Als Ivanka und Veljos Cerovic sich mit dem Restaurant Dubrovnik am Altmarkt, Kirchstraße 2, im Januar 1971 selbstständig machten, waren beide noch jung. „Vater war erst 21 Jahre alt“, berichtet Sohn Boris (45), der längst auch im elterlichen Betrieb aktiv ist. Damals hätten so viele geholfen, damit das Projekt gelingen konnte. Heute ist das Balkanlokal im Herzen von Moers weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das 55-jährige Bestehen soll ab 10. April ein Wochenende lang mit den Moersern gefeiert werden.

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Vor zweieinhalb Jahren starb der Gründer, Veljos Cerovic. „Fast jeder Gast kennt ihn noch, wie er hier am Tisch neben der Theke mit der Zeitung gesessen und gepafft hat“, erzählt der Sohn. So habe man zum Jubiläum über die Veltins-Brauerei eine Sonderedition „Pülleken“ Helles mit dem Namen des Gründers Veljos abfüllen lassen, zum Gedenken an den Vater und als Geschenk für die Gäste.
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Die Gründerzeit sei bewegt gewesen, erinnert sich die Chefin (78). „Wir kamen über Förderer wie unseren Onkel Mischa in Kamp-Lintfort oder den Pressefotografen Alfred Bangert zu diesem Lokal“, berichtet sie. „Das hieß zuvor ,Zur Börse‘“, wie alte Moerser wohl noch wüssten.
„Es waren schöne Zeiten“: Inhaberin Ivanka Cerovic blickt zurück
Viel Zusammenhalt habe man in all den Jahrzehnten erlebt, weiß die Chefin. „Es waren schöne Zeiten, in denen alte Kunden noch mitgeholfen haben, wenn etwas Besonderes anstand.“ Boris Cerovic: „Die ganze Nachbarschaft hier am Altmarkt und in der nahen City hat an einem Strang gezogen.“ Bis heute seien es die vielen guten Nachbarn wie Extrablatt, Apotheke oder Modehaus Braun – um nur einige zu nennen – die sich gegenseitig befruchteten und die Innenstadt am Leben hielten. Wichtig und hilfreich dabei sei heute auch die ISG (die Immobilien- und Standortgemeinschaft Moers).

Das Dubrovnik war 1971 der zweite „Jugoslawe“, der einst in Moers eröffnete. Und er schlug gleich zu Beginn gut ein. Aber schon 1972/73 versetzte die Wirtschaftskrise dem Land einen Dämpfer. „Es war nicht immer alles einfach“, erinnert sich die Mutter. Doch sie kochte gern und gut, was sich schnell herumsprach. „Eine alte Köchin hat mir die Balkan-Küche beigebracht“, lächelt Ivanka Cerovic.
Bis ein Uhr nachts hätten die Gäste damals noch im Dubrovnik gesessen. Und: „Wir haben an Geburtstagen durchgefeiert und sind morgens wieder zur Arbeit gegangen. Ich hatte ja auch noch meine drei Jungs zu versorgen“, erzählt die Mutter. Das gab’s auch: „In den Mittagspausen hat ein Restaurant gegen das andere Fußball gespielt“, ergänzt der Sohn.
Große Jubiläumsparty geplant
Die große Feier zum 55-Jährigen: Am Freitag, 10. April, gibt es auf dem Altmarkt Musik und Unterhaltung mit DJ Monti. Der Samstag startet um 13 Uhr mit einer Modenschau durch die ISG mit anschließendem Musikprogramm und einer „Chef-ist-weg-Party“. Angesagt hat sich auch der medienbekannte Moerser Detlef Steves, der für das Moerser Tierheim sammelt. Am Sonntag gibt es viel Live-Musik, unter anderem treten eine Blaskapelle aus Holland und die „Livin‘ Sixties“ auf. Kontakt: T. 02841/22034, dubrovnik-moers.de.
Darauf legt man viel Wert: Einmal pro Woche kommt der Metzger mit Ware. Denn bis heute wird im Dubrovnik frisch gekocht. „Wir machen alles selbst, vom Cevapcici-Röllchen bis zum Salat und dem Dressing“, unterstreicht Boris Cerovic. Und Mutter schaue immer noch gern mal in der Küche nach dem Rechten. Versuche, das Rezept der leckeren Hackfleischrollen einmal zu ändern, seien auf größten Protest der Stammgäste gestoßen, lächelt er. Nicht mehr wegzudenken aus dem Stadtleben sind daneben auch die Musik- und Bühnen-Events des Betriebes auf dem Altmarkt bei Anlässen wie Karneval, Kirmes oder Weihnachtsmarkt.
„Das Dubrovnik wird es wohl keine zehn Jahre mehr geben“
Einen Umbau des Restaurants gab es 1988. Dann, in den 90er-Jahren, der Jugoslawien-Krieg. „Mein Vater sagte immer, der Mensch kann nicht alleine leben. Damit meinte er die Hilfsbereitschaft. Daher haben auch wir viele Menschen aus der Heimat aufgenommen. Zeitweise waren es 30. Da haben wir in unserer Wohnung über dem Lokal auch mal auf dem Fußboden geschlafen.“
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Ganz besonders treue Gäste gibt es im Dubrovnik auch: „Das sind ein paar Moerser, die in der VHS einst Jugoslawisch gelernt haben. Sie kommen schon 47 Jahre lang jeden Dienstag zu uns. Von den einst 13 Leuten sind noch fünf übrig“, berichtet Boris Cerovic.
Die Zukunft: „Das Dubrovnik wird es wohl keine zehn Jahre mehr geben. Wir würden aber gern noch ein paar Jahre weitermachen. Das kommt auch auf den Vermieter an.“ Die Lage in der Gastronomie habe sich verändert. Auch werde das Personal immer knapper. „Die Leute wollen auch nicht mehr zu späterer Stunde essen, wie es früher einmal war. Auch das einstige rege Kneipenleben gibt es kaum noch. Zudem ist die Bürokratie für uns riesig geworden. Für jedes Bisschen muss man Anträge stellen.“
Für die Besucher der Innenstadt wäre eine Schließung des Traditionslokals ein herber Verlust. Und für Chefin Ivanka Cerovic wäre es ein besonders trauriger Moment: „Mein Mann und ich haben hier ja von jung auf gearbeitet.“




