Na gut, im Kern geht es immer noch ums Ausstellen von exotischem Getier. Doch wer schonmal im Bekanntenkreis erzählt hat, man wolle morgen in den Zoo fahren, kennt die misstrauischen Blicke. Meistens dauert es nicht lange, bis jemand kontert: Tiere hinter Gittern, das gehe gar nicht! Für den Koninklijke Burgers‘ Zoo in Arnheim, dieses traditionsreiche Ausflugsziel in der niederländischen Grenzregion, heißt das: Keine Käfige mehr, um den Anschluss an die Kundschaft von morgen nicht zu verlieren. Komfort und Privatsphäre für Schautiere, darum geht‘s.

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Das Zoogeschäft steckt mitten in einer Zeitenwende. In Arnheim wird sie kurz hinter dem Eingang sichtbar. An Holzbalken hängen Porträtfotos von vier Menschen, die den Königlichen Tierpark groß gemacht haben. Zu sehen sind: Johan Burgers, 1913 der Gründer, mit zwei Löwenbabys in den Händen. Seine Tochter Lucie Burgers, die den Betrieb 1939 übernahm, ebenfalls mit einem Löwen im Arm. Ihr Sohn Antoon van Hooff (seit 1962), kuschelnd mit einem Äffchen im Strampelanzug.
Und schließlich dessen Sohn Alex van Hooff, Herr der Tiere seit 2004. Nur er ist kein Kuscheltyp. Das Bild zeigt ihn vor einem Wasserbecken, in dem eine Seekuh schwimmt. Er hält respektvollen Abstand. Gegrabscht wird nicht mehr, dieser Eindruck ist Alex van Hooff wichtig. In Arnheim hat sich ein Kulturwandel vollzogen, der anderen Zoos noch bevorsteht.
Burgers‘ Zoo in Arnheim gehört zu den großen europäischen Tierparks
Der mehr als 100 Jahre alte Park erstreckt sich auf 45 Hektar und ist damit ungefähr so groß wie die Zoos in Duisburg und Gelsenkirchen zusammen. Er erzählt europäische Zoogeschichte. Alex van Hooff kann davon berichten und tut es gerne. „Die Niederlande sind ein Zooland. Hier gibt es 58 Tierparks, darunter 13 große. In Großbritannien, Spanien und Frankreich gibt es jeweils nur einen Zoo mit mehr als einer Million Besuchern pro Jahr. In den kleinen Niederlanden gibt es fünf.“ Kein Wunder, dass der europäische Zoo-Verband Amsterdam zu seinem Zentralsitz gemacht hat.
Wir wollen keine Tierarten präsentieren, sondern ihren natürlichen Lebensraum.
Alex van Hooff, Zoodirektor
Der 54-jährige Niederländer kennt das Gelände wie seinen Vorgarten. Was daran liegt, dass es sein Vorgarten ist. Er lebt mit seiner Familie in einem Direktorenhaus zwischen den Gehegen. Van Hooff ist darin aufgewachsen. Als Kind spielte er mit verstoßenen Raubkatzen- und Affenbabys, die sein Vater von Hand aufzog. Wildtiere im Wohnzimmer, das würde er heute sicher nicht mehr so machen. Aber die Faszination für seine Geschöpfe hat sich van Hooff erhalten. Abends, wenn alle Besucher weg sind, unternimmt er mit seinem Hund einen Spaziergang und genießt die ungestörte Sicht auf Giraffen, Zebras und Nashörner.
Der Zoo will mehr Wüste
Van Hooff ist ein großgewachsener, freundlicher Mensch, aber vor allem ist er Geschäftsmann und hat klare Vorstellungen, wie sein Betrieb in der Öffentlichkeit dastehen soll. Er hat die NRZ zu einem Rundgang eingeladen, damit in der Zeitung steht, worauf sich das Publikum demnächst freuen darf. Der Zoo baut um. Der überdachte Themenbereich „Desert“ bekommt seit November einen Anbau, im Juni soll alles fertig sein.
