Sabine Friemond springt sofort auf. „Guten Morgen“, sagt sie. Eigentlich sitzt sie gerade gemütlich an einem der Kaffeetische in dem Café, das auch zur Buchhandlung gehört und plauscht mit Kunden. Aber jetzt ist die Zeit für Gemütlichkeit vorbei, jetzt beginnt ein Abenteuer im Buchladen „Lesezeit“ in Voerde. Denn seit Kurzem bietet die Buchhändlerin einen Escape-Room an: mehrere Rätsel, die aufeinander aufbauen und in den Räumen ihres Ladens, im Café und im Keller der Buchhandlung gelöst werden sollen.
Die Buchhändlerin bittet an einen Tisch am anderen Ende des Cafés. Was sie jetzt verrät, soll schließlich geheim bleiben. Sie schaut allwissend und redet leise, fast schon flüsternd. „Wenn die Gäste reinkommen, dann bekommen sie erst einmal einen Brief“, sagt sie. „Der kommt von einer Romanfigur, die Alba heißt. Alba hat etwas im Buchladen versteckt und das gilt es zu finden.“ Wer jetzt verzweifelt überlegt, in welchem Roman es eine Figur gibt, die Alba genannt wird, der kann wieder durchatmen. „Die Figur habe ich mir ausgedacht“, sagt Friemond. So wie den Rest des Rätselspiels.
„In meinem Laden arbeiten eine Mutter und eine Tochter. Die beiden sind totale Escape-Room-Füchse“, erzählt Friemond. Durch sie habe sich die Idee bei ihr gefestigt, einen Escape-Room in ihrer Buchhandlung zu entwickeln. Lange habe Friemond nicht gebraucht, sich die Rätsel auszudenken. „Mir kam immer mal wieder eine kleine Idee. So richtig hingesetzt und daran gearbeitet, habe ich nicht.“ Mit kniffligen Fällen kennt Sabine Friemond sich aus: Sie hat schon mehrere Krimis herausgebracht. „Gerade schreibe ich am achten Roman“, verrät sie. „Mir solche Fälle auszudenken, fällt mir leicht.“

Trotzdem ist ein Escape-Room-Spiel ein bisschen anders als ein Krimi. Denn die Spieler sollen schließlich in einer bestimmten Zeit, die Rätsel lösen können. Und dabei geht jeder anders vor. „Meine beiden Mitarbeiterinnen sind da wirklich meine Teufels-Advokatinnen“, Friemond lacht. „Manchmal hat es an einer Stelle gehakt und dann konnten die beiden systematisch helfen.“
Hinweise können überall im Buchladen „Lesezeit“ versteckt sein
Aber worum geht es denn jetzt genau? Sabine Friemond überlegt. Sie will wirklich nicht zu viel verraten. „Im Café bekommen die Gäste den ersten Brief von Alba mit dem ersten Tipp und dann geht‘s ans Suchen“, sagt sie. „Die Hinweise können überall sein, zwischen den Büchern... einfach überall!“ Sie läuft vor in den Buchladen. Dort gibt es zwischen den Büchern unzählige Möglichkeiten, Hinweise zu verstecken. Unweit der Kasse steht eine alte Schreibmaschine. In ihr steckt ein Blatt mit dem Satz: „Wir schliefen in dem, was einmal die Turnhalle war.“ – „Das ist die erste Zeile eines Romans.“ Ein Hinweis für den Escape-Room? Sabine Friemond lächelt und verrät nichts.

Escape-Room in der Buchhandlung „Lesezeit“
Die Termine für den Escape-Room in der Buchhandlung „Lesezeit“, Bahnhofstraße 61, in Voerde können individuell gebucht werden. Start ist immer, sobald der Buchladen geschlossen ist, damit die Gäste in Ruhe knobeln und Rätseln können. Das Abenteuer kostet für vier Personen 99 Euro. Für jede weitere Person berechnet Sabine Friemond zehn Euro extra. Chips und Mineralwasser stehen darüber hinaus bereit. Das Abenteuer eignet sich für Menschen ab zwölf Jahren. Gebucht werden kann über die Internetseite. www.buchhandlung-lesezeit.buchhandlung.de
„Irgendwann werden die Spieler dann aufgefordert, in den Keller zu gehen“, sagt die Buchhändlerin. Sie läuft vor, wieder ins Café, wo neben dem Tresen eine Treppe nach unten führt. Sie macht das Licht an. Ein langer, gut beleuchteter Flur, an dessen Ende ein Sessel steht. An den Wänden stehen in Regalen antike Enzyklopädien. Ein Zimmer geht von dem Flur ab. Sabine Friemond geht rein. „Das hier ist das Zimmer, für unsere Übernachtungsgäste“, sagt sie und zeigt auf das Bett. In ihrer Buchhandlung kann nämlich auch übernachtet werden. „Hier unten gibt es auch einen Hinweis von Alba“, verrät die 57-Jährige.
Die Spieler müssen für den Escape-Room nicht belesen sein
Müssen die Spieler belesen sein, um das Rätsel zu knacken? „Nein, das ist nicht nötig“, sagt Friemond überzeugt. Kann sie nicht noch einen kleinen Tipp geben, worum es geht? „Die Figur Alba ist ein Zwischenwesen, zwischen Mensch und Romanfigur und sie hat etwas hinterlassen, was die Gruppe im besten Fall findet“, sagt Friemond und überlegt kurz. „Alba hinterlässt den Menschen etwas, womit man Frieden stiften kann. Wenn es aber in die falschen Hände gerät, kann das auch zu viel Unheil führen.“ Mehr verrät Sabine Friemond nun wirklich nicht über den Escape-Room. Es soll rätselhaft für die Besucher bleiben.

Sie geht wieder die Treppe hoch ins Café. Und dreht sich auf den Stufen um. „Die erste Gruppe hatte ich schon da, die das Spiel getestet hat“, berichtet sie. Die habe sie durchaus etwas nervös gemacht, verrät sie. „Die hatten super schnell das Ergebnis für die ersten beiden Aufgaben“, sagt sie. Sie habe sich schon überlegt, was sie machen soll, wenn die Spieler weiter so zackig die Lösungen parat haben. „Aber dann kam das dritte Rätsel und ich war davon überzeugt, dass es für sie dann auch sehr leicht sein muss. Aber die Spieler mussten wirklich lange knobeln“, erzählt sie zufrieden. „Ein Escape-Room hat eine unberechenbare Dynamik“, erzählt sie. Daran erinnert sie sich noch. Denn 2023 hatte Friemond bereits an drei Terminen einen Escape-Room in ihrer Buchhandlung angeboten.
Nun freut sie sich auf die nächsten Gäste, die Lust zum Knobeln und Rätseln haben. Bis zum Sommer wird der Escape-Room vielleicht noch erweitert. „Wir machen gerade den Garten“, erzählt Friemond und zeigt aus dem Fenster, hinten im Café. „Das Roden der Brombeeren ist richtig viel Arbeit. Aber wenn das alles fertig ist, könnte ich mir gut vorstellen, dass wir den Garten bei dem Escape-Room dazunehmen.“


