Auf der Straße vor dem Haus parkt ein Wohnwagen, der jedoch dem Nachbarn gehört. Thomas Killemann, der bereits im Garten wartet, liebt zwar Camping, allerdings würde er nie, wirklich nie mit „so einem Plastikding“ losfahren, wie er direkt betont. Nur, um dann schnell hinterherzuschieben: „Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen!“ Er selbst setzt sich nur eben lieber ans Steuer eines anderen Wagens... Und da steht er auch schon, in schickem Bordeauxrot und mit aufgestelltem Zeltdach, mitten auf der Wiese: ein VW-Bulli, genauer gesagt ein California-Camper. Damit waren er und seine Lebensgefährtin gerade erst wieder unterwegs, quer durch Ostdeutschland, bis hoch nach Rügen. Herrlich war das! Doch das Thema ist mehr als nur ein Hobby von ihm. Thomas Killemann ist Experte auf dem Gebiet und als solcher bereitet er T3-Busse für Kundinnen und Kunden aus ganz Deutschland technisch auf und bietet Modifikationen an. Streng nach dem Motto: besser, schöner, schneller. Dabei hat bei ihm alles mit einem Schreckmoment begonnen – auf einer Straße mitten in Paris.

Wobei, vielleicht muss Thomas Killemann noch etwas weiter vorne beginnen. „Ich habe früher intensiv Windsurfen betrieben“, erzählt er. „Und wenn du surfen gehst, brauchst du ein Auto mit viel Platz.“ So kam er 1994 an seinen ersten VW-Bus, „weil der erschwinglich war und man den fahren konnte wie einen normalen PKW.“ Damit ist er nach Sardinien, Portugal oder auch bis nach Tarifa in Spanien gereist, dem südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Dort hat er sogar mal ein halbes Jahr gelebt. Ansonsten war er aber immer zwei Mal im Jahr für sechs Wochen in ganz Europa unterwegs. „Ich habe mein Leben nach dem Windsurfen ausgerichtet“, sagt er. „Man braucht einfach Zeit, weil die Natur mitspielen muss.“ Und so wohnte er wochenlang in seinem VW-Bulli, mit dem er an jeden noch so versteckten Surfspot fahren konnte. Mehr noch, betont er, „damit kann man auch in jede Stadt, um beispielsweise mal schnell Brötchen zu holen.“

Die vielen Vorteile des VW-Bullis

Der 61-Jährige zeigt auf den Camper im Garten. „Der hat eine Länge von einem PKW-Kombi“, sagt er. „Damit ist er alltagstauglich.“ Und dann, nach einer kurzen Pause, fügt er hinzu: „Anders als Wohnmobile, die acht Meter lang sind – mit Heißluftfritteuse und Backofen.“ Mit Camping habe das aus seiner Sicht wenig zu tun. Er reist lieber nach dem Motto: „Weniger ist mehr.“ Aber jetzt mal ganz ehrlich, wie komfortabel ist so ein VW-Bus wirklich? Er lacht. „Man schläft wunderbar darin!“ Mit einem einzigen Griff hat er das Sofa in ein Bett verwandelt. „Oder man schläft oben“, sagt er und deutet auf die Liegefläche unter dem Zeltdach. Ansonsten gibt‘s hier noch einen kleinen Kühlschrank, zwei Herdplatten... „Nur eine Toilette gibt‘s nicht“, sagt er. Macht aber nix, dafür haben die Campingplätze eine Infrastruktur. Ja, wenn Thomas Killemann über die T3-Busse, also die dritte Generation des VW-Transporters spricht, kommt er ins Schwärmen. „Ich habe einen Narren an den Dingern gefressen.“

So sieht Thomas Killemanns VW-Bulli von innen aus.
So sieht Thomas Killemanns VW-Bulli von innen aus. © FUNKE Foto Services | Thorsten Lindekamp

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Nun wurden die VW-Bullis aber nur von 1979 bis 1992 produziert. Dementsprechend haben die alten Schätzchen auch schon das ein oder andere technische Problem... Da fällt Thomas Killemann eine Geschichte ein, die ihm selbst 1998 passiert ist. „Ich bin mitten in Paris liegengeblieben und eine Freundin, die ebenfalls mit ihrem VW-Bulli unterwegs war, hat mich mit einem Seil bis nach Emmerich abgeschleppt.“ Die Werkstatt konnte damals das Schaltgetriebe nicht reparieren, also setzte er sich selbst damit auseinander. Immerhin hatte er schon seit seinem elften Lebensjahr leidenschaftlich gern an Dingen geschraubt. Vielleicht, überlegt er, „war das wirklich die Initialzündung.“ Bald schon reparierte er nicht nur seinen eigenen VW-Bus, sondern auch die seiner Freunde und Bekannten. Aber nicht nur das. „Ich wollte auch die Autos so gut wie möglich machen“, sagt er, „dass die Technik zuverlässig ist.“ Er tauschte Kühlungen aus, setzte stärkere Motoren ein.

Ein Porsche-Motor im VW-Bus

Sein Prestigeobjekt? „Ich habe in einen VW-Bus einen Porsche-Motor eingebaut“, erzählt der 61-Jährige. Porsche hatte einst selbst eine Kleinserie, „die war sündhaft teuer und wurde irgendwann eingestampft“, sagt er. Und genau die hat er nachgebaut, „um möglichst viel Leistung zu haben.“ 2007 meldete er schließlich ein Gewerbe an und ging mit einer Website online... „Ab da war Alarm“, erklärt er. Von überall erreichen ihn seitdem Anfragen – das Weiteste war bislang Italien. Wie er sich das erklärt? „Es gibt nicht so viele Spezialisten für diese Fahrzeuge“, antwortet er. „Und nach 30 Jahren kenne ich wirklich jede Schraube.“ Die meisten seiner Kundinnen und Kunden sind über 50 Jahre alt, viele von ihnen haben ihren VW-Bus schon über 30 Jahre. „Das ist dann wie ein Familienmitglied“, betont er. Andere dagegen sind mit dem Camper aufgewachsen, mussten ihn irgendwann aus praktischen Gründen abgeben... und kaufen ihn sich dann Jahrzehnte später wieder.

Der California Camper hat ein aufstellbares Zeltdach.
Der California Camper hat ein aufstellbares Zeltdach.© FUNKE Foto Services | Thorsten Lindekamp

Für Bulli-Fans

Thomas Killemann bereitet die T3-Busse in Kalkar auf. Mehr Infos auf seiner Homepage: www.t3-total.de. Kontakt: 02824/9716511 oder per E-Mail an thomas_killemann@hotmail.com

Bulli-Fans können sich auf das „Bulli Summer Festival“ freuen, das von Donnerstag bis Sonntag, 4. bis 7. September, am Weseler Auesee stattfindet. Mehrere Bands sowie Künstlerinnen und Künstler sind auf der Bühne zu Gast. Zwischen den Live-Musik-Acts gibt es Vorträge rund um das Thema Vanlife, außerdem erhält der schönste Camper einen Preis. Für Tagesgäste ist der Eintritt kostenlos, sie sind zwischen 10 Uhr morgens und Mitternacht auf dem Gelände willkommen. Übernachtungstickets sind bereits ausverkauft.

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Nostalgie spielt dabei sicher eine Rolle. Wobei, das steht für Thomas Killemann fest, es ja noch so viele andere Gründe gibt! Einen hätte er noch: „Du schmeißt Bettzeug und Lebensmittel rein und kannst innerhalb von 15 Minuten losfahren!“ Das macht er auch bald wieder. Wohin es dann geht? „Vielleicht einfach nach Holland.“