vertrauensvoll mit den städtischen Behörden zusammen, die beispielsweise auch regelmäßig überprüfen, ob die vorgeschriebenen Lautstärken eingehalten werden. Die Rheinkirmes wird auch in diesem Jahr wieder alle Betriebe auf der Kirmes auf die Bestimmungen hinweisen“, so der Sprecher.
So reagiert der Düsseldorfer Schaustellerverband auf die Beschwerde
„Wir nehmen selbstverständlich jede Beschwerde ernst und reflektieren das“, sagt auch Oliver Wilmering, Vorsitzender des Düsseldorfer Schaustellerverbandes, auf NRZ-Anfrage. „Aber alles mit Maß und Ziel – es muss schon noch vertretbar sein.“
Die Forderung, die Öffnungszeiten der Rheinkirmes zu verkürzen, sieht Wilmering kritisch. Schließlich habe das Event nur eine Laufzeit von zehn Tagen. „Die Öffnungszeiten anzupassen, wäre für uns Schausteller ein existenziell starker Einschnitt.“ Wilmering rechnet vor: Würde die Rheinkirmes jeden Tag eine Stunde früher schließen, würden insgesamt zehn Stunden wegfallen. „Das macht einen ganzen Tag aus, der den Schaustellern am Ende in der Kasse fehlt.“
Rheinkirmes 2026 – die Öffnungszeiten
Geplant sind folgende Öffnungszeiten: Freitag, 17. Juli, 14 bis 2 Uhr, Samstag, 18. Juli, 13 bis 2 Uhr, Sonntag, 19. Juli, 11 bis 2 Uhr, Montag, 20. Juli, 14 bis 1 Uhr (Pink Monday ab 17 Uhr), Dienstag, 21. Juli, 14 bis 1 Uhr (erste Drohnenshow ab 22.30 Uhr), Mittwoch, 22. Juli, und Donnerstag, 23. Juli, von 14 bis 1 Uhr, Freitag, 24. Juli, 14 bis 2 Uhr (Drohnenshow und Feuerwerk ab 22.15 Uhr), Samstag, 25. Juli, 13 bis 2 Uhr und der letzte Tag am Sonntag, 26. Juli, von 11 bis 24 Uhr.
Ähnlich sehen das auch die St. Sebastianus-Schützen. „Eine Verkürzung der Öffnungszeit würde das Fest insgesamt weniger attraktiv für die Schausteller und Gastronomiebetriebe machen, zumal die Rheinkirmes mit zehn Tagen im Vergleich zum Oktoberfest mit 16 Tagen und der Wasen mit 17 Tagen relativ kurz ist“, so der Rheinkirmes-Sprecher gegenüber der NRZ. Sollten die täglichen Öffnungszeiten tatsächlich verkürzt werden, müsste die Kirmes im besten Fall insgesamt um einen oder mehrere Tage verlängert werden, damit sich der logistische Aufwand für Schausteller und Gastronomiebetrieb lohne. Ob das im Interesse der Anwohnerinnen und Anwohner ist, ist fraglich.
Die Behauptung, dass nach Corona die Öffnungszeiten der Rheinkirmes verlängert wurden, können die Schützen nicht nachvollziehen. Die Kirmes im Jahr 2019, also dem Jahr vor der Corona-Pause, war montags bis freitags von 14 bis 1 Uhr, samstags von 13 bis 2 Uhr und sonntags von 11 bis 1 Uhr geöffnet. „Schon in den 70er Jahren war die Kirmes an normalen Tagen bis Mitternacht geöffnet.“
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Weil die Kirmes im Hochsommer stattfindet, kommen viele Besucherinnen und Besucher gewusst erst in den Abendstunden, dann, wenn die Temperaturen etwas niedriger sind. „Das macht die Rheinkirmes aus“, betont Oliver Wilmering. Dennoch würde man darauf achten, die Oberkasseler nicht mehr als nötig zu belasten: Gewerke mit lauter Beschallung würden vorrangig in Richtung Rhein positioniert werden, ab 22 Uhr werde die Musik leiser gestellt. „An den Öffnungszeiten zu drehen, würde die Atmosphäre und die Arbeitsplätze vieler Schausteller gefährden“, ist sich Wilmering sicher.




