Das Frühstücksbuffet ist bereits geplündert, die Kaffeetassen sind ausgeschlürft und doch können sich einige Gäste einfach noch nicht von den Tischen losreißen. Hier, zwischen rustikalen Bauernschränken und verspielten Blümchengardinen, lässt es sich wirklich aushalten! Und so plaudern die Männer und Frauen noch gemütlich weiter, während Marina Florea und ihre Mitarbeiterin schon mal vorsichtig die ersten Teller abräumen. Seit mittlerweile drei Jahren ist die 52-Jährige die Pächterin des erfolgreichen Cafés, das in diesem Jahr ein großes Jubiläum feiert: Hagemanns Hofcafé wird 20 Jahre alt! Und zu diesem Anlass setzt sich nun auch Hanni Krebber auf einen der Stühle, immerhin hat mit ihr und ihrem Mann Wilfried Krebber alles angefangen. Dabei hätten sie anfangs nie, wirklich nie gedacht, „dass das hier so einschlägt.“

Damals hatte das Paar überlegt, was sie mit ihrem Hof in Zukunft machen könnten. Im Pferdestall standen zwar einige Pensionspferde, aber um diese Arbeit weiter auszubauen, bräuchten sie mehr Platz... Als sie dann in der Tageszeitung von Hofcafés am Niederrhein lasen, kam ihnen die Idee. Das wär‘s doch! „Hier war ja weit und breit sonst nix“, erzählt Hanni Krebber. Also könnten sie doch ihren Stall zu einem Café umbauen. „Ich war damals 55 Jahre alt“, erinnert sie sich, „das war schon heftig.“ Aber sie waren überzeugt von ihrem Plan. Auch, weil sie selbst gern backt? Die 75-Jährige lacht. „Nee, eben nicht!“ Okay, das muss sie jetzt aber mal kurz erklären. „Eine Bekannte von mir war Bäckerin und die hat dann bei uns angefangen.“ Stachelbeerbaiser war schon damals „der Renner“, außerdem Schwarzwälderkirsch, Himbeerphiladelphia oder die Schneeballtorte...

Zwei Pächter und „eine große Katastrophe“

Hanni Krebber selbst ist „mehr für Herzhaftes“, das muss sie offen zugeben. Deshalb hat sie auch schnell dafür gesorgt, dass es ein Frühstücksbuffet gibt. „Und das ist bis heute die beste Einnahmequelle“, betont sie. Am Wochenende ist alles schon Wochen vorher ausgebucht und das will schon etwas heißen, bei rund 75 Plätzen allein im Innenraum. Aber keine Sorge, „mittwochs hat man meist noch ganz gute Chancen.“ Ja, das Herzblut ist ihr anzumerken, wenn sie von ihrem Hofcafé erzählt – das sie nach 16 Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgeben mussten. Doch es brauchte zwei Anläufe, zwei Pächter und „eine große Katastrophe“, wie sie es nennt, bis vor drei Jahren endlich ihre große Rettung kam. Moment, jetzt holt sie mal eben kurz Marina Florea an den Tisch, damit sie selbst etwas darüber erzählen kann.

Hanni und Wilfried Krebber haben vor 20 Jahren das Hagemanns Hofcafé in Hamminkeln aufgebaut.
Hanni und Wilfried Krebber haben vor 20 Jahren das Hagemanns Hofcafé in Hamminkeln aufgebaut.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Die 52-Jährige ist aus Rumänien nach Deutschland gekommen, um in der Altenpflege zu arbeiten. Dabei ist sie eine „absolute Bäckerin“, betont Hanni Krebber. Als Marina Florea nach einer Anstellung im Hofcafé fragte, bekam sie diese sofort. Hanni Krebber lernte sie zwei Jahre lang an und dann, im Jahr 2022, wurde sie offiziell die Pächterin. Und nicht nur das. Mittlerweile hilft auch ihre Tochter Adela im Service und ihre Nichte Diana beim Backen. Es ist schwer, gutes Personal zu bekommen, sagt Marina Florea, „aber das ist überall so.“ Deshalb freut sie sich umso mehr über ihr bestehendes Team und natürlich auch über „die netten Kunden“. Tatsächlich laufe das Geschäft gut, besonders bei schönem Wetter. Dann stehen zahlreiche Fahrräder und E-Bikes auf dem ganzen Hof verteilt. Wie viele Torten an solchen Tagen über die Theke gehen? Sie lacht. „Einige.“

Über 20 verschiedene Torten und Kuchen gehören zum Repertoire der Bäckerin des Hagemanns Hofcafés in Hamminkeln.
Über 20 verschiedene Torten und Kuchen gehören zum Repertoire der Bäckerin des Hagemanns Hofcafés in Hamminkeln.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Preiselbeermarzipan, Mokkatorte oder Himbeermousse

Manche kaufen auch ganze Kuchen, die sie dann mit nach Hause nehmen. 20, vielleicht auch 21, Rezepte gehören zu ihrem Repertoire. Immer wieder probiert die 52-Jährige aber auch mal etwas Neues aus, wobei, das muss sie direkt hinzufügen: „Die Kundschaft ist etwas älter und es stand hier schon ein Mann vor der Theke, der die Stracciatellatorte gesehen und gesagt hat: Früher gab‘s noch gescheite Kuchen!“ Darüber kann sie zwar lachen, aber sie nimmt den Hinweis durchaus ernst. Deshalb bleibt sie lieber bei den bewährten Klassikern. Preiselbeermarzipan, Mokkatorte... „oder die Himbeermousse“, wirft Hanni Krebber ein. „Die ist fantastisch!“ Ach, die isst sie dann doch? Die 75-Jährige lacht. Und Marina Florea gibt die Erklärung: „Sie nimmt die Spitze und ihr Mann isst dann den Rest.“

Bienenstich... einer der Lieblingskuchen von Wilfried Krebber.
Bienenstich... einer der Lieblingskuchen von Wilfried Krebber.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Hagemanns Hofcafé

Hanni und Wilfried Krebber feiern gemeinsam mit Marina Florea und geladenen Gästen am 1. Oktober das 20-jährige Jubiläum des Hagemanns Hofcafé.

Alle anderen, die gerne mal vorbeikommen möchten, haben dazu die Möglichkeit während der regulären Öffnungszeiten. Das Frühstücksbuffet gibt es mittwochs, samstags, sonntags und an Feiertagen von 9.30 bis 12.30 Uhr. Eine Voranmeldung ist notwendig: 02856/828. Kaffee, Kuchen und Herzhaftes gibt es dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 13 bis 18 Uhr.

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Die Pächterin selbst liebt übrigens den Aprikosenstreuselblechkuchen. Mmh... wenn sie sich mit ihrer Tochter und ihrer Nichte noch warme Stücke mit in die Pause nehmen... „Dann teilen wir die nicht“, sagt sie und lacht. Gleich haben sie aber doch sicher etwas Zeit zum Durchatmen, oder? Immerhin ist die Frühstückszeit vorbei und die Kuchenzeit hat eigentlich noch nicht begonnen? Sie schüttelt den Kopf. „Die nächsten Kunden kommen schon bald“, sagt sie, „glauben Sie mir.“ Und tatsächlich, nur wenige Minuten später stehen zwei Radfahrer vor der Glasvitrine. „Wir wollen mal die Kuchenauswahl bewundern!“ Die Auswahl fällt nicht leicht, aber dann steht die Entscheidung. „Himbeersahne!“, sagt der eine. „Bienenstich“, sagt der andere. Und fügt dann mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Pflaumenkuchen hinzu: „Erstmal nur ein Stück.“