Gretel stellt sich auf und legt ihre Vorderpfoten auf den Stuhl. Sie möchte ganz vorn mit dabei sein, wenn ihre Mama Marie Wüpping über ihr Hobby erzählt: das Stricken. Kann man bei dem Ausmaß überhaupt noch Hobby dazu sagen? Die junge Frau mit dem strahlenden Lächeln war eigentlich nur auf der Suche nach einer Beschäftigung, die sie entschleunigt. Doch inzwischen sitzt sie nicht mehr nur auf der Couch und bändigt Wollknäule mit Stricknadeln, sondern hat auch einen YouTube-Kanal, eine Instagram-Seite und plant Strickevents am Niederrhein.
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„2013 habe ich die ersten Versuche gemacht, ich wollte einen Schal stricken. Aber dann kam Gretel“, sagt Marie Wüpping lächelnd. Mit 13 Jahren ist die Malteserdame zwar schon etwas betagter, aber sie läuft noch immer neugierig durch den Garten von Marie Wüpping und ihrem Ehemann in Isselburg. 2024 hat Wüpping noch in Saarbrücken gearbeitet. „Auf der Weihnachtsfeier haben zwei Kolleginnen ihre selbstgestrickten Sachen getragen. Ich fand das so besonders, dass ich es unbedingt selbst mal ausprobieren wollte.“ Sie plant, lange Autofahrten in die Heimat dafür zu nutzen, und so deckt sich die junge Niederrheinerin vor der nächsten Abreise im Wollladen mit dem ersten Equipment ein. „Mit einem dicken Strickbuch auf dem Schoß“, erinnert sie sich. „Letztes Jahr habe ich mein erstes Projekt wieder aufgemacht und noch einmal neu gestrickt.“ Wolle schmeißt sie dabei nie weg. „Für mein letztes Projekt habe ich zwei Wochen gebraucht. Aber eigentlich könnte ich es wahrscheinlich auch schneller fertigstellen, wenn ich mich richtig reinhänge“, schätzt die 35-Jährige.

Das Strickbuch liegt jetzt auch vor ihr auf dem Tisch. „Am Anfang hat mir ein kleines bisschen die Resilienz gefehlt. Dann wurden auch mal die Nadeln aus Frust eine Weile zur Seite gelegt“, gesteht Marie Wüpping. Aber sie hat bis jetzt noch nie vor einem Strickprojekt kapituliert. „Probieren, scheitern, und dann wieder probieren“, betont sie. Trotzdem nimmt sie Hilfe dankend an: „Beim Abketten musste Oma helfen. Das ist dafür da, um die letzte Reihe zu schließen“, erklärt sie.
Stricktreffs in Anholt und Bocholt
Zum roten Lippenstift trägt sie einen Pullunder aus lila-grauer Wolle, den sie selbstverständlich auch selbst gemacht hat. Vor ihr liegt ein Stapel ihrer besten Stücke: Sommertops mit offenem Rücken, ein Rock mit Gummizug. Dazwischen funkelt ein graues Kleid mit silbernen Pailletten – alles selbstgestrickt. „Das Kleid mit der Pailletten-Wolle war an sich nicht schwierig, nur das Aufmachen hat mich Nerven gekostet“, erinnert sie sich.
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Ihr bisher größtes Projekt leuchtet in kräftigem Gelb: Ein Strickpullover mit Zopfmuster liegt vor ihr auf dem Tisch, unter dem Gretel noch immer neugierig sitzt und schaut. „Ich habe immer gedacht, dass man das Handwerk erst richtig beherrschen muss, bis man sich an sowas herantrauen kann.“ Sie deutet auf den Pullover. „Ich habe ein Wochenende lang hardcore geübt, das war richtige Fleißarbeit. Allein die Maschenprobe hat ewig gedauert“, erinnert sie sich. An der Maschenprobe kann man an einem kleinen Stück mit der geplanten Wolle das Muster üben, um zu sehen, wie locker oder fest man stricken muss, um das gewünschte Muster zu erzeugen.
Aus dieser Leidenschaft heraus entwickelt Marie Wüpping den Wunsch, mit dem Stricken Menschen zusammenzuführen. „Es gibt in vielen Städten schon Strickevents“, weiß sie. Und so wächst die Idee, diese auch an den Niederrhein zu bringen. Im Februar hat sie zwei Stricktreffs gegründet: Jeden ersten Donnerstag im Monat von 18.30 bis 21 Uhr in der Kornmühle in Anholt, und jeden dritten Sonntag von 12 bis 15 Uhr im Vogelhaus in Bocholt. Und es wird richtig gut angenommen: „Im Schnitt kommen 25 Leute“, berichtet Marie Wüpping. Häkeln ist hier natürlich auch erlaubt. Im März folgte dann das erste Strickkino im Kinodrom in Bocholt. „Das Event war ausverkauft“, erinnert sich Wüpping. Getragen hat sie damals das silberne Paillettenkleid.

