Julia Conrad kommt gerade vom Pilates und führt nun direkt in ihr Studio, das mehr an ein stylisches Wohnzimmer und weniger an einen sterilen Fitnessraum erinnert. In der Ecke steht eine Topfpflanze, am Spiegel hängt eine Lichterkette... Sie lacht. „Ja“, sagt sie, „das Ziel war es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Mädels wohlfühlen.“ Aber es geht ihr ganz bestimmt nicht nur um „Schickimicki“, wie sie es nennt, „es steckt auch viel Wissen und Sport dahinter!“ Das kann die 26-Jährige gleich direkt unter Beweis stellen, wenn sie praktische Übungen fürs Nachmachen im eigenen Wohnzimmer zeigt. Denn jetzt beginnt sie für viele wieder: die Zeit der guten Vorsätze...

Frau Conrad, haben Sie sich fürs neue Jahr etwas vorgenommen?

Ich bin kein Freund davon, Vorsätze ausgerechnet zu Neujahr umzusetzen. Wobei ich aus unternehmerischer Sicht schon einige Pläne fürs neue Jahr habe.

Und zwar?

Ich mache im Februar eine Fortbildung im Bereich Schwangerschaftspilates, sodass ich dazu auch bald Kurse anbieten kann. Und ich möchte meine Onlineplattform weiter aufbauen.

Ein Vorsatz zu Neujahr, der im Trend liegt: Achtsamkeit! Woran liegt das?

Unsere Generation hat gemerkt, dass eine Work-Life-Balance total wichtig ist. Wir wollen nicht mehr durcharbeiten und uns überstrapazieren, sondern befassen uns mehr mit unserer Gesundheit.

Würden Sie sagen, dass Sie achtsam mit sich selbst umgehen?

Ja, aber das war ein Prozess! Ich habe lange nicht auf mich geachtet. Beispielsweise habe ich in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, in denen ich nicht mein eigenes Potenzial entfalten konnte.

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Auf Instagram haben Sie diesen Post veröffentlicht: „Vielleicht brauche ich einfach eine Umarmung – aber stattdessen habe ich ein Unternehmen gegründet.“ Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe Fitnessökonomie und Fitnesswissenschaft studiert und mich irgendwann gefragt, wohin ich damit eigentlich will. In der Branche arbeitest du oft in großen Unternehmen, bist aber immer eine kleine Nummer. Ich habe wirklich daran gezweifelt, ob ich den richtigen Beruf gewählt habe. Dabei liebe ich ihn eigentlich! Ich war lange beim Eiskunstlauf, habe mit 16 Jahren meinen ersten Trainerschein gemacht und später verschiedene Kurse gegeben. Das bedeutet aber eben auch, dass man morgens, abends und an Feiertagen arbeiten muss. Ich war einfach durch und brauchte deshalb eigentlich eine Umarmung (lacht).

Aber Sie haben lieber ein Unternehmen gegründet...

Genau. Als es mir mental richtig schlecht ging, habe ich ein Visionboard gemacht und das in meinem Schlafzimmer aufgestellt. Darauf waren unter anderem auch Bilder von Pilates zu sehen, weil ich das zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre gemacht hatte. Und ja (überlegt kurz), tatsächlich habe ich letztes Silvester gedacht: Mir reicht es jetzt! Im Januar habe ich dann ein Gewerbe angemeldet und im April bin ich hier auf dem Horstmannshof mit meinen Kursen gestartet. Erst nur zwei Mal in der Woche, dann ging das aber schnell hoch auf sechs Mal.

Also doch ein Neujahrsvorsatz!

Stimmt (lacht).

Was ist das Ziel von Ihrem Unternehmen, das Sie „Women Strength by Julia“ nennen?

Ich hatte die Vision, Frauen in jeder Lebensphase den Spaß am Training zu vermitteln. Ich arbeite aktuell immer noch zu 50 Prozent als Sporttherapeutin in der Physiotherapie, deshalb ist mir der gesundheitliche Aspekt total wichtig. Zu mir kommen viele Frauen, die in den Wechseljahren sind und Rückenprobleme haben oder mit Blasenschwäche zu tun haben. Eine Frau ist aber auch vom Pferd gefallen und möchte nun die Mobilität ihrer Schulter wieder trainieren. Und eine Zwanzigjährige möchte einfach fit bleiben. Das ist ganz unterschiedlich. Die Jüngste ist übrigens 17 und die Älteste 63 Jahre alt.

