Es knirscht im Verhältnis zwischen Deutschen und Niederländern, aber hinterm Prinzipalmarkt ist davon nichts zu spüren. Münster, nicht nur wegen der vielen Radwege Westfalens inoffizielle Holländer-Hauptstadt, erlebt Donnerstag (25. September) einen Oranje-Festtag. Hauptdarsteller: ein gut gelaunter König Willem-Alexander. Beim Aussteigen winkt er den hinter rot-weißem Flatterband wartenden Royalistenbürgern zu und setzt bereits bei seiner Ankunft ein Zeichen. Der 58-Jährige fährt einen schwarzen Audi, Kennzeichen AA-86. Ein deutsches Auto also. Wobei der König natürlich nicht selbst fährt, sondern sein Chauffeur.

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Dann betritt er einen Backsteinbau in der Innenstadt. Das Haus der Niederlande, Sitz mehrerer Forschungseinrichtungen, feiert 30-jähriges Bestehen. Da Willem-Alexander es gut kennt, hat er die Einladung angenommen. Er ist kein König zum Anfassen, doch im Gespräch mit Studentinnen und Mitarbeitern gibt er sich nahbar. Das blaue Jackett leicht verknittert, Manschettenknöpfe an den weißen Hemdärmeln, das rot-blonde Haar bemerkenswert voll, eine Strähne hängt ihm keck in der Stirn. Seine Krawatte ist rot-grün gemustert. Erinnert an das Wappen Nordrhein-Westfalens.
Noch ein optischer Akzent, der subtil ausdrückt: Ist doch alles gut zwischen Euch und uns.
Willem-Alexander kennt Deutschland gut
Wobei es „ernste Herausforderungen“ für das Miteinander gibt, wie Jacco Pekelder (58) betont, ein Professor aus Utrecht, der seit vier Jahren das im Haus der Niederlande beheimatete Zentrum für Niederlande-Studien leitet. Der Historiker beklagt verschlechternde Sprachkenntnisse, immer weniger junge Holländer interessieren sich fürs große Nachbarland: „Deutsch steht als Studienfach in den Niederlanden gehörig unter Druck.“ Zudem bedrohe der „Aufstieg des Autoritarismus“ Europas offene Gesellschaften. Die von den Regierungen in Berlin und Den Haag in letzter Zeit angeordneten Grenzkontrollen haben das Verhältnis auch nicht gerade verbessert.
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Willem-Alexander ist gekommen, um die Wogen mit freundlicher Präsenz zu glätten. Seit jeher hat er eine enge Beziehung zu den Deutschen. Der letzte offizielle Staatsbesuch ist zwar vier Jahre her, dennoch ist er häufig hier und spricht Deutsch. Erst letztes Wochenende schaute er sich zusammen mit Königin Máxima (54) Würzburg an – ganz privat, wie die fränkische Lokalpresse begeistert notierte.
In Münster ist der König ohnehin Stammgast. Bereits zum dritten Mal schaut er am Donnerstag im Haus der Niederlande vorbei. Schon bei der Eröffnung 1995 war er Ehrengast, damals noch als Kronprinz im Wartestand. „Er spielt eine Schlüsselrolle für unser Haus“, lobt Pekelder.
Hendrik Wüst und die deutsche Schuld
Damals vor 30 Jahren kam noch ein anderer junger Mann nach Münster, den seinerzeit kaum jemand kannte. Hendrik Wüst (50), seit 2021 NRW-Ministerpräsident, nahm 1995 als frischer Abiturient aus dem Westmünsterland sein Jura-Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität auf. „Alle Münsteraner erzählten mir, was es für eine tolle neue Einrichtung in der Stadt gibt“, erinnert sich Wüst, der den König auf seinem Rundgang begleitet. Ob in den 90ern wirklich ganz Münster über das Haus der Niederlande gesprochen hat? Und in Holland ist Jahrmarkt, man glaubt es kaum. Die Botschaft aber ist klar: Der Landesvater hat sich schon immer für das flache Land im Westen interessiert.
Zumal der CDU-Politiker selbst Verwandtschaft auf der anderen Grenzseite hat, wie er berichtet. Sein Vater habe in den 50ern und 60ern immer mal wieder eine Tante in Groningen besucht. „Er hat sich dort nie willkommen gefühlt“, so Wüst – Nachwirkungen deutscher Schuld aus Weltkriegstagen. „Unvorstellbar“ findet Wüst, „was Deutsche Niederländern angetan haben“.
Königin Máxima beackert eine eigene Baustelle
Bleiben zwei Fragen zu klären: Erstens: Was sagt eigentlich der König selbst? Tatsächlich nichts, jedenfalls nicht öffentlich und nicht im Haus der Niederlande. Keine Ansprache, keine Interviews, er murmelt nur etwas von „großer Ehre“, als er sein Autogramm ins Goldene Buch der Stadt setzt. In kurzen Gesprächen mit den Studenten lässt er sie erzählen und übernimmt mit hinter dem Rücken verschränkten Armen die Rolle des interessierten Fragenstellers.
Und zweitens: Wo ist seine Frau? Die hat sich den Trip geknickt, besitzt aber eine seriöse Ausrede: Máxima ist zusammen mit der ältesten Tochter Amalia (21) in New York, bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Die Königsfamilie stiftet Zusammenhalt. Überall.