Die Events scheinen einem Vorurteil zu trotzen. Viele haben eine alte Dame im Ohrensessel mit den Stricknadeln in der Hand und der Wolle im Schoß vor Augen, wenn sie ans Stricken denken. „Bei uns sind die meisten Teilnehmerinnen zwischen 25 und 40 Jahre alt. Für mich ist wichtig, dass sich die Leute untereinander auch vernetzen. Die Studentin, die neu in der Stadt ist, die Oma, die sonst viel allein ist, die Frau nach langer Krankheit: Man hat beim Stricken direkt ein gemeinsames Thema, mit dem man in ein Gespräch starten kann“, schwärmt die 35-Jährige.
Strickevent auf einem Schiff ist bereits ausverkauft
Dabei werden natürlich auch Tipps und Tricks untereinander ausgetauscht: „Die älteren holen sich tatsächlich eher Tipps von den jüngeren Teilnehmerinnen. Viele haben das Stricken von ihren Müttern oder Großmüttern gelernt, aber nie wirklich, wie man eine Strickanleitung richtig liest“, beschreibt Wüpping. Dabei kann dann das jüngere Semester helfen. „Oder man tauscht sich über Wolle aus.“ Kommen nur Frauen? „Mein Bruder hat auch angefangen zu stricken. Er ist meist der einzige Mann in unseren Runden. Aber die Herren sind natürlich auch immer herzlich willkommen“, betont sie.

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Am 9. August heißt es für Wüpping und Gleichgesinnte: Volle Fahrt voraus. Ihr neuestes Projekt trägt den Namen „Rhein und Reihen“. „Ich stehe eigentlich nicht so auf Wortspiele, mit ‚Rhein und Reihen‘ ist die Schmerzgrenze erreicht“, scherzt sie. „Es wird eine Strick-Schifffahrt auf dem Rhein in Rees, mit 100 Personen auf einem Personenschiff. Es wird auch Vorträge rund um das Thema Stricken geben. Und Goodiebags gibt es auch“, berichtet sie. Das Event ist bereits ausverkauft. Aber sie hat in der Zukunft noch viel geplant: „Vielleicht gibt es im Herbst eine Woll-Tauschbörse“, überlegt die 35-Jährige. Und auch für das Strickkino stehen schon neue Termine an.
Die nächsten Strickevents
Am 7. Oktober geht das Strickkino in Bocholt in die zweite Runde. Auch 2027 steht schon ein besonderer Termin fest: Am 30. Januar veranstaltet Marie Wüpping in der St.-Helena-Kapelle in Hemden ein Strickkino vor neuer Kulisse. Auf dem Instagram-Kanal @strick_freunde postet Marie Wüpping in Zukunft nähere Infos über die anstehenden Events und ihre Strickprojekte.
Dass das Stricken ein sehr haptisches und analoges Hobby ist, genießt Marie Wüpping sehr. Deshalb kauft sie ihre Wolle auch am liebsten vor Ort, im Handarbeitsstübchen Alipass in Rees. „Dort wird man super beraten, man kann mit der Anleitung hingehen und bekommt gerade in Sachen Wollmenge gute Tipps“, lobt sie. Auf ihrem Instagram-Account @strick_freunde nimmt sie ihre Follower nicht nur beim Stricken, sondern auch bei ihrem Alltag mit: beim Sauerteigbrotbacken, beim Sport und natürlich hat Hündin Gretel auch ihre Starauftritte. Hauptsache entschleunigt.