Beim Einzeltraining nutzt Julia Conrad verschiedene Sportgeräte – das kann auch schon mal ein Gewicht sein.
Beim Einzeltraining nutzt Julia Conrad verschiedene Sportgeräte – das kann auch schon mal ein Gewicht sein.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Wieso haben Sie sich auf Frauen spezialisiert?

Zum einen gibt es ein solches Angebot in der Umgebung nicht. Zum anderen fühlen sich viele Frauen in klassischen Fitnessstudios nicht wohl. Sie haben beispielsweise vor dem Gerätetraining Angst, weil sie nicht wissen, wie sie alles einstellen. Oder sie machen bei einem Kurs mit 30, 40 Leuten mit, bei dem der Trainer vorne steht und nicht darauf achten kann, ob jeder Einzelne alles richtig macht. Dagegen sind wir immer eine kleine Gruppe mit maximal zwölf Frauen und hier oben (sie schaut sich in ihrem kleinen Studio um) kann ich sogar eine Eins-zu-eins-Betreuung anbieten.

Was hat es denn beispielsweise hier mit diesem Gerät mitten im Raum auf sich?

Beim klassischen Pilates arbeitet man viel mit dem eigenen Körper. Beim Reformer-Pilates kann man ganz viel mit diesem Gerät machen, das wie im Fitnessstudio mit Widerständen funktioniert. Der Fokus liegt dadurch auf der Kraft, man trainiert aber auch die Koordination, Präzision, Balance...

Die Schulterbrücke ist eine klassische Übung beim Pilates auf dem Reformer.
Die Schulterbrücke ist eine klassische Übung beim Pilates auf dem Reformer. © FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Können Sie mal eine Übung zeigen?

Klar! Beispielsweise das Bridging.

Julia Conrad legt sich mit dem Rücken auf die Liege des Reformers, stellt die Füße auf eine Stange, die sogenannte Footbar, und hebt dann die Hüfte an – bis ihr Körper eine gerade Linie bildet.

Die Übung ist gut für die Hinterseite der Beine, die Hüft- und Gesäßmuskulatur, aber auch für den Beckenboden, Rücken und Bauch. Das kann man jetzt noch erschweren...

Sie hebt ihr rechtes Bein hoch und verharrt kurz so. Dann legt sie sich kontrolliert wieder hin, um gleich die nächste Übung zu zeigen. Sie zieht aus dem Gerät eine Schlaufe und setzt ihren rechten Fuß hinein, während sie sich mit dem linken Unterarm abstützt.

Das ist eine Variation des Side Plank, bei der man einen Kick nach hinten macht.

Beim Reformer-Pilates geht es viel um Kraft.
Beim Reformer-Pilates geht es viel um Kraft.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Sie bewegt ihr rechtes Bein langsam nach hinten und wiederholt dann das Ganze einige Male.

Und welche Übungen eignen sich auch für zuhause?

Das ist mein Go-To.

Sie begibt sich in den Vierfüßlerstand, stellt die Füße auf und hebt langsam die Knie hoch.

Das trainiert die Stütz- und Rumpfkraft. Am besten macht man drei Sätze à zwölf Übungen und das dreimal in der Woche. Man braucht einfach eine Regelmäßigkeit im Training, um Erfolge auch zu merken.

„Womenstrength“ auf dem Horstmannshof

Julia Conrad bietet sechs Mal in der Woche auf dem Horstmannshof, Horstmannsweg 3 in Moers, verschiedene Pilateskurse für Frauen an – darunter beispielsweise „Feminine Pilates Flow“ oder „Powerful Pilates Flow“. Bei „Sunshine Pilates Flow“ und „Soulful Pilates Flow“ immer sonntags geht es etwas ruhiger zu, um entspannt in den Tag zu starten.

Daneben bietet sie aber auch Einzeltrainings an. Weitere Infos: horstmannshof.de/teammitglieder/julia-conrad/

Haben Sie noch einen Tipp für alle, die sich vorgenommen haben, mehr Sport im neuen Jahr zu machen?

Das Wichtigste ist, dass man etwas findet, das einem Spaß macht. Das muss auch nicht Pilates sein, sondern kann auch erst einmal nur ein Spaziergang sein. Es geht um die Bewegung im Alltag! Man sollte nicht an zu vielen Schrauben auf einmal drehen und sich nicht unter Druck setzen. Wenn man sich selbst die Zeit gibt, einfach mal verschiedene Dinge auszuprobieren, kommt der Rest von ganz alleine.