Am Ende gab es im Kinosaal 8 des Düsseldorfer Ufa-Palastes tosenden Applaus von den rund 500 DEG-Fans. Dort lief am Mittwochabend (12. August) die Dokumentation über Stürmer und Publikumsliebling Yushiroh Hirano. Der erste japanische Spieler in der langen Clubgeschichte der Düsseldorfer EG wurde nach seinem Wechsel im vergangenen Sommer von den Krefeld Pinguinen auf die andere Rheinseite ein Jahr lang von Filmemacher Benny Spitschan per Kamera begleitet.

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Herausgekommen ist mit der Unterstützung von Art Director Max Schneider-Bodien ein rund 70-minütiger Streifen über die erste Saison von Hirano im DEG-Trikot und sein erstes Jahr in Düsseldorf. Außerdem wird in der Dokumentation die erste DEG-Spielzeit nach dem Abstieg aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in die DEL2 thematisiert, die Bedeutung des Wechsels von Hirano zur DEG für die japanische Community in der Rheinmetropole sowie der mutmaßliche Rassismus-Vorfall um den japanischen Angreifer während des Heimspiels gegen Rosenheim von Anfang Januar.

Bei den Fans im vollgepackten Kinosaal herrschte nach der Filmvorführung große Begeisterung. Auch zahlreiche Teamkollegen, die am Mittwochabend ebenfalls anwesend waren, applaudierten nach der Vorstellung. Für Hobby-Regisseur Benny Spitschan war es jedenfalls ein besonderer Abend. Immerhin war dies sein erster Film überhaupt, der auf der großen Kinoleinwand zu sehen war. „Es war absolut krass. Wirklich wie ein Fiebertraum. Ich kann es nicht fassen, weil ich hier mal ein Musikvideo mache und da mal eine Dokumentation und sie dann auf Youtube hochlade. Aber nun die Chance zu haben, einen Film von mir auf der großen Leinwand zu sehen, war einfach unglaublich“, so der 31-Jährige nach der Kinovorstellung.

Filmemacher Benny ist großer Japan-Fan

Doch wie kam es überhaupt zu der Idee, den ersten japanischen Spieler in der DEG-Geschichte im Rahmen einer Dokumentation knapp ein Jahr zu begleiten? Immerhin hat Spitschan bis zum Start der vergangenen Saison noch nie ein Eishockeyspiel gesehen, zudem lebt er erst seit einigen Jahren in Düsseldorf und hatte bisher keine Berührungspunkte mit der DEG. „Mich hat es vor ein paar Jahren durch die japanische Community nach Düsseldorf gezogen“, erklärte Benny Spitschan den anwesenden Fans und Spielern vor Beginn der Filmvorführung. Bevor er in die NRW-Landeshauptstadt zog, lebte er in einem Ort in der Lüneburger Heide.

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Und bereits dort drehte er hobbymäßig viele Filme. Schon in seiner Kindheit entdeckte er über Mangas und Animes seine Liebe für Japan und die fernöstliche Kultur. 2019 habe er dann angefangen japanisch zu lernen und erlebte dabei „durchaus ein paar Erfolgserlebnisse“, wie er erzählt. Im Jahr 2023 reiste er schließlich in die japanische Großstadt Kobe und besuchte dort eine Sprachschule, jedoch nicht unbedingt mit durchschlagendem Erfolg: „Ich konnte während der Dreharbeiten aber nur zwei, drei Worte auf japanisch mit Hirano wechseln“, berichtete er vor dem Film im Kinosaal und sorgte damit für einen Lacher beim Publikum.

Dennoch wollte er unbedingt einen Film mit Japan-Bezug drehen. „Über die Postcode Lotterie, für die wir beide tätig sind, haben Benny und ich uns dann kennengelernt“, blickt Max Schneider-Bodien zurück, der den Filmemacher bei seinem Vorhaben unterstützte und im Frühjahr 2017 selbst einen Kinofilm über DEG-Torhüterlegende Bobby Goepfert drehte. „Dann führte eins zum anderen“, schildert Spitschan. Dennoch dauerte es, bis die Filmidee konkret wurde.

