Odeth ist gerade einmal drei Jahre alt. Und es ist ein Wunder, dass das Mädchen aus Angola noch lebt. Sie kam mit einer sogenannten Bauchspalte auf die Welt. Aufgrund dieses Defekts der vorderen Bauchwand entwickelte sich die Leber von Odeth kugelförmig ungeschützt vor dem Bauch statt innerhalb der schützenden Bauchhöhle. Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen, auch nur die ersten Lebensjahre zu überstehen.

Freitags
Vitamin D - Dein Newsletter für Düsseldorf
Jede Woche Deine Dosis Düsseldorf: Spannende Geschichten, besondere Menschen und ausgesuchte Gastro-Tipps.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Eine ärztliche Behandlung im Heimatland war nicht möglich, da es dort keine Operationsmöglichkeiten mit Intensivstation und Beatmungsmedizin gibt. Über das Friedensdorf International ist sie mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen und im Florence-Nightingale-Krankenhaus erfolgreich behandelt worden. Die Ärztinnen und Ärzte in der Kaiserswerther Klinik haben dem Kind das Leben gerettet.
+++ Folgen Sie der NRZ Düsseldorf jetzt auch bei Instagram! +++
Dass das Kind es aber überhaupt bis zur OP in Düsseldorf geschafft hat, ist mindestens außergewöhnlich. Die Situation von Odeth sei mit dem Leben nicht vereinbar gewesen, sagen die Ärzte. „Ihr Bauch war komplett offen. Es ist ein Wunder, dass sie bisher überlebt hat. Ein Sturz oder ein spitzer Gegenstand hätten zur Verletzung der außen liegenden Organe und zum Verbluten führen können“, sagt Bertram Reingruber, Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie und Kindertraumatologie.
Diakonie sucht Spenden für Nothilfefonds
Helfen absolut erlaubt: Wer die Behandlung von Kindern wie Odeth unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende bei der Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie tun: und zwar unter dem Kennwort „Nothilfefonds“ bei der Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank (IBAN: DE61 3506 0190 0000 6506 50).
In Deutschland werden Kinder mit einer Bauchspalte oder einem Bauchorganvorfall in den ersten sechs Lebensmonaten operiert. „Daher war die Situation von Odeth auch für uns ungewöhnlich“, so Reingruber, der jahrzehntelange Erfahrung in der Kinderchirurgie mitbringt. „Eine Operation wie diese haben wir noch nie durchgeführt. Wir standen vor der Frage: Wie bringen wir die Organe, die von einer dünnen Hautschicht bedeckt waren, unter die Bauchdecke?“
Nach der OP noch einmal zwei Tage auf der Intensivstation
Doch Reingruber und sein Team nahmen die Herausforderung an. In nur einer Operation haben sie die Leber in den Bauchraum zurück verlagert, die Bauchdecke verschlossen und ein Netz zur Stabilisierung eingesetzt. Infolge der OP drückte das Volumen der inneren Organe auf Zwerchfell und Lunge. Odeth musste daher noch einmal zwei Nächte auf der Intensivstation beatmet werden, bevor sie auf der Kinderstation weiterbehandelt werden konnte.
- Die NRZ Düsseldorf bei WhatsApp: Hier kostenlos den Kanal abonnieren
„Nach wenigen Wochen wurde deutlich, dass die Behandlung doch noch nicht 100-prozentig erfolgreich war“, schildert Mediziner Reingruber weiter. „Die äußere Wunde klaffte, der Bauch war aufgedunsen.“ In der Klinik stellte man sich die Frage, ob sich das Netz aufgedehnt hatte. Bei einer zweiten OP zeigte sich dann, dass die Bauchhöhle bis ins Becken nach unten gerutscht war. Die Kinderchirurgen mussten die inneren Organe noch einmal besser positionieren.
- Ein bisschen Vitamin D gefällig? Mit unserem neuen Newsletter gibt es jeden Freitag eine ganz persönliche Auswahl der besten Geschichten der Woche – zusammengestellt von einem Mitglied unserer Redaktion. Neben den wichtigsten News gibt es außerdem Gastro- und Veranstaltungstipps sowie das Neueste von der Fortuna. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.
Auch ein möglicher Kinderwunsch des kleinen Mädchens wurde berücksichtigt, die Leber an ihrer korrekten Stelle platziert und fixiert, die Narbe revidiert. „Bei der abschließenden Untersuchung konnten wir sehen, dass die Bauchhaut inzwischen kräftig und stabil war, sie war schön abgeheilt“, berichtet Chefarzt Reingruber. Inzwischen ist Odeth in ihre Heimat zu ihren Eltern und Geschwistern zurückgekehrt. Und kann dort im Kreise ihrer Familie weiterleben.
Lesen Sie auch diese Nachrichten aus Düsseldorf
- Neues Gymnasium Heinzelmännchenweg – Stadt überrascht Eltern: „Sind alle in Sorge“
- Kampfmitteleinsatz in Düsseldorf-Kaiserswerth: Panzerfäuste wurden gesprengt
- „Nähszene“ in Düsseldorf schließt: „8800 Euro Miete schaffen wir nicht mehr“
- „Eternity“ erstmals in Deutschland – Spektakuläre Artistik in St. Antonius-Kirche
- Lesen Sie hier auch alle aktuellen Nachrichten aus Düsseldorf
Um Kindern aus Kriegs- oder Krisengebieten zu helfen und ihre Behandlung durch Spezialisten des Florence-Nightingale-Krankenhauses zu ermöglichen, hat die Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie den „Nothilfefonds“ eingerichtet. Mit Spendengeldern werden die Behandlungskosten finanziert, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Die Behandlung von Odeth konnte unter anderem durch eine großzügige Spende der Ilselore-Luckow-Stiftung realisiert werden.