Er führt über Fußwege durch eine steinige Sandlandschaft mit meterhohen Kakteen und dem Gerippe eines Planwagens, der aussieht, als hätten Siedler ihn nach einem Überfall in der Prärie zurückgelassen. Vögel fliegen durch die Halle. Die „Desert“ sei die größte überdachte Felsenwüste Europas und bilde Arizona nach. „Wir erzählen hier die Geschichte des Wilden Westens“, sagt van Hooff. Begleitet wird er von Projektmanager Paul van Velthoven und der aus Österreich stammenden Zoologin Constanze Mager. Die Wüste sei ein faszinierendes Umfeld, in dem nur angepasste Tierarten überleben.

Chef-Umbauer van Velthoven ergänzt: „Alles sieht bis ins Detail aus wie in Amerika. Sämtliche neuen Gebäude entstehen in Pueblo-Bauweise.“ Tierfreundlich sei das, darauf legt die Delegation wert. Keine Zäune, sondern weitläufiges Gelände und genügend Möglichkeiten, sich im Gebüsch oder in einer Höhle zu verstecken. Was dazu führt, dass wir in der Wüstenhalle außer den Vögeln und ein paar Schweinen keine Tiere zu Gesicht bekommen.
Arnheimer Zoo finanziert Naturschutzprojekte
Jedes Tier soll in einer naturnahen Umgebung gezeigt werden. Mit diesen Themenbereichen punktet Arnheim im Konkurrenzkampf um Tagesausflügler. „Seit den 70er-Jahren spezialisieren sich die niederländischen Zoos. Im Apenheul-Park in Appeldoorn auf Affen, Amsterdam besticht mit historischer Architektur, und wir investieren in große Ökodisplays“, sagt van Hooff. „Wir wollen keine Tierarten präsentieren, sondern ihren natürlichen Lebensraum.“
Die meisten deutschen Zoos werden von der Stadt oder vom Land getragen, sagt er. „Deshalb sind die Eintrittsreise dort etwas niedriger als bei uns. Wir sind ein Familienbetrieb, der sich selbst finanzieren muss. Wobei Geld für mich nicht das Ziel ist, sondern ein Mittel, um Naturschutzprojekte zu finanzieren. Ein Teil der Eintrittsgelder fließt in ein Waldgebiet in Belize in Zentralamerika, dessen Erhalt wir unterstützen.“
Mehr über Tiere in Zoos
Dann muss der Direktor zum nächsten Termin. Er ruft eine Freiwillige herbei. Silvia, Rentnerin mit langem rotem Haar aus Kalkar am Niederrhein, ist eine von gut 300 tierbegeisterten sogenannten Volontären, die aus Spaß an der Freude Besucher herumführen. Mehrmals in der Woche fährt sie 50 Kilometer nach Arnheim und fühlt sich als stolzer Teil des Zooteams.
Der Zoo wirbt lieber mit Fischen als mit Löwen
Sie zeigt die Tropenhalle sowie die Aquarien und erweist sich als enthusiastische Botschafterin des Schauangebots. Die Arnheimer Tiere, berichtet sie, bekämen keine Namen, weil das Personal sie nicht vermenschlichen wolle wie einst Eisbär Knut in Berlin. Nach mehreren Stunden im Zoo haben wir außer zwei alten Elefanten nahe dem Eingang kein einziges großes Tier gesehen. Keinen Löwen, keinen Tiger, keinen Gorilla, obwohl sie alle in Arnheim zu bestaunen sind. Nur Vögel in großen Hallen und Fische in stattlichen Becken.
Bloß kein Aufregerthema provozieren – das ist womöglich das Kalkül hinter dem selektiven Rundgang. Lauter kritische Kommentare in sozialen Netzwerken wären schlecht fürs Geschäft. Gegen ein paar Fische in einem Riesenbottich hat ja wohl keiner was.





