Beim Frühstück im Zoo Kalisto saßen sie im August als Mitglieder der ehemaligen Bürgerinitiative zusammen, um das Ende der Sondermülldeponie Eyller Berg zu feiern. Da hatte Dr. Ursula Volz-Boers die Idee: „Es gibt so viel Aggression und Hass, und keiner hört dem anderen mehr zu. Da macht es Sinn, eine Initiative für Demokratie in unserer Stadt zu gründen“, berichtet sie. Die „Initiative für Demokratie in Kamp-Lintfort“ ruft am Dienstag, 22. September, alle Interessierten ab 19 Uhr in den Schirrhof. Mit Moderatorin Meike Kaukars werden nach der Methode „Weltcafé“ an runden Tischen erste Gespräche geführt und Meinungen gesammelt. Motto: Die Zukunft Kamp-Lintforts mitgestalten.
Vor der Auftaktveranstaltung sprechen die Gründer Lutz Malonek, Anja Becker, Dr. Reinhard Becker und Dr. Ursula Volz-Boers über ihre Ziele und Motive. Das Wichtigste: „Wir wollen in Ruhe über alles, was uns in unserer Stadt bewegt, reden und einander zuhören.“ Eingeladen seien Menschen mit verschiedensten Meinungen und aus allen politischen Richtungen. „Unsere Initiative will überparteilich sein.“ Reden und zuhören, den anderen auch zu verstehen, obwohl man anderer Meinung sei, das sei das Ziel. So richte man sich denn auch an alle Menschen, denen Demokratie am Herzen liege.
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Anja Becker ergänzt: „Wir wollen die Menschen da abholen, wo sie stehen. Egal wie alt sie sind oder welchen Beruf sie haben. Sie sollen sich mit ihren Meinungen in den Gesprächsrunden ernst genommen fühlen.“ Daher lade man darüber hinaus auch ab November regelmäßig jeden ersten Donnerstag im Monat ab 18Uhr zum Treffen à la „Weltcafé“ in den Schirrhof. Und: „Wir wollen nicht nur meckern, wir wollen etwas tun und gemeinsam die Zukunft gestalten!“
Vielleicht gibt es nicht immer eine Antwort
Antidemokratische Tendenzen machten den Menschen derzeit große Angst, berichtet Reinhard Becker. Und viele fürchteten, dass sich die Geschehnisse aus den vergangenen 30er-Jahren wiederholten. Nur zuschauen zu können, mache vielen Menschen Sorgen. Anja Beckers: „Bei uns können sie sich frei äußern und erfahren Respekt.“ Auch wenn es nicht immer auf alles eine Antwort gebe.
Alle relevanten Themen
Die Initiative setzt sich für alle gesellschaftlich relevanten Themen ein. Die vier Gründer haben sich bereits in der Initiative gegen die Sondermülldeponie Eyller Berg engagiert, deren Gründer Lutz Malonek war. Dr. Ulla Volz-Boers arbeitet als Ärztin für psychosoziale Medizin und psychosomatische Psychotherapie. Dr. Reinhard Becker ist Frauenarzt im Ruhestand, seine Frau Anja war Pflegedirektorin eines Krankenhauses. Mehr Infos gibt es unter anderem unter lutz.malonek@t-online.de. Auftritte im Netz sollen folgen.
Der Missmut sei heute weit verbreitet: „Ich möchte, dass wir sagen können, wir fühlen uns wohl in unserer Stadt“, unterstreicht Volz-Boers. Man habe das wunderbare Kloster, das Touristen anziehe; die neue Hochschule; den attraktiven Park auf dem Zechengelände… Und auch an die vielen, hart arbeitenden Menschen mit ausländischen Wurzeln wolle man denken. Diese fürchteten zurzeit oft um ihre Existenz. „Bei uns gibt es 1200 Firmen und Menschen aus über 100 Nationen, die dort arbeiten“, weiß Volz-Boers. Trotzdem sei es auch wichtig, das Sicherheitsbedürfnis der Bürger ernst zu nehmen, aber realitätsbezogen damit umzugehen. Dr. Beckers: „Wir haben es doch eigentlich gut. Anders als anderswo bekommt bei uns jeder in der Not einen Krankenwagen.“ Gerade erst im Norwegen-Urlaub sei das in einem Fall nicht so gewesen.
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Zurzeit legen die Mitglieder der Initiative an vielen Orten in der Stadt Info-Blätter mit Einladungen aus. „Dabei kam ich in einer Metzgerei mit Kunden ins Gespräch. Eine Frau war äußerst erstaunt, als sie erfuhr, dass bei uns tatsächlich auch anders Denkende willkommen sind“, berichtet Anja Becker.


