Das Altkleidersystem in Moers soll neu ausgerichtet werden. Geplant ist ein Abbau der dezentralen Stellen und die Einrichtung einer zentralen Sammelstelle für Altkleider und Textilien auf dem Kreislaufwirtschaftshof (KWH). Das geht aus einem Beschlussentwurf der Enni für den Verwaltungsrat hervor.

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Dafür sollen alle bestehenden Altkleider-Depotcontainer zum nächstmöglichen Zeitpunkt zurückgebaut werden. Spätestens zu Beginn des Jahres 2027 soll das umgesetzt worden sein. Die bisherige Zusammenarbeit mit karitativen Einrichtungen soll fortgeführt werden. Am kommenden Donnerstag, 9. Juli, bespricht der Verwaltungsrat das Vorhaben.

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Durch die Einrichtung einer zentralen Annahmestelle am Kreislaufwirtschaftshof soll eine kontrollierte Annahme ermöglicht werden, heißt es in dem Entwurf. Dadurch soll „die Qualität der Sammelware verbessert und Fehlbefüllungen sowie ‚wilde‘ Entsorgung von Altkleidern erheblich reduziert werden können“.

Haushaltsnahe Sammlungen indes sollen analog zum System der Sperrmüllsammlung von aktuell noch vier jährlichen Angeboten auf mindestens 12 pro Haushalt im Jahr ausgeweitet werden. Das ist laut Enni in Bezug auf die Hausmüllsammlungen in Planung: An insgesamt 120 Sammeltagen soll jeweils ein Mitarbeiter mit einem 3,5-Tonnen-Sprinter an 12 Sammelterminen pro Jahr (in 10 Sammelrevieren) Altkleider einsammeln.

Auf dem Kreislaufwirtschaftshof sollen mindestens sechs zusätzliche Altkleidercontainer aufgestellt werden, die täglich geleert werden sollen, führt die Enni weiter aus. Wilder Müll soll durch dieses Konzept um rund 35 Tonnen reduziert werden. Ein Betrag von 117 Euro wird pro Tonne für Verbrennungskosten einkalkuliert.

Marktveränderungen: Bestehendes Altkleidersystem hat zunehmend Probleme

Das bestehende System weise aufgrund globaler Marktveränderungen zunehmend strukturelle und wirtschaftliche Probleme auf, heißt es in dem Entwurf: „Die Qualität der gesammelten Textilien ist häufig unzureichend und erschwert eine wirtschaftliche Verwertung.“

Eine unkontrollierte Nutzung der Depotcontainer, zum Beispiel in Form von Fremdbefüllung oder wild abgelagertem Müll in der Nähe der Containerstandorte, sei Ausdruck dieser veränderten Marktprozesse. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Ende Juni verkündete der Energieversorger und Dienstleister, dass die Altkleidercontainer an der Franz-Haniel-Straße aufgrund des wilden Mülls abgezogen werden sollen.

Aktuell erfolgt die Altkleidersammlung in Moers über ein kombiniertes Bring- und Holsystem. Das Bringsystem umfasst 38 Depotcontainerstandorte mit insgesamt 83 Behältern. Rund 850 Tonnen werden jährlich gesammelt. Mehrmals wöchentlich erfolgt die Leerung im Auftrag des AEZ – Asdonkshof, die Reinigung regelmäßig durch die Enni. Zusätzlich erfolgt aktuell viermal jährlich eine haushaltsnahe Sammlung durch die Enni auf Abruf.

Altkleidersammlung: drastischer Gewinnverlust und steigende Kosten

Eine im Beschlussentwurf aufgeführte Kostenkalkulation zeigt den Verlauf der vergangenen drei Jahre auf, in denen sich die Situation deutlich verschlechtert hat. Im Jahr 2023 konnten noch 360 Euro Nettoerlös pro Tonne erzielt werden – 2025 betrug der Nettoerlös pro Tonne noch 13,30 Euro.

Dieser drastische Gewinnverlust wird von kontinuierlich steigenden Kosten für Sammlung und Reinigung begleitet. Für das Jahr 2026 werden erstmals Kosten in Höhe von rund 200.000 Euro erwartet. Der Betrag setzt sich aus 170 Euro pro Tonne für Sammelkosten, 19 Euro pro Tonne für Sortierung und 50 Euro pro Tonne für Reinigungskosten zusammen. Für die jährlich 850 Tonnen bedeutet das einen Betrag von 203.150 Euro. Zukünftig zu erwartende erhöhte Personal- und Treibstoffkosten seien dabei nicht einkalkuliert.

Zur aktuell zunehmenden Überlastung der Container trugen außerdem gesetzliche Änderungen seit Januar 2025 bei: Altkleider dürften seitdem nicht mehr über die Restabfalltonne entsorgt werden. „Die Sammler verfügen nicht mehr über ausreichende Ressourcen, um die Leerungsintervalle den gestiegenen Mengen anzupassen. Es fehlt auf Seiten der Sammler sowohl an bezahlbarer Lagerfläche als auch an Abnehmern für die zunehmend qualitativ minderwertige Ware“, heißt es im Entwurf. Zunehmende Beschwerden sowie ein verschlechtertes Erscheinungsbild der Containerstandorte seien die Folge und würden den Handlungsbedarf verdeutlichen.

Maßnahmen sollen zukünftig zu Erlösen führen

Die Kosten für die Umsetzung der Maßnahmen werden auf rund 54.000 Euro für Logistik und Personal geschätzt. Nach aktueller Prognose könnten die jährlichen Kosten zukünftig um ca. 150.000 Euro reduziert werden. Die Chance, geringe Verwertungserlöse für qualitativ bessere Sammelware zu erzielen, steige zudem. Weitere Möglichkeiten für kontrollierte Abgaben von Alttextilien würden mit dem „Deutschen Roten Kreuz“ geprüft und abgestimmt.

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„Insgesamt wird durch die Anpassung der Sammellogistik eine erhebliche Verbesserung der Stadtsauberkeit, eine deutliche Reduzierung der Sammelkosten sowie der Sammelqualität er­wartet“, heißt es. Auch Zeit könnte durch das neue System gespart werden – eine gesteigerte Sammelqualität lasse außerdem vermuten, dass zukünftig auch wieder Verwaltungserlöse erzielt werden könnten.

# Ergänzung: Der Verwaltungsrat der Enni hat den Plänen in der Sitzung am Donnerstag, 9. Juli 2026, zugestimmt. #