Angelika Jäger vom Tierschutzverein Kamp-Lintfort und Umgebung wird schwindelig: Gerade erst hat sie die 4000-Euro-Tierarztrechnung beglichen, schon flattert die nächste über 6000 Euro auf den Tisch. „Es sind ja nicht nur die Kastrationskosten, die wir für die Streuner tragen. Es sind auch viele Behandlungskosten, denn den Katzen draußen geht es natürlich nicht so gut wie gepflegten Hauskatzen“, erklärt Jäger. Und jetzt ist Kittenzeit. Alle Tierschützer und Tierheime in der Umgebung ächzen unter der Last, werden der Flut der Tiere kaum noch Herr, manche müssen gar kapitulieren. Schon jetzt werden auf den Pflegestellen der Kamp-Lintforter etwa 30 Kitten gepäppelt. Der September, die Hochzeit der Katzengeburten, hat gerade erst angefangen.

Nach dem Inkrafttreten der Katzenschutzverordnung hofften alle Tierschützer auf eine Reduzierung der unkastrierten Freigängerkatzen, aber das Gegenteil ist der Fall. Darin sind sich die Tierschützer einig. Unkastrierte und ungechipte, also nicht gekennzeichnete, Rassemischlinge werden immer häufiger. Das kann kein Zufall sein, finden die Kamp-Lintforter Tierschützer. Sie kämpfen einen Kampf gegen Windmühlen. Ehrenamtlich. Unermüdlich. Die Helferinnen und Helfer fahren morgens um 4 Uhr und abends um 10 Uhr raus zu den Futterstellen. Das muss man wollen. Vor allem, wenn der Kampf dann auch noch verloren geht.

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Frederieke war Nummer 26 der Katzen auf einem Hof

Nur ein Beispiel von vielen ist Frederieke. Auf einem Hof wurden frei lebende Katzen gemeldet. Nur einige Katzen zu kastrieren, ist sinnlos, also wurden es insgesamt 32. Frederieke war die Nummer 26. Sie wurde gesichert und sollte kastriert werden. Daraus wurde nichts, denn sie war bereits hochtragend, und das mit geschätzten sieben Monaten. Ihre Babys durfte sie beschützt in einer Pflegestelle bekommen. Zwei wurden tot geboren. Die Katzenmama hat die Babys nicht angenommen, somit wurde es mit liebevoller Handaufzucht versucht.

Es ist immer sehr traurig, wenn man diese kleinen Lebewesen trotz aller Mühen gehen lassen muss

Tierschutzverein Kamp-Lintfort und Umgebung

Aber die Kitten wogen nur 60 Gramm. Bei einer normalen Geburt wiegen die Kleinen zwischen 80 und 120 Gramm. „Es ist immer sehr traurig, wenn man diese kleinen Lebewesen trotz aller Mühen gehen lassen muss“, schreibt der Tierschutzverein in einer Mitteilung. Kein Wunder auch, dass Frederieke ihre Kleinen abgelehnt hat. Sie hatte komplett entzündete Zähne, also starke Schmerzen. Die Zahnsanierung wird einige Hundert Euro kosten. Aber sie leiden lassen, ist keine Option.

Auch alte Streuner brauchen Hilfe

Der Tierschutzverein Kamp-Lintfort kümmert sich nicht nur um Kitten und ihre Mütter, sondern auch um alte Streunerkatzen. Diese kommen oft schon jahrelang an die eingerichteten Futterstellen. Sie haben Parasiten, Grannen im Auge, schlechte Zähne. Streuner sind früher verbraucht und werden von den Helfern des Tierschutzvereins an den Futterstellen, die ihre Tiere über Jahre kennen, medizinisch versorgt.

Zwei Tierschutzvereine

Der Tierschutzverein Kamp-Lintfort und Umgebung ist nicht zu verwechseln mit der Tierherberge Kamp-Lintfort. Der Tierschutzverein hat kein Tierheim. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich in ihrem Zuhause um die Waisenkinder. Die Tierherberge wird vom Bund deutscher Tierfreunde betrieben. Und hier kämpft man nach eigenen Angaben eher mit vernachlässigten Hunden oder Tieren, die krank abgegeben werden, weil die Halter die Tierarztkosten nicht mehr stemmen können.

Ein Beispiel ist der alte zwölfjährige Kater Addy. Er war jahrelang der Chef der Futterstelle, und dann kam von irgendwoher ein Rivale, der seinen Platz beanspruchte. Das geht nicht ohne Verletzungen ab. Addy hatte keine Chance. Ihn einzufangen war nicht einfach, aber mit viel Geduld glückte es. Er konnte gesund gepflegt werden, und es gab sogar ein Happy End. Für ihn wurde ein Zuhause gefunden, wo er nun in Ruhe sein Rentnerdasein genießen kann.

Alle Streuner stammen ursprünglich von Hauskatzen ab

Der Tierschutzverein Kamp-Lintfort kommt an seine Grenzen. Streunerkatzen sind oft schwer erkrankt. Und sie hätten doch ein behütetes Katzenleben verdient. Denn eigentlich stammten sie alle einmal von Hauskatzen ab.

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Noch musste der Tierschutzverein keinem leidenden Tier die Hilfe verweigern, doch nicht nur die Arztkosten, sondern auch die jahrelange Betreuung der eingerichteten Futterstellen gehen ins Geld. Dabei muss sich der Kamp-Lintforter Verein weitestgehend von Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren. Der Tierschutzverein bekommt vom Land nach eigenen Angaben 5000 Euro im Jahr. Damit seien allein die Kastrationskosten nur zur Hälfte finanziert. 

Wem das Leid der Streunerchen ebenfalls am Herzen liegt – die Bankverbindung lautet: Sparkasse Duisburg DE42 3505 0000 1380 3439 29.