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Zunächst fragte er sowohl bei Fortuna Düsseldorf an, bei der bis Sommer 2024 der japanische Nationalspieler Ao Tanaka unter Vertrag stand, als auch Borussia Mönchengladbach, bei dem ebenfalls ein Japaner spielte. Auch Hiranos damaligen Club, die Krefeld Pinguine, hatte Spitschan angefragt, um den Japaner zu begleiten. „Benny hat wirklich alles versucht.“ Eine Antwort gab es nicht. Auch Hiranos Ex-Club Krefeld hat sich nie zurückgemeldet. „Bis heute nicht“, so Executive Produzent Schneider-Bodien.

DEG-Stürmer Hirano fühlt sich wegen Kino-Doku geehrt

Nachdem der Wechsel von Yushiroh Hirano vom KEV zur Düsseldorfer EG feststand, sagte dann schließlich der achtmalige Deutsche Meister zu. „Die Zusammenarbeit mit der DEG war vom ersten Tag an super“, schwärmte Benny Spitschan. Dabei sei zunächst gar nicht geplant gewesen, dass aus dem Projekt ein 70-minütiger Kinofilm wird.

Auch Yushiroh Hirano ist am Anfang nicht davon ausgegangen, dass er mal Hauptdarsteller einer Kino-Doku sein wird. „Als Benny gefragt hatte, dass er mich mit der Kamera begleiten will, hätte ich nicht gedacht, dass es am Ende so groß wird“, räumte der Fan-Liebling nach dem Film ein. Für ihn sei es eine große Ehre und „ich bin sehr glücklich über den Film, dennoch habe ich nicht viel verstanden“, gab der Protagonist lachend zu. Denn größtenteils wird in dem Streifen Deutsch gesprochen. Am 31. August könnte er aber mehr verstehen. Denn dann wird der Film ein weiteres Mal gezeigt – mit Untertiteln. Für die japanische Community in Düsseldorf. Zudem ist die Doku ab sofort auf dem Online-Sender „SportEurope.TV“ verfügbar.

Für den Filmemacher selbst seien die Dreharbeiten jedenfalls eine Herausforderung gewesen. Der 31-Jährige begab sich nämlich auf neues Terrain. „Ich hatte ja zuvor noch nie ein Eishockeyspiel gesehen. Deswegen wusste ich zunächst auch nicht was mich erwartet. Das schnelle und rasante Spiel war für die Kameraführung jedenfalls etwas herausfordernd.“ Zudem gab es einige „peinliche Anekdoten“, wie Spitschan berichtete. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Spieler fliegend wechseln und auf die Spielerbank gehen. Deswegen war ich am Anfang verwundert, warum Hirano bereits nach 30 Sekunden ausgewechselt wird. Außerdem habe ich das Eröffnungsbully Anstoß und das Penaltyschießen Elfmeterschießen genannt“.

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Während der Dreharbeiten zeigte Benny Spitschan jedenfalls vollen Einsatz. Bei der Anreise zu einem Heimspiel im PSD Bank Dome blieb er mit seiner rechten Hand an einem Straßenpoller hängen. Die Diagnose: Bruch des Mittelfingers. Einen Großteil des Films konnte er daher nur mit eingegipster rechter Hand drehen. Am Ende entstand aber ein rund 70-minütiger Streifen, den er laut eigener Aussage erst „in den vergangenen drei Wochen fertiggeschnitten“ habe.

Was die DEG angeht, sei er auf alle Fälle mittlerweile „on fire“. „Ich werde in der neuen Saison auf jeden Fall sehr oft in den Dome kommen und die Heimspiele schauen. Eishockey und die DEG machen Bock.“ Eine Idee für ein weiteres Filmprojekt habe der Japan-Fan auch schon. „Vielleicht begleite ich Hirano erneut. Aber dann im Rahmen eines anderen Projektes. Mal sehen.“