Das große Schützenfest der St. Sebastianus Schützenbruderschaft aus Duisburg-Serm ist zwar erst ein paar Wochen her, doch Brudermeister Ludger Heesen steckt mit seinem Team schon jetzt in der Planung für das nächste Jahr. Manche Dinge müssen schließlich viele Monate im Voraus geklärt werden. „Anders würde es auch nicht funktionieren, dafür ist es zu aufwändig“, sagt er. Denn wer ein Schützenfest organisieren will, braucht viel Zeit – und eine Menge Geld. Wir haben Verantwortliche gefragt, was alles dahintersteckt, die für viele Traditionalisten größte Party des Jahres zu organisieren.
Wo gute Stimmung aufkommen soll, da braucht es auch gute Musik. Und traditionell gehört zu einem Schützenfest nicht nur ein DJ, sondern auch eine Blaskapelle zum guten Ton. Die seien in den vergangenen Jahren aber ziemlich rar geworden und das wirke sich wiederum stark auf die Terminkalender der verbleibenden Kapellen aus. Wer zu spät anfragt, geht leer aus. „Wir kümmern uns deshalb auch in diesem Jahr schon um die Musik für das Schützenfest 2026“, verrät Heesen im Gespräch mit der Redaktion.
Wir kümmern uns in diesem Jahr schon um die Musik für das Schützenfest 2026.
Ludger Heesen, Brudermeister der St. Sebastianus Schützenbruderschaft
Der BSV Frohnhausen aus Essen hat für die Organisation immer ein Jahr mehr Zeit, denn inzwischen feiert der Verein sein Schützenfest nur noch alle zwei Jahre. Genug zu tun gebe es trotzdem, schließlich müssen alle Beteiligten die Organisation ehrenamtlich leisten und alles mit ihrem Privat- und Berufsleben unter einen Hut bekommen, erklärt Martin Blöhm, der nicht nur Vorstandsvorsitzender, sondern auch aktueller König des Essener Vereins ist. Für seine Zepterübergabe sei das meiste schon in trockenen Tüchern. „Auch ein DJ und zwei Blaskapellen für den Zapfenstreich sind längst organisiert“, sagt er. Und was zahlt der Schützenverein dafür?
Kein Schützenfest ohne Musik – doch zu welchem Preis?
„Die Musiker sind einer der ersten großen Kostenfaktoren“, holt Blöhm aus. „Den DJ bucht man in der Regel direkt für das ganze Wochenende, also für drei Tage.“ Allein dafür würden 3000 bis 3500 Euro fällig. Die Bläser würden weitere 700 Euro kosten. Da ein Schützenfest als öffentliche Veranstaltung zählt und Lieder von anderen Künstlern gespielt werden, fallen dazu noch Gema-Gebühren an: weitere 1500 Euro. Macht also insgesamt über 5000 Euro allein für die Musik. „Und damit kommen wir noch relativ günstig weg, andere Schützenvereine buchen neben dem DJ auch noch richtige Showacts.“

Und auch die zahlreichen Sicherheitsauflagen kosten die Vereine viel Geld. Wer noch traditionell beim Schützenfest das Königsschießen ausrichten will, muss beispielsweise den Kugelfang, in dem die abgefeuerten Patronen landen, von der Polizei inspizieren und abnehmen lassen. Kostenpunkt: 500 bis 1000 Euro.
Anträge und Genehmigungen
„Weniger Geld, aber dafür viel Zeit kosten die zahlreichen Anträge, die man vorher bei der Stadt stellen muss“, sagt der Essener Schützenkönig. Für den Umzug muss der gesamte Marschweg bei der Stadt zur Prüfung eingereicht werden, damit die Straßen am entsprechenden Tag abgesperrt werden können. In der Regel werde der Umzug auch von Polizeimotorrädern abgesichert. Trotzdem müssen alle 15 Meter entlang der Strecke Menschen mit Warnwesten stehen, um sich um die Absperrungen zu kümmern. „Da die Mitglieder ja selbst mitlaufen möchten, kann der Verein das nicht selbst übernehmen. Dabei bekommen wir dann zum Glück Hilfe von befreundeten Vereinen.“
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Und auch die Feier an sich muss angemeldet sein, nicht zuletzt wegen der Lautstärke. „Wir bekommen dann eine Sondergenehmigung, dass wir bis Mitternacht Musik spielen dürfen.“ Aber auch ein Sicherheitskonzept muss erstellt werden, inklusive Sicherheitspersonal. „Je nach Größe des Sicherheitsteams kommen da auch schnell ein paar tausend Euro zusammen“, führt Blöhm weiter aus.
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15.000 Euro auch ohne Festzelt
Und natürlich braucht es für ein Schützenfest auch einen angemessenen Austragungsort, traditionell ein Festzelt. Der BSV Essen-Frohnhausen hat diese Tradition bereits abgelegt, zu hoch seien inzwischen die Kosten. „Durch die Coronapandemie haben viele Anbieter ihren Betrieb eingestellt, dadurch haben die verbliebenen eine größere Macht über die Preise bekommen“, vermutet Blöhm. Und obwohl sie es ohne Saalmiete im Pfarrsaal St. Elisabeth ausrichten dürfen, koste das Schützenfest für die rund 200 Gäste rund 15.000 Euro.

Die Bruderschaft Duisburg-Serm möchte aber an der Tradition festhalten, versichert Heesen. Stolze 900 Quadratmeter misst das Festzelt, dessen Bewirtung immer vom Zeltwirt übernommen wird. An den Getränken der mehreren hundert Gäste verdient der Verein deshalb nichts. „Dafür muss sich aber auch niemand von uns hinter die Theke stellen, sondern kann unbesorgt feiern.“ Doch das hat seinen Preis: Zeltmiete, Toilettenwagen, baubehördliche Genehmigungen, Musik und Co. sorgen für Gesamtkosten von etwa 35.000 Euro.
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Doch wie bekommen die Vereinen dieses Geld wieder rein? Durch Eintrittskarten jedenfalls nicht, der Einlass ist auf Schützenfesten am Niederrhein in der Regel kostenfrei. „Würden wir Eintritt nehmen, hätten wir ein leeres Zelt“, scherzt der 56-Jährige. Einen Teil der Ausgaben nehme man durch die Festzeitschrift wieder ein, die neben zahlreichen Berichten und Grußworten auch Anzeigen einiger Sponsoren enthält. „Der Rest kommt durch Spenden zusammen und natürlich durch unsere Mitglieder“, erklärt Heesen. Rein finanziell sei ein Schützenfest heutzutage trotz vieler Besucher also eher ein Minusgeschäft.





